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Kettner Edelmetalle
27.07.2026
09:52 Uhr

Seekrieg im Schwarzen Meer: Wenn Drohnen ĂĽber Weizenpreise entscheiden

Seekrieg im Schwarzen Meer: Wenn Drohnen ĂĽber Weizenpreise entscheiden

Während in Berlin über Sondervermögen, Klimaneutralität im Grundgesetz und die richtige Schreibweise von Formularen debattiert wird, entscheidet sich am Schwarzen Meer, was die Menschheit im nächsten Jahr auf dem Teller haben wird. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat sich verlagert – vom Schlamm des Donbass auf das Wasser. Und dort trifft er nicht Panzer, sondern Frachter. Nicht Soldaten, sondern Getreide.

196 beschädigte Schiffe – und niemand spricht von Diplomatie

Seit dem 6. Juli greifen ukrainische Drohneneinheiten systematisch Schiffe an, die russisch kontrollierte Häfen im Asowschen und im Schwarzen Meer anlaufen. Ursprünglich sollten es nur Öltanker der sogenannten Schattenflotte sein. Inzwischen stehen auch Frachter im Visier, die Getreide aus den besetzten Gebieten transportieren. Nach Angaben aus Kiew seien bislang 196 Wasserfahrzeuge beschädigt worden – 126 im Asowschen Meer, 70 im Schwarzen Meer. Die Krim solle mittels Drohnen- und Raketenangriffen faktisch von der Außenwelt abgeschnitten werden; ein früherer Verteidigungsminister habe der Halbinsel im Juni gar die „Hölle“ in Aussicht gestellt.

Moskau antwortete, wie Moskau immer antwortet: mit Eskalation. Ukrainischen Angaben zufolge seien mehr als 30 Schiffe auf dem Weg nach Odessa oder in den Häfen der Region angegriffen worden, rund ein Dutzend Menschen seien dabei getötet worden. Seit der Nacht zum 11. Juli attackiere Russland täglich ukrainische Hafeninfrastruktur. Der Vorwurf aus dem Kreml: Unter dem Deckmantel ziviler Frachter würden Rüstungsgüter geliefert. Der Vorwurf aus Kiew: Russland gefährde die weltweite Ernährungssicherheit. Beide Seiten haben ihre Erzählung – und beide Erzählungen enden mit brennenden Schiffen am Horizont, während sich in Odessa Menschen am Strand sonnen. Ein Bild, das die Absurdität dieses Krieges besser einfängt als jede Pressekonferenz.

Maersk zieht die Reißleine – und die Realität überholt die Regierung

Bemerkenswert ist, wie schnell die offizielle Beschwichtigung kollabierte. Noch am Mittwoch versicherte das ukrainische Verkehrsministerium, die Häfen von Odessa seien in Betrieb. Wenige Stunden später klagte der geschäftsführende Außenminister öffentlich, es habe an diesem Tag kein einziges Schiff den ukrainischen Seeweg passiert – mitten in der Erntehochsaison. Der dänische Logistikriese Maersk hatte den Betrieb in Odessa bereits eingestellt und Schiffe in das rumänische Constanța umgeleitet, von wo aus nun Lastwagen den Rest übernehmen sollen. Der Agrarminister bestätigte am Donnerstag, dass Reeder das Risiko nicht mehr tragen wollten.

Wenn Versicherer und Reedereien kalkulieren, endet die Politik. Märkte lügen nicht – Ministerien schon.

Man erinnere sich: Der Getreidekorridor, den Russland 2023 platzen ließ, wurde von der Ukraine einseitig erzwungen – mit Erfolg. Über 8.000 Schiffe, mehr als 200 Millionen Tonnen Fracht, über die Hälfte davon Agrargüter. Diese Route ist jetzt tot. Vorläufig.

Weizen plus 30 Prozent – die stille Steuer auf jeden Haushalt

Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Russland und die Ukraine stellen zusammen 25 bis 30 Prozent der weltweiten Weizenexporte, bei Mais rund elf Prozent. Etwa ein Viertel der russischen Getreideausfuhren läuft über das Asowsche Meer. An der Rohstoffbörse in Chicago notiert Weizen bereits 30 Prozent über dem Vorjahresniveau, Mais rund zehn Prozent höher. Und weil ukrainische Drohnen ein Erdölverladeterminal in Noworossijsk trafen, stoppte zusätzlich der Export kasachischen Öls über diesen Hafen – ohne schnelle Alternativroute. Vor dem Hintergrund der Lage an der Straße von Hormus addieren sich die Krisen zu einem Preisschock, der niemanden verschont.

Die Hauptabnehmer dieses Getreides sitzen in Nordafrika und im Nahen Osten. Wer sich fragt, warum 2022 afrikanische Staaten, Brasilien und Indonesien Friedensinitiativen starteten, findet hier die Antwort: Es ging nie um Moral, es ging um Brot. Und wer glaubt, dass leere Speicher in Kairo oder Tunis fĂĽr Deutschland folgenlos bleiben, hat die Migrationsbewegungen der letzten fĂĽnfzehn Jahre offenbar verschlafen.

Und Berlin? Diskutiert Drohnen und Kabinettsumbau

Bemerkenswert bleibt die Prioritätensetzung in der deutschen Politik. Während die globale Nahrungsmittel- und Energieversorgung an einem seidenen Faden hängt, dominieren hierzulande Kabinettsumbildungen, Personalrochaden und Forderungen nach sechsstelligen Drohnenstückzahlen die Schlagzeilen. Die Bundesregierung hat ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen aufgelegt und Klimaneutralität ins Grundgesetz geschrieben – finanziert von Generationen, die noch nicht wählen dürfen. Ein Kanzler, der einst versprach, keine neuen Schulden zu machen, verteilt nun Geld, das erst noch erwirtschaftet werden muss. Dass frisch gedrucktes Geld auf verknappte Güter trifft, ist keine Prognose, sondern volkswirtschaftliches Einmaleins. Das Ergebnis heißt Inflation – und sie wird an der Kasse bezahlt, nicht im Bundestag.

Diplomatisch ist wenig in Sicht. Die Türkei bot im Juni erneut Vermittlung an, der türkische Außenminister forderte bei einem Kiew-Besuch ein Moratorium für Angriffe im Schwarzen Meer; Attacken auf Häfen, Tanker und Fischereifahrzeuge seien nicht hinnehmbar. Auch Washington bemüht sich weiter um eine Verhandlungslösung, ein Besuch des ukrainischen Präsidenten in den USA war für Dienstag erwartet. Eine tragfähige Friedensordnung? Fehlt bis heute.

Was bleibt dem BĂĽrger?

Die bittere Lehre dieser Wochen: Lieferketten sind fragil, staatliche Zusicherungen sind Papier, und Kaufkraft ist eine politische Variable. Wer sein Vermögen ausschließlich in Nominalwerten hält, vertraut darauf, dass Regierungen künftig klüger handeln als in der Vergangenheit. Ein gewagtes Vertrauen. Physische Edelmetalle – Gold und Silber, im eigenen Zugriff, ohne Gegenpartei – waren in jeder Getreide-, Öl- und Währungskrise der vergangenen Jahrhunderte das, was sie heute wieder sind: eine Versicherung gegen die Fehler anderer. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio erfüllen sie genau diese Funktion, ganz unabhängig davon, welche Drohne morgen welchen Frachter trifft.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Er spiegelt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Rohstoff-, Devisen- und Edelmetallmärkte unterliegen erheblichen Schwankungen; Verluste sind möglich. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für steuerliche oder rechtliche Fragen wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt – eine solche Beratung leisten wir ausdrücklich nicht.

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