
Sozialarbeiter statt Streife: Linke will Berlins Polizei zurĂŒckstutzen!

Berlin hat am 20. September gewÀhlt. Die Linke ist mit 25,7 Prozent erstmals stÀrkste Kraft, Spitzenkandidatin Elif Eralp greift nach dem Roten Rathaus. Wer das Wahlprogramm der Partei liest, sieht, was der Hauptstadt bei der Sicherheit bevorstehen könnte: weniger Polizei, mehr Sozialarbeit und GefÀngnis nur noch als Ausnahme.
Ein Wahlsieg mit Sprengkraft
Laut vorlĂ€ufigem Ergebnis hat die Linke ihr Ergebnis von 2023 (12,2 Prozent) mehr als verdoppelt. Die CDU mit Spitzenkandidat Stefan Evers stĂŒrzte auf 18,8 Prozent ab, die SPD landete mit 12,1 Prozent auf ihrem historischen Tiefpunkt. Die AfD kam auf 16,3 Prozent, die GrĂŒnen auf 14,3 Prozent. Die schwarz-rote Koalition ist damit abgewĂ€hlt.
Ein BĂŒndnis aus Linken, GrĂŒnen und SPD hĂ€tte nach der vorlĂ€ufigen Sitzverteilung 95 von 158 Sitzen. Rechnerisch wĂ€re auch eine âKeniaâ-Koalition unter FĂŒhrung der CDU möglich. Im Wahlkampf ging es Eralp vor allem um das Wohnen. Bei der Sicherheit hielt sie sich eher zurĂŒck. Dabei steht gerade dazu Brisantes im Programm.
âNicht an polizeilichen Kriterienâ
Schon beim Grundsatz wird klar, wohin die Reise gehen soll. Im Wahlprogramm heiĂt es:
âDer Sicherheitsbegriff darf sich nicht an polizeilichen Kriterien, sondern muss sich an der BekĂ€mpfung gesellschaftlicher Ursachen fĂŒr Unsicherheit orientieren.â
Konkret wollen die Linken die âteure AufrĂŒstung der Polizeiâ stoppen und das Geld anders verteilen. EinsĂ€tze bei Demonstrationen und FuĂballspielen sowie anlasslose Kontrollen an kriminalitĂ€tsbelasteten Orten und in Waffenverbotszonen nennt das Papier âpersonalintensiv und oft nicht zielfĂŒhrendâ. AuĂerdem soll geprĂŒft werden, ob man die Zahl der Polizisten auf das Niveau anderer Stadtstaaten senkt. Das eingesparte Geld soll unter anderem in die StraĂensozialarbeit flieĂen.
Am deutlichsten wird ein anderer Satz: âDie polizeiliche Arbeit muss, wo immer dies möglich ist, durch Soziale Arbeit ersetzt oder zumindest ergĂ€nzt werden.â Man fragt sich, ob sich Dealer, Taschendiebe oder Messerangreifer von einem GesprĂ€chsangebot beeindrucken lassen.
GefĂ€ngnis als âabsolute Ausnahmeâ
Besonders umstritten ist der Abschnitt ĂŒber Haftstrafen. Jede Freiheitsstrafe habe negative Folgen fĂŒr Verurteilte, heiĂt es dort. Sie wĂŒrden stigmatisiert, ihre oft labile Psyche werde weiter geschwĂ€cht, und die Angehörigen trĂŒgen die Hauptlast. Daraus folgt der Satz: âFreiheitsstrafen mĂŒssen deshalb die absolute Ausnahme darstellen.â
AuffĂ€llig ist, wer in dieser AufzĂ€hlung fehlt: die Opfer. Ăber das StrafmaĂ entscheiden zwar unabhĂ€ngige Gerichte nach Bundesrecht. Ein Senat setzt aber den Kurs fĂŒr Polizei, Justizverwaltung und Strafvollzug. Kritiker sehen darin eine Umkehr der Rollen: Der TĂ€ter werde zum SchĂŒtzling, der gesetzestreue BĂŒrger rĂŒcke in den Hintergrund.
Wer schĂŒtzt eigentlich die BĂŒrger?
Aus Sicht unserer Redaktion ĂŒbersieht dieses Programm, wozu es den Staat gibt. BĂŒrger zahlen Steuern und verzichten auf Selbstjustiz. DafĂŒr erwarten sie Schutz und gerechte Strafen fĂŒr TĂ€ter. Auf dieser Abmachung beruht das Gewaltmonopol des Staates. Wer daran rĂŒttelt, schwĂ€cht das Vertrauen in den Rechtsstaat.
Der Zeitpunkt macht das noch heikler. Die Polizeiliche Kriminalstatistik meldet bundesweit einen Höchststand bei der erfassten KriminalitĂ€t und deutlich mehr Messerangriffe. FĂŒr viele BĂŒrger ist das eine Folge politischer Fehler der vergangenen Jahre. Mitten in dieser Lage will eine Partei, die kĂŒnftig regieren könnte, weniger kontrollieren. Das wirkt wie Löschen mit Benzin.
Ein Blick in die USA sollte zu denken geben. Nach 2020 kĂŒrzten mehrere GroĂstĂ€dte unter dem Motto âDefund the Policeâ die Mittel fĂŒr ihre Polizei. Viele davon haben diese KĂŒrzungen spĂ€ter still wieder zurĂŒckgenommen.
Jetzt sind SPD und GrĂŒne gefragt
Ob die PlĂ€ne Wirklichkeit werden, hĂ€ngt an den möglichen Partnern. Die GrĂŒnen streben ein BĂŒndnis mit Linken und SPD an. Bei den Sozialdemokraten gibt es Berichten zufolge groĂe Vorbehalte, vor allem gegen die PlĂ€ne zur Vergesellschaftung groĂer Wohnungskonzerne. Die Sicherheitspolitik gehört genauso auf den Verhandlungstisch.
Die Berliner wollen vor allem eines: sicher durch ihre Stadt gehen, am Kottbusser Tor genauso wie am Alexanderplatz. Mehr Sozialarbeit mag in manchen FÀllen helfen. Eine Polizei, die sichtbar PrÀsenz zeigt, kann sie nicht ersetzen.
FĂŒnf Pakete fĂŒr Ihre finanzielleSelbstverteidigung.
Sechs GĂ€ste, fĂŒnf Pakete: zu jedem groĂen Thema des Abends eine Antwort in Gold und Silber, von Dominik Kettner zusammengestellt.
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