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13.02.2026
06:12 Uhr

Rubios diplomatisches Säuseln: Wenn Washington „enge Bande" beteuert, sollte Europa die Brieftasche festhalten

Rubios diplomatisches Säuseln: Wenn Washington „enge Bande" beteuert, sollte Europa die Brieftasche festhalten

Es gibt Momente in der internationalen Diplomatie, die an jene Szenen erinnern, in denen ein Ehepartner nach einem heftigen Streit plötzlich mit Blumen vor der Tür steht – und man genau weiß, dass die nächste Forderung bereits im Hinterkopf lauert. Genau so lässt sich der Auftritt von US-Außenminister Marco Rubio vor seiner Abreise zur Münchner Sicherheitskonferenz einordnen.

Versöhnliche Worte mit bitterem Nachgeschmack

„Wir sind sehr eng mit Europa verbunden", verkündete Rubio am Donnerstag auf dem Militärflugplatz Joint Base Andrews in Maryland, bevor er ins Flugzeug stieg. Die meisten Amerikaner könnten ihre kulturellen oder persönlichen Wurzeln nach Europa zurückverfolgen, fügte er hinzu. Klingt warm. Klingt herzlich. Klingt fast so, als hätte es die vergangenen Monate transatlantischer Eiszeit nie gegeben.

Doch wer genau hinhörte, der vernahm auch die unmissverständliche Botschaft zwischen den Zeilen: „Wir leben in einer neuen Ära der Geopolitik", so Rubio weiter. Ein „Business as usual" werde es nicht geben. Übersetzt aus dem Diplomatischen ins Deutsche bedeutet das: Europa soll zahlen, aufrüsten und sich gefälligst nach Washingtons Vorstellungen richten – oder die Konsequenzen tragen.

Vances Peitsche, Rubios Zuckerbrot?

Die Erinnerung an den Auftritt von Vizepräsident J.D. Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz vor einem Jahr sitzt tief. Damals hatte Vance die europäischen Verbündeten regelrecht abgekanzelt, ihnen eine angeblich linksgerichtete Innenpolitik vorgeworfen und mangelnde Verantwortung für die eigene Sicherheit attestiert. Eine diplomatische Ohrfeige, die in den Hauptstädten Europas noch lange nachhallte.

Nun also Rubio – der Mann, der es offenbar richten soll. Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Chefdiplomat wolle nicht so streitlustig auftreten wie sein Vorgänger am Rednerpult. Allerdings – und hier wird es interessant – plane er in seiner für Samstag angesetzten Rede einen „philosophisch ähnlichen Ansatz". Man könnte auch sagen: dieselbe Medizin, nur in einer hübscheren Verpackung.

Europa am Scheideweg – und Deutschland mittendrin

Die Nervosität unter europäischen Spitzenpolitikern ist greifbar. Und sie ist berechtigt. Denn während Washington mit Zöllen von 20 Prozent auf EU-Importe die europäische Wirtschaft unter Druck setzt, während die Trump-Administration in der Ukraine-Frage einen zunehmend eigenwilligen Kurs fährt, stellt sich die fundamentale Frage: Wie viel ist das transatlantische Bündnis noch wert, wenn einer der Partner die Regeln permanent nach eigenem Gutdünken umschreibt?

Für Deutschland, das unter der neuen Großen Koalition von Bundeskanzler Friedrich Merz ohnehin vor gewaltigen sicherheitspolitischen Herausforderungen steht, kommt Rubios Besuch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur belastet den Haushalt bereits massiv. Nun soll Europa auch noch seine Verteidigungsausgaben drastisch erhöhen – eine Forderung, die Washington seit Jahren wie ein Mantra wiederholt und die unter Trump zur ultimativen Bedingung geworden ist.

Die wahre Botschaft hinter der Freundlichkeit

Man sollte sich von Rubios verbindlichem Ton nicht täuschen lassen. Die Strategie der Trump-Administration ist so durchsichtig wie ein frisch geputztes Fenster: Erst die Peitsche durch Vance, dann das Zuckerbrot durch Rubio – aber die Forderungen bleiben identisch. Europa soll mehr für seine Verteidigung ausgeben, sich stärker an amerikanischen Interessen orientieren und gleichzeitig die wirtschaftlichen Nachteile durch Trumps Zollpolitik klaglos hinnehmen.

„Wir leben in einer neuen Ära der Geopolitik, und das wird uns allen abverlangen, neu zu überdenken, wie diese aussieht."

Dieser Satz Rubios ist vielleicht der ehrlichste des gesamten Auftritts. Ja, wir leben in einer neuen Ära. Einer Ära, in der Europa endlich begreifen muss, dass blinde Gefolgschaft gegenüber Washington keine Strategie ist, sondern ein Armutszeugnis. Einer Ära, in der Deutschland und seine europäischen Partner eigene Stärke entwickeln müssen – militärisch, wirtschaftlich und vor allem mental.

Die Münchner Sicherheitskonferenz wird zeigen, ob Europas Politiker diese Lektion endlich verstanden haben. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – aber in der Geopolitik stirbt sie besonders schnell.

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