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25.09.2026
11:51 Uhr
KI-generiert

Putin im Bundestag: Die Rede, nach der alle Abgeordneten aufstanden

Putin im Bundestag: Die Rede, nach der alle Abgeordneten aufstanden
Symbolbild: KI-generiert

Heute vor genau 25 Jahren, am 25. September 2001, trat Wladimir Putin im Deutschen Bundestag ans Rednerpult. Er sprach über weite Strecken Deutsch, redete von Partnerschaft und erklärte den Kalten Krieg für beendet. Die Abgeordneten erhoben sich von ihren Plätzen. Ein Vierteljahrhundert später erinnert von dieser Stimmung kaum noch etwas daran, dass es sie jemals gab.

Eiszeit statt Aufbruch

Wie weit sich beide Länder voneinander entfernt haben, zeigt die aktuelle Woche. Medienberichten zufolge warf man Russland im Bundestag am Donnerstag erneut „Staatsterrorismus“ vor. Nach dem Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle hatte Außenminister Johann Wadephul angekündigt, den Vertrag mit dem Russischen Haus in Berlin zu kündigen. Das Kulturzentrum war 1985 noch zu DDR-Zeiten eröffnet worden.

Moskau schlug postwendend zurück. Außenminister Sergej Lawrow ließ wissen, die Goethe-Institute in Russland würden geschlossen. Damit fallen auch die letzten kulturellen Verbindungen weg. Zur selben Zeit verlegen die Nato und Russland weitere Truppen an ihre gemeinsamen Grenzen in Polen, Finnland und im Baltikum.

Zwei Wochen nach 9/11: Ein Präsident wirbt um Europa

Im September 2001 sah die Welt ganz anders aus. Seit den Anschlägen von New York und Washington waren zwei Wochen vergangen, und der Westen suchte Partner gegen den Terror. Putin war damals gerade 20 Monate im Amt. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse begrüßte ihn als ersten russischen Staatschef, der vor dem Parlament sprach. Dass Putin ins Deutsche wechselte, nannte Thierse eine „außergewöhnliche Geste“.

Der Gast wusste, womit er sein Publikum erreichen konnte. Er beschwor die „Einheit der europäischen Kultur“ und kündigte an, einen großen Teil seiner Rede „in der Sprache von Goethe, Schiller und Kant“ zu halten. Seine Botschaft an die Abgeordneten war unmissverständlich:

„Russland ist ein freundlich gesinntes europäisches Land.“

Putin sprach von einem „einheitlichen Großeuropa“. Europa werde an Gewicht gewinnen, wenn es sich mit den Ressourcen Russlands verbinde. Heute liest sich dieser Satz fast wie eine Vorschau auf Deutschlands spätere Abhängigkeit vom russischen Gas.

Die Warnsignale überhörte man gern

Es gab allerdings schon damals leise Misstöne. Putin klagte, Entscheidungen würden „manchmal überhaupt ohne uns getroffen“, und fragte, „ob das eine echte Partnerschaft ist“. Den Krieg in Tschetschenien rechtfertigte er mit dem Kampf gegen den Terror. Gleichzeitig zog der Kreml immer mehr Macht an sich. Im Berliner Beifall ging das weitgehend unter.

Aus heutiger Sicht war das ein typisch deutsches Wunschdenken. Viele hofften, Handel und Nähe würden Russland Schritt für Schritt demokratisieren. Diese Hoffnung prägte die Russlandpolitik mehrerer Kanzler. Die Folgen spürten Industrie und Verbraucher zuletzt über ihre Energierechnungen.

Der Bruch in Etappen

  • 2006: Angela Merkel folgt auf Gerhard Schröder als Kanzlerin.
  • 2008: Der Krieg zwischen Russland und Georgien belastet das Verhältnis schwer.
  • 2014: Russland annektiert die Krim, im Osten der Ukraine beginnt der Krieg. Die deutsch-russischen Regierungskonsultationen werden ausgesetzt.
  • Februar 2022: Der russische Großangriff auf die Ukraine markiert die endgültige Zäsur.

Was von der Rede bleibt

Vor 25 Jahren sagte Putin im Bundestag: „Die Welt ist sehr viel komplizierter geworden.“ Damals hielten viele das für eine diplomatische Floskel. Rückblickend war es vielleicht der ehrlichste Satz des ganzen Tages.

Die Rede von 2001 zeigt, wie schnell Hoffnungen verfliegen, wenn Politik auf gute Absichten setzt und ihre eigenen Interessen aus dem Blick verliert. Für Berlin ergibt sich daraus eine unbequeme Lehre: Außenpolitik braucht nüchterne Einschätzungen und keine stehenden Ovationen. Diese Einsicht hat Deutschland teuer bezahlt.

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