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Kettner Edelmetalle
14.08.2026
15:58 Uhr
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Taxi-Krieg in Berlin: 12.000 Autos jagen immer weniger Fahrgäste

Taxi-Krieg in Berlin: 12.000 Autos jagen immer weniger Fahrgäste
Symbolbild: KI-generiert

In Berlin tobt ein Verdrängungskampf auf vier Rädern. Rund 12.000 Fahrzeuge – Taxis und Plattform-Mietwagen von Uber, Bolt und Co. – teilen sich einen Markt, der schrumpft statt wächst. Hermann Waldner, Präsident des Berliner Landesverbandes Taxi Deutschland und Chef der größten Taxizentrale der Hauptstadt, warnt vor einem ruinösen Wettbewerb, der am Ende auch die Fahrgäste treffen werde.

Der Kuchen schrumpft – die Esser werden mehr

Waldners Rechnung ist ernĂĽchternd. Vor Corona rollten in Berlin rund 8300 Taxis und einige hundert Mietwagen. Heute seien es etwa 6600 Taxis und rund 1500 in Berlin zugelassene Mietwagen.

Dazu kämen nach seiner Schätzung rund 4000 Mietwagen aus dem Umland, die praktisch komplett in Berlin unterwegs seien. Allein im Landkreis Teltow-Fläming seien aktuell 2128 Plattformmietwagen konzessioniert – nach seinen Worten ein historischer Höchststand.

„Der Kuchen wird immer kleiner, und damit schrumpfen auch die einzelnen Stücke“, sagte Waldner der Berliner Zeitung.

Die „schiere Masse der Fahrzeuge“ sorge dafür, dass am Ende alle verlören. Überleben würden aus seiner Sicht vor allem jene Firmen, die Steuern hinterzögen und Abgaben umgingen – ein harter Vorwurf, den der Verbandschef als Bewertung der Lage formuliert.

Uber-Partner kontert: Das Taxi muss besser werden

Thomas Mohnke, Generalunternehmer für Uber in Deutschland und Chef der SafeDriver Group, sieht die Ursachen woanders. Die Taxitarife seien in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Lebenshaltungskosten. Wer solche Preise verlange, müsse auch mehr Leistung liefern, sonst überlebe die Branche nicht.

Mohnke, der selbst rund 200 Taxis betreibt, fordert komplette Dienstleistungsketten statt reiner Fahrten von A nach B. Den Vorwurf, Mietwagenbetrieb rechne sich nur mit Steuertricks, weist er zurück: Eine Studie in München habe gezeigt, dass der Betrieb auskömmlich sei.

Die Ballung im Umland erklärt er nüchtern mit Standortlogik – Nähe zum Flughafen BER, Lage zwischen Berlin und Potsdam. Und mit den Kosten: Mietwagenfirmen müssten für jedes Fahrzeug einen Stellplatz nachweisen, in Berlin schnell über 250 Euro im Monat.

Der gemeinsame Feind heiĂźt Homeoffice

Bei einem Punkt sind sich beide Kontrahenten einig. Der eigentliche Gegner sei der RĂĽckzug ins Private: Videokonferenzen, Homeoffice, Lieferdienste, Streaming. Wer nicht mehr ins Kino, Theater oder Restaurant geht, braucht auch kein Taxi.

Waldner ergänzt: Gespart werde zuerst beim Restaurant, beim Urlaub – und beim Taxi. Es ist die stille Bilanz einer Wirtschaft, in der den Bürgern nach Steuern, Abgaben und Energiepreisen schlicht weniger zum Ausgeben bleibt.

Politik greift ein – mit ungewissem Ausgang

Der Streit ist längst ein Fall für Behörden und Gerichte. Medienberichten zufolge hat Berlin Anfang 2026 einen einjährigen Genehmigungsstopp im Taxenverkehr beschlossen, Brandenburg will das Mietwagengewerbe schärfer kontrollieren. Mehrere Städte versuchen es mit Mindestfahrpreisen – in Essen und Köln stoppten Verwaltungsgerichte solche Vorstöße zumindest teilweise.

Waldner hält Mindestpreise für einen „Gewinn für alle ehrlichen Steuerzahler“. Der SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf argwöhnt Medienberichten zufolge, dass Brandenburger Behörden zu großzügig Konzessionen erteilten.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall ein bekanntes Muster: Ein streng regulierter Markt trifft auf ein digitales Geschäftsmodell – und der Staat kommt weder mit Kontrolle noch mit klaren Regeln hinterher. Die Zeche zahlen am Ende die Kleinunternehmer, die jahrzehntelang selbst am Steuer saßen.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

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