
Rhein trocknet aus: Jetzt werden sogar Autobahn-Baustellen gestoppt

Deutschlands wichtigste Wasserstraße fällt trocken – und die Republik improvisiert. Die Autobahn GmbH des Bundes verschiebt wegen des historischen Niedrigwassers geplante Baumaßnahmen, wie ein Sprecher der "Rheinischen Post" bestätigte. Ziel sei es, den Verkehr auf der Straße nicht zusätzlich auszubremsen, während auf dem Rhein kaum noch etwas geht.
Baustellen weichen der Wasserkrise
Man tue alles, um die Folgen der Niedrigwasserkrise für den Verkehr abzufedern, so der Sprecher. Vor allem Arbeiten, die zusätzliche Einschränkungen bedeuten, würden auf das absolut Notwendige reduziert.
Wo Verkehrssicherheit und Zustand der Infrastruktur es zuließen, sollen Maßnahmen verschoben, zeitlich angepasst oder neu koordiniert werden. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte diesen Kurs zuvor angekündigt: Was nicht zwingend nötig sei, werde aufgeschoben.
16 Zentimeter – der Rhein droht sich zu teilen
Die Zahlen sind dramatisch. Am Pegel Kaub zwischen Koblenz und Mainz, dem Referenzwert der Rheinschifffahrt, wurden Medienberichten zufolge am Montagmorgen nur noch 17 Zentimeter gemessen, am Dienstag sogar 16. Der bisherige Rekord-Tiefstand stammt aus dem Dürrejahr 2018 – mit 25 Zentimetern.
Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt warnt, an dem Nadelöhr werde erstmals ein einstelliger Wert erwartet. BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen wird mit den Worten zitiert:
"Im Prinzip ist der Rhein damit nicht mehr durchgängig befahrbar und damit zweigeteilt."
Die Folge wären laut Verband zwei getrennte Verkehrsräume: einer zwischen den Nordseehäfen und dem Raum Köln, ein zweiter zwischen Basel und Mainz mit Neckar, Main und Main-Donau-Kanal. Für eine Exportnation ist das ein logistischer Kollaps auf Raten.
Weder Bahn noch Lkw können das auffangen
Ausweichen? Kaum möglich. Weder die Bahn noch Speditionen könnten ausreichend Kapazitäten bereitstellen, um die Ladung der Schiffe zu übernehmen, sagte Schwanen der "Rheinischen Post". Die Bundesregierung setzte deshalb kurzfristig das Sonntagsfahrverbot für Lkw teilweise aus – ein Notpflaster.
Der Verband fordert einen Dreipunkteplan: die Förderung niedrigwasseroptimierter Schiffe über das Jahresende hinaus, einen beschleunigten Ausbau der Fahrrinnen an Mittel- und Niederrhein sowie Möglichkeiten, das Wasser stärker zu stauen. Besonders pikant: Das bisherige Zieldatum für den Fahrrinnenausbau lautet 2033. Zwanzig Zentimeter mehr Abladetiefe – geplant für das kommende Jahrzehnt.
Planungsstau als eigentliche Krise
Aus Sicht unserer Redaktion legt die Dürre schonungslos offen, was seit Jahren bekannt ist: Deutschland verwaltet seine Infrastruktur, statt sie zu ertüchtigen. Milliardenschwere Sondervermögen werden beschlossen, während Genehmigungsverfahren sich über ein Jahrzehnt ziehen. Wer Baustellen absagen muss, um Lieferketten zu retten, führt kein Verkehrssystem mit Reserven.
Auch andernorts schlägt die Trockenheit durch: In Rumänien wird laut Energieministerium Reaktor 2 des Kernkraftwerks Cernavodă wegen des Donau-Tiefstands kontrolliert heruntergefahren – dem Fluss fehlt das Kühlwasser. Ökonomen verweisen zudem darauf, dass teurere Transporte den Preisdruck erhöhen dürften.
Und genau hier wird es für Sparer unangenehm: Wenn Logistikkosten steigen, zahlt am Ende der Verbraucher. In solchen Phasen suchen viele Anleger Schutz in Sachwerten – physisches Gold und Silber gelten seit Generationen als krisenfeste Ergänzung eines breit gestreuten Vermögens.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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