
Personalkarussell im Kanzleramt: Thorsten Frei wird Fraktionschef â und die Union murrt

Es gibt Wahlergebnisse, die nach Zustimmung klingen und doch nach ZĂ€hneknirschen riechen. 91,9 Prozent â so viel RĂŒckhalt bekam Thorsten Frei am Mittwoch von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, als er zum neuen Vorsitzenden gewĂ€hlt wurde. Nachfolger von Jens Spahn. Und, wie böse Zungen in Berlin anmerken, vor allem: Vertrauter von Friedrich Merz. Der bisherige Kanzleramtschef wechselt damit vom Maschinenraum der Regierung an die Spitze der Fraktion, die diese Regierung tragen soll. Ein Ortswechsel, kein Kurswechsel.
Ein Auftritt, der warten musste
Bezeichnend war, was nach der Wahl geschah â oder besser: was zunĂ€chst nicht geschah. Der geplante gemeinsame Auftritt von Merz, Frei und CSU-Chef Markus Söder verzögerte sich, weil zahlreiche Abgeordnete auf einer Aussprache bestanden. Man wollte reden. Und zwar nicht ĂŒber Erfolge.
Nach Berichten aus dem parlamentarischen Umfeld hĂ€tten mehrere Unionspolitiker deutliche Kritik an der Personalrochade geĂ€uĂert. Ein Thema, das seit Jahren wie ein ungeliebter Verwandter in der CDU-Familie sitzt, kam ebenfalls auf den Tisch: die schwache Vertretung ostdeutscher Christdemokraten in der Bundesregierung. Merz habe den Abgeordneten versichert, weitere Umbesetzungen seien nicht geplant â und angekĂŒndigt, seine Entscheidungen kĂŒnftig besser erklĂ€ren zu wollen.
Wer seine Entscheidungen erklĂ€ren muss, hat sie offenbar nicht ausreichend begrĂŒndet. Wer sie besser erklĂ€ren will, gesteht ein, dass die eigene Fraktion ihn nicht mehr versteht.
Die Entlassung, die im Raum steht
Hintergrund der Unruhe sind Merz' umstrittene Personalentscheidungen, darunter die Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder sowie weitere VerĂ€nderungen im Kabinett. FĂŒr einen Kanzler, der mit dem Versprechen von FĂŒhrungsstĂ€rke und VerlĂ€sslichkeit angetreten war, ist das eine unangenehme Bilanz. FĂŒhrungsstĂ€rke bedeutet nicht, Köpfe auszutauschen, bis irgendeine Konstellation zufĂ€llig funktioniert.
Warum das mehr ist als PersonalgeplÀnkel
Man könnte all das als ĂŒbliches Berliner StĂŒhlerĂŒcken abtun. Doch der Zeitpunkt ist verheerend. Deutschland steckt in einer wirtschaftlichen Dauerkrise, die Industrie wandert ab, die Energiepreise bleiben ein Standortkiller, und die Bundesregierung finanziert ihre Versprechen ĂŒber ein 500-Milliarden-Sondervermögen â also ĂŒber Schulden, die kommende Generationen abtragen dĂŒrfen. Ausgerechnet jener Kanzler, der im Wahlkampf keine neuen Schulden versprochen hatte, hat die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 im Grundgesetz verankert und damit einen fiskalischen Betonklotz gegossen, den niemand mehr wegrĂ€umen kann.
Und wĂ€hrend die Zinslast wĂ€chst und die Inflation weiter am Vermögen der BĂŒrger nagt, beschĂ€ftigt sich die Union mit sich selbst. Wer erwartet, dass ein neuer Fraktionsvorsitzender daran etwas Ă€ndert, sollte sich fragen, ob ein enger Vertrauter des Kanzlers derjenige ist, der dem Kanzler widerspricht.
Das Vertrauen ist das eigentliche Opfer
Was in diesen Tagen sichtbar wird, ist ein Grundproblem der etablierten Volksparteien: Programme werden zu Verhandlungsmasse, Versprechen zu FuĂnoten, Ămter zu Verschiebemasse. Die Kritik aus der Fraktion â gerade jene aus dem Osten â ist kein RandgerĂ€usch, sondern das Echo eines Landesteils, der sich seit Jahrzehnten ĂŒbergangen fĂŒhlt. Wer das ignoriert, muss sich ĂŒber Wahlergebnisse nicht wundern.
FĂŒr BĂŒrger, die ihr Erspartes schĂŒtzen wollen, ist die Lehre daraus schlicht: Politische Personalkarussells drehen sich schnell, Kaufkraftverluste wirken langsam, aber unerbittlich. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind seit Jahrtausenden das, was RegierungserklĂ€rungen nie sein können â unabhĂ€ngig von Amtsinhabern, KoalitionsvertrĂ€gen und Umbesetzungen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie eine der wenigen Konstanten in einer Zeit, in der politische VerlĂ€sslichkeit zur Mangelware geworden ist.
Fazit
Thorsten Frei ĂŒbernimmt ein Amt mit erheblicher Hypothek. Nicht, weil er persönlich versagt hĂ€tte, sondern weil er die Fraktion eines Kanzlers fĂŒhren soll, dessen AutoritĂ€t sichtbar Risse zeigt. Ob aus dem Wechsel mehr wird als ein neues Namensschild an der TĂŒr, wird sich zeigen. Zu erwarten wĂ€re es nicht.
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