
Strompreis-Schock trotz Windrekord: Börsenpreis mehr als verdoppelt!

Die Windräder liefen auf Hochtouren, und trotzdem ist der Strom an der Börse so teuer wie seit der Energiekrise nicht mehr. Daten der Strombörse Epex Spot zufolge kletterte der durchschnittliche deutsche Day-Ahead-Preis im Oktober auf rund 171 Euro je Megawattstunde. Ein Jahr zuvor waren es noch 82 Euro. Darüber berichtete am 6. November die Nachrichtenagentur Bloomberg.
Das ist der höchste Monatswert seit Ende 2022. Damals hatte die Energiekrise nach dem weitgehenden Ausfall russischer Gaslieferungen ihren Höhepunkt erreicht.
Wind im Überfluss, aber das Gas bestimmt den Preis
Am Wetter lag es nicht. Im Oktober erzeugten die Windräder im Schnitt zehn Prozent mehr Strom als im Mittel der vergangenen fünf Jahre, und am 23. Oktober gab es sogar einen Rekord. Wie passt das zusammen?
Ein großer Teil der Antwort liegt im Gasmarkt. Laut Bloomberg stieg der europäische Gaspreis Ende Oktober erstmals seit 2022 wieder über 100 Euro je Megawattstunde. Am Strommarkt gilt das sogenannte Merit-Order-Prinzip: Das teuerste Kraftwerk, das noch gebraucht wird, legt häufig den Preis für alle fest. Sobald Gaskraftwerke einspringen müssen, wird also auch der billige Windstrom teuer verkauft.
Genau hier zeigt sich die Schwachstelle der deutschen Energiewende. Seit dem Atomausstieg im April 2023 und dem schrittweisen Abschied von der Kohle hängt die Versorgung in schwachen Stunden noch stärker an Gas. Verbraucher und Betriebe tragen das Risiko, und an diesem Befund ändert auch ein Windrekord nichts.
Negative Preise sind fast verschwunden
Auffällig ist auch, dass es kaum noch negative Börsenpreise gab. Im Oktober lag der Day-Ahead-Preis nur in zwei Stunden unter null, ein Jahr zuvor waren es 48. In Großbritannien sank die Zahl solcher Stunden Bloomberg zufolge von 29 auf fünf, obwohl die britischen Windparks im Schnitt rund 11,9 Gigawatt lieferten. Das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr.
Dass das Problem nicht gelöst ist, zeigte das Frühjahr. In den ersten fünf Monaten des Jahres wurde Strom in 242 Stunden zu negativen Preisen gehandelt. Am 1. Mai fiel der Day-Ahead-Preis auf minus 499 Euro, im Intraday-Handel zeitweise sogar auf minus 855 Euro. Nach Schätzung des RWI-Ökonomen Manuel Frondel kostete allein dieser Tag Steuerzahler und Stromkunden mehr als 100 Millionen Euro.
Speicher und strengere Förderregeln wirken
Das Analysehaus Volue beziffert die flexible Nachfrage in Deutschland bei negativen Preisen auf rund sechs Gigawatt. Dazu zählen Batteriespeicher, Pumpspeicherkraftwerke und Elektrolyseure. Auch die Industrie passe ihren Verbrauch stärker an das Angebot an. Außerdem wurden die Förderregeln verschärft: Neue Wind- und Solaranlagen verlieren ihren Anspruch auf Förderung grundsätzlich schon ab der ersten Viertelstunde mit negativen Preisen.
Für ältere Anlagen gilt das nur eingeschränkt. Daten der Forschungsstelle für Energiewirtschaft zufolge erhielten Ende 2025 noch 46,6 Gigawatt Windleistung eine Förderung, ohne vollständig unter die strengere Regel zu fallen. Das waren rund 60 Prozent der Kapazität. Sabrina Kernbichler vom Analysehaus Energy Aspects sagte gegenüber Bloomberg, vor allem Offshore-Windparks reagierten inzwischen schneller. Sie erwarte, dass sich dieser Trend über den Winter fortsetze.
Was das für den Winter bedeutet
Für Haushalte mit festem Tarif ändert sich zunächst nichts. Versorger kaufen langfristig ein, und Netzentgelte, Steuern und Umlagen machen ohnehin einen großen Teil der Rechnung aus. Bleiben die Börsenpreise aber hoch, dürften die höheren Einkaufskosten nach und nach in neue Tarife einfließen.
Wie schnell es teuer werden kann, zeigte Ende Oktober eine Dunkelflaute. Innerhalb weniger Tage stieg der Day-Ahead-Preis von 13 auf mehr als 300 Euro. Die Ökonomen Frondel und Lion Hirth warnen seit Langem vor fehlenden Speichern, langsamem Netzausbau und zu wenigen flexiblen Verbrauchern.
Die Regierung Merz hat die Stromsteuer vor allem für Industrie und Landwirtschaft gesenkt, private Haushalte gingen weitgehend leer aus. Gerade sie könnten im Winter am stärksten belastet werden, und eine echte Lösung für Zeiten ohne Wind und Sonne ist nach wie vor nicht in Sicht.
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













