
Polen rüstet auf: Antipersonenminen an der Ostgrenze – Rückkehr zur Kriegslogik des Kalten Krieges
Was sich derzeit an Europas östlicher Flanke abspielt, lässt selbst hartgesottene Sicherheitsexperten aufhorchen. Polen hat beschlossen, erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges wieder Antipersonenminen zu produzieren und diese entlang seiner Grenze zu Belarus und Russland zu verlegen. Ein Schritt, der die geopolitische Landschaft Europas nachhaltig verändern könnte – und der zeigt, wie ernst die Bedrohungslage mittlerweile eingeschätzt wird.
Das Ende der Ottawa-Konvention für die Osteuropäer
Der polnische Vize-Verteidigungsminister Pawel Zalewski bestätigte die neue Strategie mit unmissverständlichen Worten: Man sei an großen Mengen interessiert, und zwar so schnell wie möglich. Diese Aussage markiert einen historischen Wendepunkt. Warschau hat bereits im August den Prozess eingeleitet, sich aus der Ottawa-Konvention von 1997 zurückzuziehen – jenem internationalen Abkommen, das die Produktion, Lagerung und den Einsatz von Antipersonenminen weltweit ächtet.
Doch Polen steht mit dieser Entscheidung keineswegs allein. Fast alle europäischen Staaten, die eine Grenze zu Russland teilen, haben ähnliche Pläne angekündigt. Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen erklärten bereits im Frühjahr ihren Austritt aus dem Vertrag. Einzig Norwegen hält noch an der Konvention fest. Die Verteidigungsminister der vier Länder sandten eine unmissverständliche Botschaft: Ihre Nationen seien bereit, jede notwendige Maßnahme zu ergreifen, um ihr Territorium und ihre Freiheit zu verteidigen.
Der "Ostschild" nimmt Gestalt an
Das sogenannte "East Shield"-Programm, das von mehreren europäischen Staaten vorangetrieben wird, geht weit über symbolische Gesten hinaus. Während in westeuropäischen Hauptstädten noch über Drohnenwände und elektronische Schutzschilde debattiert wird, schaffen die Frontstaaten bereits Fakten auf dem Boden. Die Minenfelder sollen nicht nur die polnische Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad sichern, sondern auch die Grenze zu Belarus – einem engen Verbündeten Moskaus.
Besonders brisant: Polen erwägt offenbar auch den Export dieser Waffen an die Ukraine. Ein Schritt, der die ohnehin angespannte Lage weiter eskalieren könnte und Russland zweifellos als weitere Provokation interpretieren wird.
Die dunkle Seite der Verteidigung
So nachvollziehbar der Wunsch nach Sicherheit auch sein mag – Antipersonenminen bleiben eine der perfidesten Waffen der Kriegsführung. Sie töten unterschiedslos. Soldaten, Zivilisten, Kinder – die Mine fragt nicht nach dem Opfer. Und sie töten nicht nur heute, sondern auch in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren, wenn der Konflikt längst vergessen ist. Die Erfahrungen aus Kambodscha, Angola oder dem Balkan sollten eigentlich Warnung genug sein.
"Mit dieser Entscheidung senden wir eine klare Botschaft: Unsere Länder sind vorbereitet und können jede notwendige Maßnahme ergreifen, um unser Territorium und unsere Freiheit zu verteidigen."
Diese Worte der Verteidigungsminister klingen entschlossen. Doch sie offenbaren auch die Tragik der gegenwärtigen Situation. Europa, das sich jahrzehntelang als Kontinent des Friedens und der Abrüstung verstand, kehrt zu den Methoden des Kalten Krieges zurück. Die Frage, ob diese Entwicklung wirklich mehr Sicherheit bringt oder nur eine Spirale der Aufrüstung befeuert, bleibt unbeantwortet.
Ein Weckruf für Deutschland?
Während unsere östlichen Nachbarn ihre Grenzen mit allen verfügbaren Mitteln sichern, diskutiert man hierzulande noch immer über Waffenlieferungen und Verteidigungsausgaben. Die Entschlossenheit Polens und der baltischen Staaten sollte auch der deutschen Politik zu denken geben. Denn eines ist klar: Die Zeiten, in denen man sich auf amerikanische Sicherheitsgarantien verlassen konnte, sind vorbei. Europa muss seine Verteidigung selbst in die Hand nehmen – ob uns das gefällt oder nicht.
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