
Portugal nach Sturm „Kristin": Milliardenschwerer Wiederaufbau und die bange Frage nach dem nächsten Unwetter
Die Bilder aus Portugal gleichen einem Schlachtfeld der Natur. Zertrümmerte Straßenzüge, entwurzelte Bäume, zerstörte Existenzen – der verheerende Sturm „Kristin" hat das Land an der iberischen Atlantikküste mit voller Wucht getroffen. Nun steht die Regierung vor einer gewaltigen Herausforderung: 2,5 Milliarden Euro sollen allein aus dem Staatshaushalt für den Wiederaufbau bereitgestellt werden.
Fünf Todesopfer und eine Nation im Ausnahmezustand
Ministerpräsident Luís Montenegro verkündete am Sonntag nach einem Krisentreffen der Regierung die erschütternde Bilanz. Fünf Menschen verloren durch den Sturm ihr Leben. Doch damit nicht genug: Am Samstag kamen im Zentrum des Landes zwei weitere Männer ums Leben, als sie bei Reparaturarbeiten an sturmgeschädigten Dächern in die Tiefe stürzten. Tragische Unfälle, die zeigen, wie gefährlich die Aufräumarbeiten nach solchen Naturkatastrophen sein können.
Der Katastrophenzustand in den besonders betroffenen Regionen wurde um eine weitere Woche verlängert. Eine Maßnahme, die angesichts der düsteren Wetterprognosen mehr als gerechtfertigt erscheint.
Die nächste Bedrohung steht bereits vor der Tür
Während die Portugiesen noch mit den Folgen von „Kristin" kämpfen, braut sich bereits das nächste Unheil zusammen. Montenegro warnte eindringlich vor neuen heftigen Unwettern, die das Land in den kommenden Tagen heimsuchen könnten. Seine Worte lassen aufhorchen: In einigen Regionen drohe eine „noch ernstere Lage", die möglicherweise Evakuierungen erforderlich machen könnte.
Zivilschutzchef Mario Silvestre unterstrich die Dramatik der Situation mit einer ernüchternden Feststellung: „Der Boden kann das Wasser nicht mehr halten." Die Gefahr von Erdrutschen und Überschwemmungen sei akut. Landesweit wurden Warnmeldungen an Mobiltelefone verschickt, um die Bevölkerung vor der drohenden Hochwassergefahr zu warnen.
Wenn der Staat einspringt – aber reicht das?
Die angekündigten 2,5 Milliarden Euro sind zweifellos eine beachtliche Summe. Doch die Frage drängt sich auf: Wird dieses Geld ausreichen, um die Schäden zu beheben und die betroffenen Menschen wieder auf die Beine zu bringen? Naturkatastrophen dieser Größenordnung hinterlassen nicht nur materielle Verwüstung, sondern auch tiefe seelische Wunden bei den Betroffenen.
Die Bilder aus Praia da Vieira, wo Trümmer die Straßen säumen, sprechen eine deutliche Sprache. Hier wird es Jahre dauern, bis die Normalität zurückkehrt – wenn sie denn jemals vollständig zurückkehren kann.
Ein Weckruf für ganz Europa?
Portugal ist nicht das einzige europäische Land, das in jüngster Zeit von extremen Wetterereignissen heimgesucht wurde. Die Häufung solcher Katastrophen sollte allen Regierungen zu denken geben. Statt ideologiegetriebener Klimapolitik, die Bürger und Wirtschaft gleichermaßen belastet, wären pragmatische Investitionen in Katastrophenschutz und Infrastruktur das Gebot der Stunde. Denn eines ist gewiss: Die Natur fragt nicht nach politischen Überzeugungen, wenn sie zuschlägt.












