
Silber-Absturz vor der Fed: 64 Dollar – und ein Zinshammer droht

Der Silberpreis hat innerhalb weniger Tage eine brutale Kehrtwende hingelegt. Noch am Donnerstag stand die Unze bei rund 68,50 Dollar, am Freitag notierte sie laut Marktberichten nur noch bei knapp 64 Dollar. Auslöser: heiße US-Inflationsdaten – und die wachsende Angst der Märkte vor einer Zinserhöhung der US-Notenbank in der kommenden Woche.
Erst Erholung, dann der RĂĽckschlag
Noch Anfang September sah alles nach Stabilisierung aus. Silber hatte sich in der Mitte der 60er-Dollar-Zone festgesetzt, Marktbeobachter sprachen von einem Boden im Bereich zwischen 63 und 66 Dollar. Der Widerstand bei 70 bis 72 Dollar blieb jedoch unĂĽberwindbar.
Dann kamen die Daten. Die US-Produzentenpreise kletterten im August auf 5,4 Prozent im Jahresvergleich – mehr als erwartet und ein klarer Sprung gegenüber den 4,8 Prozent zuvor. Silber verlor daraufhin an einem einzigen Tag über vier Prozent.
Die Inflation hält sich – und das Gold-Silber-Duo leidet
Am Freitag folgte der Verbraucherpreisindex: Die Jahresrate verharrte bei 3,4 Prozent, exakt im Rahmen der Erwartungen. Die Kernrate fiel im Jahresvergleich auf 2,4 Prozent – doch im Monatsvergleich zog sie mit 0,3 Prozent stärker an als prognostiziert. Allein Benzin steuerte Berichten zufolge mehr als ein Drittel des monatlichen Anstiegs bei.
Für die Terminmärkte war das Signal eindeutig. Die über den CME-FedWatch abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte in der kommenden Woche sprang auf über 70 Prozent – vor den Daten lagen die Erwartungen noch bei rund 61 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf etwa 4,92 Prozent, den höchsten Stand seit November 2023. Auch Gold geriet unter Druck und rutschte zeitweise unter die Marke von 4.400 Dollar.
Warum steigende Zinsen auf Edelmetalle drĂĽcken
Die Mechanik ist simpel: Physisches Silber zahlt keine Zinsen. Wenn Anleihen plötzlich fast fünf Prozent abwerfen, steigen die Opportunitätskosten. Ein stärkerer Dollar verteuert das Metall zusätzlich für Käufer außerhalb des Dollarraums.
Notenbankchef Kevin Warsh hat Medienberichten zufolge klargemacht, dass er die Zwei-Prozent-Marke ernst nehme. Sinngemäß erklärte er, bei ausbleibender Besserung der Zahlen gebe es noch Arbeit zu erledigen. Übersetzt: Wer auf schnelle Zinssenkungen gesetzt hat, könnte sich verrechnet haben.
Das Angebot bleibt knapp – ein Argument, das bleibt
Kurzfristige Kursschwankungen sind eine Sache, die physische Realität eine andere. Das Silver Institute erwartet für 2026 ein strukturelles Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen – trotz schwächerer Nachfrage aus der Photovoltaik. Rechenzentren für KI, Automobilbau und der Ausbau der Stromnetze halten die industrielle Nachfrage hoch.
Die Prognosen klaffen entsprechend auseinander: J.P. Morgan Global Research rechnet dem Ausgangsbericht zufolge mit 63 Dollar im vierten Quartal 2026, eine Reuters-Umfrage vom Juli ergab im Median einen Jahresdurchschnitt von 71,90 Dollar. Und man darf nicht vergessen: Im Januar hatte Silber Berichten zufolge die Marke von 120 Dollar überschritten – die aktuelle Notierung ist gemessen daran eine Konsolidierung nach einem historischen Ausbruch, kein Trendbruch.
Für Anleger mit langem Atem bleibt die Erkenntnis: Wer auf physische Edelmetalle als Beimischung setzt, kauft keinen Kursticker, sondern reale Substanz – in einer Welt, in der Notenbanken die Inflation immer noch nicht im Griff haben.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Kursentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für die Zukunft. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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