
Roboter-Rausch in Shanghai: Unitree-Aktie explodiert um 542 Prozent

Es war ein Börsendebüt wie aus dem Drehbuch: Die Aktie des chinesischen Roboterbauers Unitree schoss am Mittwoch im frühen Handel an der Shanghaier STAR-Börse um 542 Prozent nach oben. Der Ausgabepreis lag bei 150,80 Yuan – zeitweise wurden 1.100 Yuan je Papier bezahlt. Eingesammelt hat das Unternehmen aus Hangzhou rund 6,1 Milliarden Yuan, etwa 905 Millionen US-Dollar.
Ein Kursfeuerwerk, das selbst Chinas Tech-Szene staunen lässt
Unitree ist kein Unbekannter. Die salto-schlagenden und tanzenden Maschinen der Firma kursieren seit Jahren durch die sozialen Netzwerke. Nun ist der Konzern nach Angaben aus Marktberichten der erste reine Hersteller humanoider Roboter, der es an eine chinesische Festlandsbörse geschafft hat.
Bewertet wurde das Unternehmen beim Ausgabepreis mit rund 61 Milliarden Yuan, umgerechnet gut neun Milliarden Dollar. Nach dem Kurssprung lag die Marktkapitalisierung Berichten zufolge zeitweise bei 444,9 Milliarden Yuan. Zum Vergleich: In einer Finanzierungsrunde Mitte 2025 soll Unitree noch mit etwa 1,7 Milliarden Dollar taxiert worden sein.
Die Nachfrage privater Anleger war so absurd hoch, dass Medienberichten zufolge die Retail-Tranche rund 8.000-fach überzeichnet war – ein Rekord für das STAR-Segment. Die Zuteilungsquote lag demnach bei 0,018 Prozent. Wer zeichnen wollte, hatte praktisch keine Chance.
DeepSeek, Tencent – und ein Roboter namens "Superman"
Zu den Investoren zählt laut einer Unternehmensmitteilung die KI-Schmiede DeepSeek mit rund 140,8 Millionen Yuan. Auch der Tech-Riese Tencent ist dem Vernehmen nach bereits an Bord.
Zwei Tage vor dem Listing präsentierte Unitree ein neues Modell namens "Superman". Es soll aus dem Stand zwei Meter hoch springen und bis zu 12,66 Meter pro Sekunde schnell laufen können – schneller als jeder menschliche Sprinter. Das Timing dürfte kaum Zufall gewesen sein.
Unitree ist nicht der erste Fall dieser Art: Der Speicherchip-Hersteller CXMT legte im Vormonat am ersten Handelstag um 466 Prozent zu. Peking hat Robotik und "verkörperte KI" zur nationalen Priorität erklärt – und der Kapitalmarkt spielt mit.
Wo bleibt eigentlich Europa?
Morgan Stanley hob im Juni die Prognose für Chinas Auslieferungen humanoider Roboter auf 50.000 Stück in diesem Jahr an – nahezu eine Verdopplung gegenüber der vorherigen Schätzung von 28.000. Der Markt in China soll den Analysten zufolge von zwei Milliarden Dollar heute auf 15 Milliarden Dollar im Jahr 2030 wachsen.
Während in Fernost Fabriken hochgezogen werden, diskutiert Europa über Lieferkettengesetze, Berichtspflichten und KI-Regulierung. Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Wettlauf, den Deutschland gerade sehenden Auges verliert – nicht aus Mangel an Ingenieuren, sondern an politischem Willen.
Euphorie hat einen Preis
Bei aller Faszination: Ein Kursplus von mehreren hundert Prozent am ersten Tag ist kein Beweis für ein funktionierendes Geschäftsmodell, sondern zunächst Ausdruck knappen Angebots und großer Fantasie. Laut Börsenprospekt entfielen im vergangenen Jahr 13,3 Prozent des Umsatzes auf die USA – US-Zölle, Exportkontrollen und Beschaffungsverbote könnten das Auslandsgeschäft empfindlich treffen.
Wer solche Kursraketen beobachtet, sollte im Hinterkopf behalten: Spekulative Wetten und substanzieller Vermögensschutz sind zwei völlig verschiedene Dinge. Physische Edelmetalle bleiben in einem breit gestreuten Portfolio ein ruhender Anker – ohne Quartalszahlen, ohne Zollrisiko, ohne Zuteilungslotterie.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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