
Saudi-Arabiens Staatsfinanzen im freien Fall: Größtes Haushaltsdefizit seit fünf Jahren
Das Wüstenkönigreich, das sich mit milliardenschweren Prestigeprojekten als Zukunftslabor der Welt inszenieren wollte, bekommt die harte Realität sinkender Ölpreise mit voller Wucht zu spüren. Saudi-Arabien verzeichnete im vierten Quartal 2025 ein Haushaltsdefizit von umgerechnet rund 25,3 Milliarden US-Dollar – das größte Quartalsminus seit dem Krisenjahr 2020.
Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache
Laut Daten des saudischen Finanzministeriums belief sich das Gesamtdefizit für das Jahr 2025 auf etwa 276,6 Milliarden Riyal, was umgerechnet knapp 73,7 Milliarden US-Dollar entspricht. Das ist mehr als das Doppelte des Vorjahresdefizits von 115,6 Milliarden Riyal. Wer sich fragt, wie ein Land, das buchstäblich auf Öl schwimmt, derart tief in die roten Zahlen rutschen kann, muss nur einen Blick auf die Rohstoffmärkte werfen.
Die Öleinnahmen fielen im vierten Quartal auf rund 154,2 Milliarden Riyal – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 170,8 Milliarden Riyal im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig liegt der Brent-Rohölpreis derzeit bei etwa 71 US-Dollar pro Barrel. Das Problem? Saudi-Arabien bräuchte laut Analysten einen Ölpreis von durchschnittlich 97 US-Dollar pro Barrel, um seinen Haushalt auszugleichen. Rechnet man die Inlandsausgaben des Staatsfonds PIF hinzu, steigt diese Schwelle sogar auf rund 114 US-Dollar. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft also eine Lücke von über 40 Dollar je Barrel – ein finanzieller Abgrund.
Vision 2030: Vom Größenwahn zur Ernüchterung
Kronprinz Mohammed bin Salman hatte mit seiner „Vision 2030" nichts weniger als die komplette Transformation Saudi-Arabiens versprochen. Futuristische Megastädte in der Wüste, eine 170 Kilometer lange Linearstadt namens „The Line", ein würfelförmiger Wolkenkratzer namens „Mukaab" – die Projekte lasen sich wie Science-Fiction. Doch die Realität holt auch absolutistische Herrscher ein.
Berichten zufolge wurde der Bau des Mukaab über die ersten Grundarbeiten hinaus bereits eingestellt, während der Public Investment Fund Finanzierung und Machbarkeit neu bewertet. Das 1,5 Billionen Dollar schwere NEOM-Projekt soll massiv verkleinert und umgestaltet werden, sein Herzstück „The Line" werde „radikal zurückgefahren". Man könnte sagen: Die größenwahnsinnigste Baustelle der Menschheitsgeschichte schrumpft auf ein Maß, das der Schwerkraft der Ökonomie standhält.
Reiche Familien sollen bluten
Besonders aufschlussreich ist ein weiteres Detail: Die saudischen Behörden hätten begonnen, einige der wohlhabendsten Familien des Königreichs unter Druck zu setzen, zusätzliches Kapital in inländische Projekte zu investieren. Wer sich an die spektakulären „Anti-Korruptions"-Festnahmen im Ritz-Carlton Hotel von 2017 erinnert, bei denen saudische Milliardäre faktisch zur Kasse gebeten wurden, erkennt ein Muster. Wenn dem Staat das Geld ausgeht, werden die Reichen zur Ader gelassen – mit mehr oder weniger sanftem Nachdruck.
Umschichtung der Prioritäten
Die verbleibenden Mittel werden nun gezielt in Projekte umgeleitet, die mit der Expo 2030 und der Fußball-Weltmeisterschaft 2034 zusammenhängen – Prestigeveranstaltungen, die dem Königreich internationale Sichtbarkeit garantieren sollen. Darüber hinaus fließe Kapital verstärkt in Sektoren wie Logistik, Bergbau und Künstliche Intelligenz, die schnellere Renditen versprechen als die pharaonischen Wüstenträume.
Die saudische Regierung selbst prognostiziert, dass sich das Defizit in diesem Jahr auf 3,3 Prozent des BIP verengen werde. Analysten von Goldman Sachs und Bank of America sehen das deutlich skeptischer und rechnen mit einer Quote zwischen fünf und sechs Prozent. Angesichts der Tatsache, dass das Defizit 2025 bereits bei rund 5,5 Prozent des BIP lag, erscheint der Optimismus Riads eher wie Wunschdenken.
Was uns das über die Fragilität ölabhängiger Volkswirtschaften lehrt
Der Fall Saudi-Arabien ist ein Lehrstück dafür, wie schnell selbst die reichsten Rohstoffnationen ins Straucheln geraten können, wenn die Preise nicht mitspielen. Es zeigt auch, dass gigantische Staatsausgaben – ob für Wüstenstädte am Golf oder für Sondervermögen in Berlin – irgendwann bezahlt werden müssen. Die Parallelen zur deutschen Schuldenpolitik, wo ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen künftige Generationen belasten wird, sind dabei durchaus bemerkenswert.
In Zeiten, in denen Staatsfinanzen weltweit unter Druck geraten und die geopolitischen Risiken – vom Nahost-Konflikt bis zu Trumps Zollpolitik – die Märkte in Atem halten, dürfte sich einmal mehr bestätigen, was kluge Anleger seit Jahrhunderten wissen: Physische Edelmetalle wie Gold und Silber bleiben ein unverzichtbarer Anker der Vermögenssicherung. Während Papierwährungen und Staatsbudgets erodieren, behält das gelbe Metall seinen Wert – ganz ohne Vision 2030.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.












