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21.01.2026
18:39 Uhr

Ruttes Lobeshymne auf Trump: Wenn der NATO-Chef zum Hofnarren wird

Ruttes Lobeshymne auf Trump: Wenn der NATO-Chef zum Hofnarren wird
Symbolbild: KI-generiert

Es ist ein Schauspiel, das man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Der NATO-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte, einst einer der schĂ€rfsten Kritiker Donald Trumps, kriecht nun beim Weltwirtschaftsforum in Davos regelrecht zu Kreuze. „Wir können froh sein, dass er da ist", sĂ€uselte der NiederlĂ€nder in einer Podiumsdiskussion und lobte den US-PrĂ€sidenten dafĂŒr, Europa zur Eigenverantwortung in Verteidigungsfragen gezwungen zu haben.

Die plötzliche Wandlung eines Kritikers

Man reibt sich verwundert die Augen. Derselbe Rutte, der noch vor wenigen Jahren Trump als Gefahr fĂŒr die transatlantische Partnerschaft darstellte, preist nun dessen Politik als Segen fĂŒr den alten Kontinent. Die im Juni beschlossene Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – plus zusĂ€tzliche 1,5 Prozent fĂŒr sicherheitsrelevante Bereiche – sei ohne den amerikanischen PrĂ€sidenten niemals zustande gekommen, so Rutte. Europa mĂŒsse endlich „erwachsen werden" in der Welt nach dem Kalten Krieg.

Doch was bedeutet dieses „Erwachsenwerden" tatsĂ€chlich fĂŒr den europĂ€ischen Steuerzahler? Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: FĂŒnf Prozent des BIP fĂŒr Verteidigung und Sicherheit – das sind Summen, die selbst hartgesottene Haushaltspolitiker ins Schwitzen bringen dĂŒrften. WĂ€hrend deutsche Schulen verfallen, BrĂŒcken marode sind und das Gesundheitssystem am Limit arbeitet, sollen nun Milliarden in die RĂŒstungsindustrie fließen.

Die unbequeme Frage: Gegen wen eigentlich?

Was bei all dem SĂ€belrasseln und den Lobeshymnen auf Trump völlig untergeht, ist eine fundamentale Frage: Gegen welchen Feind rĂŒstet Europa eigentlich auf? Die reflexartige Antwort „Russland" greift zu kurz. WĂ€hrend die NATO-Staaten ihre MilitĂ€rbudgets in schwindelerregende Höhen schrauben, bleibt die eigentliche strategische Debatte aus. Stattdessen folgt man brav den Vorgaben aus Washington – und der dortige PrĂ€sident hat bekanntlich ganz eigene Vorstellungen von europĂ€ischer SouverĂ€nitĂ€t, wie seine DrohgebĂ€rden gegenĂŒber Grönland eindrucksvoll belegen.

Die Ironie der Geschichte könnte kaum grĂ¶ĂŸer sein: Trump, der Europa mit Strafzöllen von 20 Prozent auf EU-Importe ĂŒberzieht und damit einen handfesten Handelskrieg vom Zaun gebrochen hat, wird nun ausgerechnet vom NATO-Chef als WohltĂ€ter gefeiert. Man fragt sich unwillkĂŒrlich, ob Rutte die wirtschaftlichen RealitĂ€ten schlicht ausblendet oder ob hier andere Interessen im Spiel sind.

Die RĂŒstungsindustrie reibt sich die HĂ€nde

Eines steht fest: Die großen Gewinner dieser Entwicklung sitzen nicht in europĂ€ischen Parlamenten, sondern in den Vorstandsetagen der RĂŒstungskonzerne. Wenn NATO-Staaten ihre Verteidigungsausgaben verdoppeln oder gar verdreifachen, klingeln die Kassen bei Lockheed Martin, Rheinmetall und Co. Und wer liefert einen Großteil der Waffensysteme? Richtig – amerikanische Unternehmen.

Die Kritik an Ruttes Schmeichelei ist denn auch vernichtend. In den Kommentarspalten ist von „braunen Zungen" die Rede, von einem „schleimigen Zeitgenossen", der seinem VorgĂ€nger Stoltenberg nicht das Wasser reichen könne. Besonders bitter fĂŒr den NATO-Chef: Selbst wohlmeinende Beobachter attestieren ihm ein „krampfhaftes Grinsen", das er aufsetzt, sobald sich Trumps Blick auf ihn richtet.

Europas SouverĂ€nitĂ€t auf dem PrĂŒfstand

Die eigentliche Tragödie liegt jedoch tiefer. Europa, das sich so gerne als Hort der Vernunft und des Multilateralismus prĂ€sentiert, offenbart in diesen Tagen seine erschreckende AbhĂ€ngigkeit von amerikanischen Launen. Statt eine eigenstĂ€ndige Sicherheitsarchitektur zu entwickeln, die europĂ€ischen Interessen dient, tanzt man nach der Pfeife Washingtons – egal wer dort gerade regiert.

FĂŒr Deutschland bedeutet dies eine besondere BĂŒrde. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat bereits ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur beschlossen und die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 im Grundgesetz verankert. Nun sollen zusĂ€tzlich die Verteidigungsausgaben explodieren. Die Rechnung werden kommende Generationen bezahlen mĂŒssen – durch höhere Steuern, Abgaben und eine weiter steigende Inflation.

„Ich komme mir vor, wie von Irren umzingelt"

So bringt es ein Kommentator auf den Punkt. Und tatsĂ€chlich: Wenn der Chef eines MilitĂ€rbĂŒndnisses seinen Mitgliedern ruinöse Ausgaben vorschreibt und dies auch noch als Erfolg verkauft, dann stimmt etwas fundamental nicht. Die NATO, einst als VerteidigungsbĂŒndnis gegen sowjetische Aggression gegrĂŒndet, mutiert zusehends zu einem Instrument amerikanischer Interessenpolitik – mit willfĂ€hrigen ErfĂŒllungsgehilfen wie Mark Rutte an der Spitze.

Ein Weckruf fĂŒr Europa

Es wĂ€re an der Zeit, dass europĂ€ische Politiker den Mut aufbringen, unbequeme Fragen zu stellen. Dient die massive AufrĂŒstung wirklich der Sicherheit des Kontinents? Oder werden hier Ressourcen verschwendet, die anderswo dringender gebraucht wĂŒrden? Und vor allem: Wann beginnt Europa endlich, seine eigenen Interessen zu definieren, statt blind amerikanischen Vorgaben zu folgen?

Die Antworten auf diese Fragen werden darĂŒber entscheiden, ob Europa in den kommenden Jahrzehnten als souverĂ€ner Akteur auf der WeltbĂŒhne agiert – oder als Vasall einer Supermacht, die ihre „VerbĂŒndeten" nach Belieben mit Zöllen bestraft und mit Drohungen ĂŒberzieht. Ruttes Lobhudelei in Davos lĂ€sst jedenfalls nichts Gutes erahnen.

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