
Särge vor Brüssel: Industrie warnt vor 300.000 Jobverlusten

Zehn Särge, ein Trauerzug, eine unmissverständliche Botschaft: Der europäische Metallhandelsverband Eurometal hat am Montag rund um das Hauptquartier der EU-Kommission in Brüssel demonstriert. Die Prognose des Verbandes: 300.000 weitere verlorene Industriearbeitsplätze allein im Rest des Jahres 2026 – falls Brüssel den Vormarsch chinesischer Zulieferer nicht bremst.
Auf den Särgen prangten Begriffe wie „EU-Wettbewerbsfähigkeit“, „Industriearbeitsplätze“ und „europäische Fabriken“. Auf Bannern stand laut Berichten: „Wir wollen keine Subventionen! Wir wollen Fairness!“ Ein Verband, der nicht nach Staatsgeld ruft, sondern nach gleichen Regeln – in Brüssel ist das fast schon exotisch.
„Wer die Lieferkette kontrolliert, besitzt die Wertschöpfung“
Eurometal-Präsident Alexander Julius wählte im Gespräch mit dem britischen Guardian harte Worte. Politik und Medien sähen die Folgen, gingen aber nicht der Ursache nach. Peking verberge seine Absichten keineswegs.
„China hat kein Geheimnis daraus gemacht, was es tut. Es steht in ihrem Fünfjahresplan.“
Das Land wolle kein Rohstofflieferant mehr sein, sondern Fertigprodukte liefern – und zwar an den Schaltstellen der Lieferketten. Denn wer die Lieferkette kontrolliere, so Julius, besitze am Ende die gesamte Wertschöpfung. Die Kommission müsse endlich auf Bauteilebene hinsehen: bei Metallen und Chemikalien, die in rund 90 Prozent aller gefertigten Güter stecken.
Der blinde Fleck im europäischen Grenzausgleich
Besonders brisant ist ein Detail, das Julius laut Bericht kritisiert: Europäische Metallerzeuger zahlten Zölle auf Stahleinfuhren und CO₂-Abgaben in energieintensiven Branchen. Chinesische Bauteile treffe diese Last nicht.
Im Klartext: Wer Blech importiert, zahlt. Wer die daraus gefertigte Maschine importiert, zahlt nicht. Wer diese Systematik entworfen hat, hat – so muss man es nennen – die Verlagerung ins Ausland belohnt, die man eigentlich verhindern wollte. Dazu komme eine nach Verbandsansicht unterbewertete chinesische Währung.
Eine Million Jobs – und die Ursache heißt nicht nur Peking
Die Kommission selbst rechnete im Juni mit über einer Million möglicher Stellenverluste, begründet mit hohen Energiekosten und globaler Konkurrenz. Eingerechnet sind die von Volkswagen bestätigten 100.000 Streichungen. Bemerkenswert: Energiepreise stehen in dieser Rechnung vorn – und die sind hausgemacht.
Chinas Handelsüberschuss gegenüber der EU liegt bei rund einer Milliarde Euro pro Tag, jährlich etwa 360 Milliarden. Handelskommissar Maroš Šefčovič nannte das Ungleichgewicht „nicht nachhaltig“. Peking wiederum wirft Europa Protektionismus vor und drohte laut Staatsagentur Xinhua mit „entschlossenen Gegenmaßnahmen“. Gespräche sollen im Oktober ein Ergebnis bringen.
Warnungen mit Vorgeschichte
Zur Einordnung: Schon 2016 demonstrierten Tausende Stahlarbeiter in Brüssel und warnten vor bis zu 3,5 Millionen bedrohten Arbeitsplätzen – die Kommission rechnete damals mit 211.000. Verbandsprognosen am Vorabend eigener Proteste sind naturgemäß Verhandlungsposition, nicht Statistik. Der Befund selbst bleibt trotzdem ernst: Strafzölle auf E-Autos hier, „Green Deal“-Subventionen für deren Kauf dort – wer soll in diesem Widerspruch noch investieren?
Für viele Bürger und Unternehmer ist die Botschaft der Särge deshalb weniger Theater als Diagnose: Eine Industriepolitik, die eigene Standorte mit Abgaben belastet und Importe verschont, sägt am Wohlstandsfundament. Wer sein Vermögen in solchen Umbruchphasen absichern will, greift traditionell auch zu physischem Gold und Silber – als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er spiegelt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die volle Verantwortung.
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