
Preisdeckel aus Baku: Aserbaidschan bremst Italiens Sprit-Wahnsinn!

Ausgerechnet ein Staatskonzern aus dem Kaukasus soll Italiens Autofahrer entlasten. Der aserbaidschanische Energieriese SOCAR hat angekündigt, im Tankstellennetz von Italiana Petroli (IP) Höchstpreise für Benzin und Diesel einzuführen. Die Ankündigung kam Ende September, als der Diesel auf Italiens Autobahnen schon fast 2,50 Euro pro Liter kostete. Später könnten auch Esso-Stationen unter den Deckel fallen.
Wenn der Liter Diesel zum Luxusgut wird
Die Zahlen sprechen für sich. Nach Daten des italienischen Ministeriums für Unternehmen und Made in Italy (MIMIT) kostete Benzin am 27. September an Straßentankstellen im Schnitt 2,159 Euro je Liter, Diesel lag bei 2,377 Euro. An der Autobahn zahlten Autofahrer im Schnitt 2,254 Euro für Benzin und 2,459 Euro für Diesel.
Besonders hart trifft das die Spediteure. Lastwagen fahren fast immer mit Diesel, und steigende Transportkosten landen früher oder später auf dem Preisschild im Supermarkt. So wird ein Energieproblem zum Inflationsproblem.
Ein Deckel, aber noch ohne Zahl
Einen konkreten Höchstpreis hat SOCAR bisher nicht genannt. Laut der Mitteilung des Konzerns soll die Obergrenze die Lage an den Rohstoffmärkten und die Margen entlang der Lieferkette berücksichtigen. Eingeführt werde sie schrittweise, zuerst an den IP-Tankstellen. Auch die Pächter der Stationen wolle man unterstützen, damit niemand in Schieflage gerate.
Danach will der Konzern prüfen, ob sich das Modell auf Esso-Stationen und andere Anbieter ausweiten lässt, die ihren Kraftstoff bei IP einkaufen. Wettbewerber ENI hat für sein eigenes Netz bereits einen Preisdeckel eingeführt. Die Regierung in Rom hatte die Branche vorher dazu aufgefordert, den Preisschock abzufedern und die Preisbildung offenzulegen.
Rom bestellt, Baku liefert
Außenminister Antonio Tajani begrüßte den Schritt. Er erinnerte daran, dass er SOCAR schon Anfang September zum Handeln aufgefordert habe. Die Maßnahme schütze die Kaufkraft der Bürger und die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Wirtschaft, so Tajani.
Der Hintergrund: Am 8. Mai übernahm SOCAR von der API Holding 99,82 Prozent an IP. Damit gehört dem Konzern auf einen Schlag eines der wichtigsten Tankstellennetze Italiens, samt Raffinerien, Lagern und Vertrieb. Ab 2027 ist SOCAR zudem für vier Jahre offizieller Energiepartner der italienischen Fußball-Nationalteams. Laut Unternehmen bestätige der Preisdeckel „die Nähe von SOCAR zu Italien“. Beobachter sehen darin vor allem Imagepflege. Man darf sich schon fragen, wie wohl ein ausländischer Staatskonzern so viel Einfluss auf Preise und Versorgungssicherheit eines EU-Landes haben kann.
Und Deutschland? Rekordpreise und Tankrabatt 2.0
Auch hierzulande wird Tanken zur Belastungsprobe. Nach Angaben des ADAC kostete Super E10 am 17. September bundesweit im Schnitt 2,308 Euro, Diesel sogar 2,471 Euro. Das sind neue Allzeit-Rekorde. Bund und Länder haben deshalb einen neuen Tankrabatt beschlossen: Von Oktober bis Dezember soll die Energiesteuer um 14 Cent pro Liter sinken, mit der Umsatzsteuer sind das knapp 17 Cent. Ab Januar 2027 plant die Koalition dann einen eigenen Spritpreisdeckel. Wie er funktionieren soll, ist noch offen.
Beim ersten Tankrabatt 2022 bemängelten Kritiker, die Entlastung sei nur teilweise bei den Kunden angekommen. Und ein grundsätzliches Problem bleibt: Über Energiesteuer, CO2-Abgabe und Mehrwertsteuer verdient der Staat an jedem Liter kräftig mit. Staatlich verordnete Preisdeckel lindern die Symptome, lösen aber nicht die Ursache.
Was dem Bürger bleibt
Hohe Energiepreise treiben die Inflation an, und die frisst Löhne und Ersparnisse auf. Viele Sparer legen deshalb schon seit Generationen einen Teil ihres Vermögens in physischem Gold und Silber an, als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio. Edelmetalle schützen vor keiner Tankrechnung, haben ihre Kaufkraft aber über Jahrhunderte erhalten.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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