
Sonntags shoppen für die Konjunktur? Wenn Ökonomen den letzten Ruhetag opfern wollen

Es ist ein altes Muster: Läuft die Wirtschaft nicht rund, greift man zuerst dorthin, wo der Bürger noch etwas zu verlieren hat – diesmal ist es der Sonntag. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat sich in der "Rheinischen Post" für eine Lockerung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag ausgesprochen. Eine "begrenzte Freigabe" sei sinnvoll, so die Botschaft, weil sie den stationären Handel im Kampf gegen die digitale Konkurrenz stärke und die Innenstädte wiederbeleben könne.
Der Sonntag als ökonomische Verfügungsmasse
Klingt gut, klingt fortschrittlich – und ist doch symptomatisch für eine Denkweise, die alles dem Wachstum unterordnet. Gerade kleinere Geschäfte bräuchten mehr Flexibilität, um gegen die Online-Riesen bestehen zu können, argumentiert Fratzscher. Und Sonntagsöffnungen könnten angeblich sogar die "soziale Teilhabe" stärken, weil Innenstädte wieder zu Orten der Begegnung würden.
Wichtig ist dabei, dass Beschäftigte geschützt bleiben: Sonntagsarbeit muss fair bezahlt und klar geregelt sein.
So beteuert es der DIW-Chef. Doch wer glaubt ernsthaft, dass eine "begrenzte" Freigabe begrenzt bleibt? Die Erfahrung lehrt, dass jede kleine Tür, die man öffnet, früher oder später zur Autobahn wird.
Ein Erbe, das man nicht leichtfertig verkaufen sollte
Der arbeitsfreie Sonntag ist kein bürokratisches Relikt, sondern ein zutiefst kulturelles Gut. Er ist im Grundgesetz verankert, er ist ein Rest gemeinsamer Zeit in einer Gesellschaft, die ohnehin in atemloser Beschleunigung zerfasert. Familien, die noch einen gemeinsamen Tag haben. Vereine, Gemeinden, das schlichte Innehalten. Wer diesen Tag der Konsumlogik unterwirft, verkauft ein Stück gesellschaftlichen Zusammenhalts für ein paar zusätzliche Umsatzpunkte.
Und genau hier liegt der wunde Punkt: Statt die tatsächlichen Ursachen der Innenstadt-Misere anzugehen – überbordende Bürokratie, erdrückende Steuerlast, explodierende Energiepreise und eine Sicherheitslage, die viele Menschen abends gar nicht mehr in die Zentren zieht – soll nun der Ladenschluss herhalten. Das ist Symptombekämpfung, während der eigentliche Patient weiter blutet.
Wenn Symbolpolitik echte Reformen ersetzt
Auch der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, Stefan Genth, hatte sich zuvor in der "Bild" für mehr Öffnungsmöglichkeiten am Sonntag stark gemacht. Man versteht das Anliegen des Handels – doch die Rechnung geht nicht auf. Wer online bestellt, weil es bequemer und billiger ist, wird nicht plötzlich am Sonntag zum Bummeln in die Stadt fahren. Das Grundproblem des deutschen Standorts löst man nicht mit verlängerten Öffnungszeiten, sondern mit einer Politik, die Leistung wieder belohnt und den Bürger nicht als endlos ausquetschbare Konsummaschine begreift.
Es wäre ein leichtes Aufatmen wert, wenn unsere Ökonomen und Verbände endlich die großen Baustellen benennen würden, statt am letzten stillen Tag der Woche zu sägen. Der Sonntag gehört den Menschen – nicht der Kasse.
Warum Beständigkeit mehr zählt als kurzfristiger Aktionismus
Diese Debatte zeigt exemplarisch, wie schnell in unruhigen Zeiten Werte und Substanz auf dem Altar der schnellen Lösung geopfert werden. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, tut gut daran, nicht jeder konjunkturellen Mode hinterherzulaufen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie in stürmischen Zeiten als solider Anker taugen – als sinnvolle Beimischung für ein breit gestreutes und krisenfestes Portfolio.
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