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29.10.2026
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Silber unter Druck: Warum Gold jetzt die bessere Figur macht

Silber unter Druck: Warum Gold jetzt die bessere Figur macht
Symbolbild: KI-generiert

Silber ist in dieser Woche auf ein neues Jahrestief gerutscht, Gold dagegen hält sich an der Marke von 4.000 US-Dollar je Unze. Laut einem aktuellen Bericht des Londoner Analysehauses Metals Focus könnte das „Metall des kleinen Mannes“ gegenüber Gold vorerst weiter an Boden verlieren. Die Gründe dafür liegen nicht nur an der Börse, sondern auch im physischen Markt.

Ein Tag, zwei Metalle, zwei Geschichten

Zuletzt kostete eine Unze Silber im Spothandel 52,06 Dollar, ein Tagesminus von mehr als drei Prozent. Gold gab um gut ein Prozent auf 4.015,60 Dollar nach. Beide Metalle stehen unter Druck. Silber trifft es aber spürbar härter.

Das zeigt sich am Gold-Silber-Verhältnis. Es gibt an, wie viele Unzen Silber man für eine Unze Gold bezahlen muss. Nach Angaben von Metals Focus ist der Wert erstmals seit Dezember 2025 über 76 gestiegen. Im Sommer lag er noch zwischen 60 und 70. Seit Jahresbeginn hat das Verhältnis um mehr als elf Prozent zugelegt. Der Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 liegt bei 82. Nach oben wäre also noch Luft.

Zinsangst, Ölpreis, Iran-Krieg

Der Hintergrund ist eine unangenehme Mischung. Der andauernde Krieg im Iran treibt die Energiepreise, und mit ihnen steigt die Sorge vor hartnäckiger Inflation. Die US-Notenbank Fed ließ den Leitzins am Mittwoch zwar unverändert, hielt aber an ihrer Neigung zu weiteren Straffungen fest. Ihr Ziel bleibt eine Inflationsrate von zwei Prozent.

Laut dem FedWatch-Tool der Börse CME preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember ein. Für 2027 werden mindestens zwei weitere Schritte erwartet. Steigen Zinsen und Anleiherenditen, wird das Halten zinsloser Metalle teurer, zumindest auf dem Papier.

Gold kommt mit diesem Gegenwind deutlich besser zurecht. Die Analysten verweisen auf seinen Charakter als Geld, auf die anhaltenden Käufe der Zentralbanken und auf langfristige Anleger, die sich gegen geopolitische Risiken absichern. Silber hängt dagegen stärker an der Industrie und an spekulativem Kapital. In stürmischen Zeiten zeigt sich also wieder, welches Metall als Krisenanker gilt.

Der Engpass ist vorbei

Volle Tresore in London

Den Rekordlauf von 2025 und Anfang 2026 hatten massive Lieferengpässe befeuert. Diese seien inzwischen weitgehend verschwunden, heißt es in dem Bericht. Ende September lagerten in Londoner Tresoren 932 Millionen Unzen Silber, so viel wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Frei verfügbar, also ohne das Metall der ETFs, waren rund 267 Millionen Unzen. Das ist fast doppelt so viel wie beim Tiefpunkt im Oktober 2025.

Anleger halten sich zurück

Die Zahlen zur Nachfrage zeigen alle in dieselbe Richtung:

  • Silber-ETFs verloren seit Jahresbeginn rund 60 Millionen Unzen. Zuerst wurden Gewinne mitgenommen, danach fehlte frisches Kapital.
  • Die spekulativen Netto-Long-Positionen an der CME schrumpften auf 17 Millionen Unzen, den niedrigsten Stand seit Februar 2024.
  • Der Absatz großer Münzprägeanstalten brach im zweiten Quartal um mehr als 80 Prozent ein und erreichte den tiefsten Wert seit Beginn der Erhebung 2010. Im dritten Quartal lag er immer noch 22 Prozent unter dem Vorjahr.

Dazu kommen die hohen Preise, die Schmuck- und Silberwarenkäufer abschrecken. In der Photovoltaik sparen Hersteller zudem Silber ein oder ersetzen es durch andere Materialien. Metals Focus erwartet deshalb, dass das Marktdefizit in diesem Jahr weiter schrumpft und 2027 in einen Überschuss dreht. Eine neue Knappheitsrally sei damit kurzfristig unwahrscheinlich.

Abgesang auf Silber? Keineswegs

Wer jetzt das Ende des Silberbooms ausruft, macht es sich zu einfach. Auch nach dem Rücksetzer liegt der Preis über den legendären Höchstständen von 1980 und 2011, die jeweils bei rund 50 Dollar lagen. Metals Focus geht ausdrücklich nicht davon aus, dass Silber Gold dauerhaft hinterherläuft. In den kommenden zwölf Monaten dürfte Silber sich weiter am Gold orientieren. Kurzfristig sehen die Analysten wegen der Zinsen jedoch weiteres Abwärtsrisiko.

Für Sparer bedeutet das: Die Schwankungen beim Silber gehen in beide Richtungen, das hat sich wieder gezeigt. Gold liefert in Zeiten von Krieg, Inflation und unberechenbarer Geldpolitik dagegen gerade die Stabilität, die viele suchen. Physisches Gold und Silber können eine Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sein, als langfristige Absicherung und nicht als schnelle Wette.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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