
Privatkredit-Bombe tickt: Cliffwater sperrt Anleger zum zweiten Mal aus – 17 Prozent wollten ihr Geld zurück

Während die Aktienmärkte in einem Rausch aus Euphorie und Gier von einem Allzeithoch zum nächsten taumeln und Software-Titel von einem regelrechten Gamma-Orkan nach oben getrieben werden, spielt sich abseits der Schlagzeilen ein ganz anderes Drama ab. Ein Drama, das viele Anleger erst dann bemerken werden, wenn es längst zu spät ist. Die Rede ist vom Markt für Privatkredite – jenem 1,8 Billionen Dollar schweren Schattenreich, das in den vergangenen Jahren als angeblich krisensicheres Renditeparadies verkauft wurde.
Wenn die Tür sich schließt
Der Vorzeige-Fonds des Vermögensverwalters Cliffwater hat nun zum zweiten Mal in Folge die Schotten dichtgemacht. Wie Bloomberg berichtet, kappte der 31 Milliarden Dollar schwere Cliffwater Corporate Lending Fund die Rücknahme von Anteilen erneut bei mageren fünf Prozent – obwohl die Investoren mehr als das Dreifache, nämlich satte 17 Prozent ihrer Anteile, loswerden wollten. Man stelle sich das einmal bildhaft vor: Anleger klopfen an die Kasse, doch der Schalter ist nur einen Spaltbreit geöffnet.
Konkret bedeutet das: Wer aussteigen wollte, bekam laut einem Bloomberg vorliegenden Schreiben gerade einmal rund ein Drittel seines Geldes zurück. Im Quartal davor war es kaum besser – damals erhielten die Investoren etwa die Hälfte der angeforderten 14 Prozent, während der Fonds die Auszahlungen bei sieben Prozent deckelte. Ein Muster, das sich verfestigt und das hellhörig machen sollte.
Die Ratingagenturen schlagen Alarm
Nicht ohne Grund senkte S&P Global Ratings kurz nach der März-Entscheidung den Ausblick für den Fonds von "stabil" auf "negativ". Die Bonitätswächter warnten unmissverständlich, dass die Fünf-Prozent-Grenze ein "wichtiges Schutzgeländer" sei. Übersetzt aus dem diplomatischen Finanzsprech heißt das: Hier wackelt etwas gewaltig.
"Unser Rückkaufprogramm ist bewusst so gestaltet, dass es den Anlegern periodische Liquidität bietet, die mit der langfristigen Anlagestrategie und den zugrundeliegenden Vermögenswerten im Einklang steht", ließ sich Cliffwater-Chef Stephen Nesbitt in seinem Brief zitieren.
Eine bemerkenswert geschmeidige Formulierung. Übersetzt man dieses Konzern-Esperanto in Klartext, bedeutet "periodische Liquidität" schlicht: deutlich weniger Geld, als die Anleger zurückhaben wollten. Und genau das ist der Kern des Problems.
Wie liquide ist liquide?
Cliffwater hatte zuvor noch vollmundig erklärt, der Fonds verfüge über genügend Liquidität, um Rücknahmen von fünf Prozent für mehr als ein Jahr zu bedienen – ganz ohne eine einzige Position verkaufen zu müssen. Der Fonds, 2019 aufgelegt, brachte es immerhin auf eine jährliche Nettorendite von rund 9,4 Prozent. Doch nach dem zweiten Quartal in Folge mit verschlossenen Türen dürfte sich diese beruhigende Behauptung schon bald einem harten Realitätstest stellen.
Cliffwater ist binnen weniger Jahre zu einem unwahrscheinlichen Schwergewicht des Privatkreditmarktes aufgestiegen, indem es in atemberaubendem Tempo Kapital einsammelte und es in Direktkredite sowie in andere kreditvergebende Fonds steckte. Ein Kartenhaus, das so lange stabil aussieht, wie keiner gleichzeitig sein Geld zurückhaben will.
Ein Branchenphänomen, kein Einzelfall
Und genau hier liegt die eigentliche Brisanz: Cliffwater steht nicht allein. Weitere nicht börsennotierte Geschäftsentwicklungsgesellschaften werden in den kommenden Wochen ihre Quartalszahlen vorlegen. Schon im vergangenen Zeitraum gingen Schwergewichte wie Blackstones BCRED zu außergewöhnlichen Maßnahmen über, um Anleger auszahlen zu können, während Häuser wie Apollo, BlackRock und Blue Owl ihre Fünf-Prozent-Deckel knallhart durchsetzten.
Man sollte sich nichts vormachen: Wenn gleich mehrere der größten Akteure dieser Branche zur selben Zeit die Auszahlungen rationieren, dann ist das kein Zufall, sondern ein Warnsignal von epischer Größe. Die vermeintliche Wunderwaffe der Niedrigzins-Ära entpuppt sich als das, was kritische Beobachter längst vermuteten: ein illiquides Konstrukt, dessen Glanz nur so lange hält, wie das Vertrauen der Anleger ungebrochen bleibt.
Die Lehre für den nüchternen Sparer
Was lehrt uns dieses Schauspiel? Vor allem eines: Papierversprechen sind nur so viel wert wie die Bereitschaft des Gegenübers, sie einzulösen. Wer sein Vermögen in komplexe Kreditkonstrukte steckt, deren Auszahlung im Ernstfall per Federstrich gedeckelt wird, der besitzt am Ende möglicherweise nur eine Hoffnung – aber keinen Zugriff. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen solche Sperrklauseln nicht. Wer einen Goldbarren in Händen hält, braucht keinen Quartalsbrief eines Fondsmanagers, der ihm freundlich mitteilt, dass er nur ein Drittel seines Eigentums zurückbekommt. Gerade in Zeiten, in denen die Risse im Finanzsystem immer deutlicher hervortreten, gewinnt die Beimischung physischer Edelmetalle als krisenfeste Säule eines breit gestreuten Vermögens an Bedeutung.
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