
Stuttgarter Zulieferer-Chef rechnet mit Brüssels Verbrenner-Verbot ab – und entlarvt die E-Auto-Förderung als Luftnummer
Es sind Worte, die aufrütteln sollten – und zwar nicht nur die Belegschaften der deutschen Automobilindustrie, sondern jeden Bürger, dem der Wirtschaftsstandort Deutschland noch etwas bedeutet. Arnd Franz, Chef des Stuttgarter Automobilzulieferers Mahle, hat in einem bemerkenswert deutlichen Interview die EU-Politik zum Verbrenner-Aus ab 2035 zerpflückt. Sein Urteil über den jüngsten Brüsseler Kompromissvorschlag, der gewisse Spielräume für Hybride und Range Extender vorsieht, fällt vernichtend aus: kleinteilig, bürokratisch und ohne jede Klarheit. Man möchte hinzufügen: typisch EU.
3.500 Stellen gestrichen – und das ist erst der Anfang
Die Zahlen, die Franz auf den Tisch legt, sprechen eine brutale Sprache. Der Umsatz von Mahle sank von 11,7 auf rund 11,3 Milliarden Euro. Innerhalb von nur zwölf Monaten wurden weltweit etwa 3.500 Arbeitsplätze abgebaut, davon rund 600 allein in Deutschland. Und das Schlimmste daran? Es dürfte erst der Anfang sein. Denn zwei Drittel der gut 28.000 Beschäftigten in Europa hängen am Verbrennergeschäft. Öffne die Politik das Verbrennerverbot nicht stärker, so Franz' unmissverständliche Warnung, koste das „noch einmal massiv Arbeitsplätze".
Man muss sich diese Dimension vor Augen führen: Tausende Familien, deren Existenz an einer Technologie hängt, die Brüsseler Bürokraten am liebsten per Federstrich aus der Geschichte tilgen würden. Und das in einer Zeit, in der der europäische Fahrzeugmarkt zwischen 2018 und 2024 ohnehin bereits um ein Drittel geschrumpft ist. Wer angesichts solcher Daten immer noch glaubt, die ideologisch motivierte Elektrifizierungsstrategie der EU sei ein Erfolgsmodell, der hat offenbar jeden Bezug zur wirtschaftlichen Realität verloren.
Die Illusion vom reinen Batterie-Zeitalter
Besonders bemerkenswert ist Franz' nüchterne Einschätzung zur Marktdurchdringung reiner Elektrofahrzeuge. Selbst bis 2035 würden Batterie-Autos aus seiner Sicht „nicht viel mehr als 50 Prozent Marktanteil" in Europa erreichen. Den Rest sieht er bei Hybriden mit hohen elektrischen Fahranteilen. Ein starres Prozentziel berge deshalb das Risiko, technisch oder beim Kunden zu scheitern. Wer hätte das gedacht? Der Markt lässt sich eben nicht per Verordnung umerziehen – eine Lektion, die ideologiegetriebene Politiker offenbar immer wieder aufs Neue lernen müssen.
Statt eines dogmatischen Verbrennerverbots plädiert der Mahle-Chef für echte Technologieoffenheit. Europa müsse Kraftstoffe „de-fossilisieren" und Biokraftstoffe sowie synthetische Kraftstoffe schnell in den Markt bringen. Das bestehende Tankstellennetz biete dafür einen enormen Infrastrukturvorteil, der sträflich ignoriert werde. Als Beispiel führt Franz Brasilien an, wo bereits rund 50 Prozent des Pkw-Verkehrs mit Ethanol klimafreundlich unterwegs seien. Es geht also – wenn man nur will und nicht ideologische Scheuklappen trägt.
E-Auto-Förderung? „Sektkorken knallen da nicht"
Geradezu köstlich ist Franz' Kommentar zur neuen E-Auto-Förderung der Bundesregierung. Es würde ihn wundern, so der Mahle-Chef trocken, wenn diese effektiv wäre. Den alten Umweltbonus hält er „jedenfalls nicht" für wirksam. Im Handel beobachte er vor allem Abwarten. „Sektkorken knallen da nicht", konstatiert er mit einer Nüchternheit, die man sich von so manchem Politiker wünschen würde. Stattdessen entstehe echte Nachfrage eher über mehr verfügbares Einkommen – also niedrigere Steuern und Abgaben.
Und genau hier liegt der Kern des Problems. Während die Politik Milliarden in Subventionsprogramme pumpt, die offenkundig verpuffen, wäre der einfachste und wirksamste Hebel eine spürbare Entlastung der Bürger. Doch davon ist unter der neuen Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD bislang wenig zu spüren. Stattdessen wurde ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen beschlossen, das die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten dürfte. Friedrich Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen – ein Versprechen, das sich in Luft aufgelöst hat, noch bevor die Tinte unter dem Koalitionsvertrag richtig trocken war.
Europa schrumpft, Asien wächst – die Industrie zieht Konsequenzen
Die strategischen Schlussfolgerungen, die Mahle aus dieser Gemengelage zieht, sollten jeden Wirtschaftspolitiker alarmieren. Der Konzern investiere in Europa nur noch begrenzt, so Franz. Wachstum sehe er in Asien – in China, Indien, Korea und Japan. In Batteriezellen steige man „schon gar nicht" ein, weil das Milliarden binde. Mit anderen Worten: Ein traditionsreiches deutsches Unternehmen wendet sich schrittweise von seinem Heimatmarkt ab, weil die politischen Rahmenbedingungen eine profitable Zukunft hier zunehmend unmöglich machen.
Für Baden-Württemberg, das Herzland der deutschen Automobilindustrie, fordert Franz „einen Ruck". Das Land wachse seit Jahren kaum, die Automobilproduktion sei seit 2019 um ein Viertel eingebrochen – von 830.000 auf 630.000 Fahrzeuge. Er verlangt ein zukunftsfähiges Konzept für Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Photonik, Verteidigung, Biotechnologie und Robotik. Außerdem wünscht er sich mehr Wirtschaftskompetenz in den Regierungen. Ein Wunsch, der angesichts der grün-schwarzen Landesregierung in Stuttgart fast schon wie bittere Ironie klingt.
Ein Weckruf, der nicht ungehört verhallen darf
Die Worte des Mahle-Chefs sind mehr als nur die Klage eines einzelnen Unternehmenslenkers. Sie sind ein Symptom für den schleichenden Niedergang des Industriestandorts Deutschland, der durch eine Kombination aus ideologischer Regulierungswut, erdrückender Bürokratie und mangelnder Technologieoffenheit vorangetrieben wird. Wenn selbst ein Konzern wie Mahle – tief verwurzelt in der schwäbischen Ingenieurskultur – seine Zukunft zunehmend in Asien statt in Europa sieht, dann sollten bei jedem verantwortungsbewussten Politiker sämtliche Alarmglocken schrillen.
Doch die Erfahrung lehrt: In Berlin und Brüssel wird man diese Warnung vermutlich wieder einmal geflissentlich überhören. Zu groß ist die ideologische Verblendung, zu tief der Glaube an die Allmacht staatlicher Lenkung. Und so wird die Deindustrialisierung Deutschlands munter weitergehen – Arbeitsplatz für Arbeitsplatz, Unternehmen für Unternehmen. Die Zeche zahlen am Ende wie immer die Bürger.
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