
Schengen wackelt: Italien und Spanien kontrollieren sich gegenseitig!

Rom und Madrid drehen die Uhr zurück: Beide EU-Staaten haben ihre gegenseitigen Grenzkontrollen um jeweils 15 Tage verlängert. Auslöser ist der Streit über den Umgang mit Migranten nach dem Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta. Für Reisende zwischen den beiden Ländern heißt das: Pass raus – mindestens bis zum 22. September.
Das Innenministerium in Rom teilte mit, die Verlängerung der Kontrollen an Luft- und Seegrenzen werde der EU förmlich mitgeteilt. Madrid reagierte binnen Stunden und zog nach. Die spanischen Kontrollen sollten am 7. September auslaufen – nun gelten sie weitere zwei Wochen.
Ceuta als Zündfunke: 72.000 Menschen in wenigen Tagen
Vorausgegangen war eine Ausnahmesituation an der EU-Außengrenze in Nordafrika. Medienberichten zufolge erreichten binnen kurzer Zeit rund 72.000 Menschen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta. Der Großteil habe die Stadt inzwischen wieder verlassen.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ordnete daraufhin Anfang August Kontrollen für Ankünfte aus Spanien an – eine "außergewöhnliche Maßnahme", wie es aus Rom hieß, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten. Da beide Länder keine Landgrenze teilen, trifft es Häfen und Flughäfen.
Madrid stellte ein Ultimatum. Rom ließ es verstreichen und erklärte, Italien akzeptiere in Fragen der nationalen Sicherheit und der Grenzkontrolle keine Ultimaten oder Vorgaben aus dem Ausland. Seit dem 8. August kontrolliert deshalb auch Spanien – ein Schlagabtausch zweier Regierungen, die politisch kaum weiter auseinanderliegen könnten.
Symbolpolitik oder Ernstfall?
Die Bilanz der Kontrollen fällt bislang überschaubar aus. Berichten zufolge wurden am ersten spanischen Kontrolltag von rund 260 Flügen aus Italien nur zwölf überprüft; 199 Passagiere aus Drittstaaten mussten Papiere vorzeigen. Auf italienischer Seite sei in den ersten Tagen kein einziger Ankömmling gestoppt worden.
Belastbare Hinweise, dass Migranten aus Ceuta nach Italien weitergereist wären, gibt es nach Angaben beider Seiten nicht. Spaniens Außenminister José Manuel Albares sprach von einem "Torpedo unterhalb der Wasserlinie der europäischen Einheit".
Die Tourismusbranche klagt derweil über Warteschlangen und Probleme im Betriebsablauf. Der italienische Verband Fiavet berichtete von Beeinträchtigungen bei Dienstleistern und Mietwagenfirmen. Jährlich reisen rund 5,4 Millionen Italiener nach Spanien und über 3,2 Millionen Spanier nach Italien.
Was das über die EU verrät
Aus Sicht unserer Redaktion ist der eigentliche Skandal nicht, dass zwei Staaten ihre Grenzen sichern – sondern dass Brüssel nach Jahren der Debatten offenbar noch immer keine funktionierende Antwort auf plötzliche Migrationsbewegungen an den Außengrenzen hat. Wenn EU-Partner sich gegenseitig kontrollieren, ist das ein Misstrauensvotum gegen die gemeinsame Grenzpolitik.
Auch Deutschland kontrolliert seit geraumer Zeit wieder an den Binnengrenzen. Schengen, einst als Krönung des Binnenmarkts gefeiert, wird zunehmend zur Verhandlungsmasse nationaler Innenpolitik. In Italien stehen im kommenden Jahr Wahlen an – Beobachter sehen darin einen zusätzlichen Antrieb für den harten Kurs.
Für Sparer und Anleger ist die Botschaft unbequem: Politische Verlässlichkeit in Europa ist keine Konstante mehr. Wer sein Vermögen breit aufstellt, zieht daraus oft den Schluss, einen Teil außerhalb des Finanzsystems zu halten – physische Edelmetalle sind seit jeher eine bewährte Ergänzung zur Vermögenssicherung.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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