
Thüringen-Beben: Voigts CDU stürzt ab, die Linke sitzt im Nacken!

Für die Thüringer CDU wird es ungemütlich. Laut einer neuen INSA-Umfrage unter 1000 Wahlberechtigten, über die am 7. November 2026 berichtet wurde, kommt die Partei von Ministerpräsident Mario Voigt nur noch auf 18 Prozent. Damit liegt sie gerade noch einen Punkt vor der Linken. Die AfD erreicht 40 Prozent und ist damit mehr als doppelt so stark.
Vier Punkte weg in nur vier Monaten
Dramatisch wirkt der Wert vor allem, wenn man die Zeitreihe daneben legt. Bei der Landtagswahl am 1. September 2024 holte die CDU noch 23,6 Prozent. In den INSA-Erhebungen danach hielt sie sich lange stabil bei 24 bis 25 Prozent, zuletzt im April 2026 bei 24 Prozent.
Dann kam der Einbruch. Im Juli 2026 waren es nur noch 22 Prozent, jetzt sind es 18. Gegenüber dem Wahlergebnis ist das ein Minus von 5,6 Punkten. Es ist der schwächste Wert seit Jahren.
Die Gewinner stehen am Rand. Die AfD hat seit der Wahl 7,2 Punkte zugelegt, die Linke ist von 13,1 auf 17 Prozent geklettert. Ausgerechnet die beiden Kräfte, mit denen die Union offiziell nichts zu tun haben will, profitieren also von ihrer Schwäche.
Die Brombeere welkt
Noch härter trifft es Voigts Partner. Das BSW war 2024 mit 15,8 Prozent aus dem Stand drittstärkste Kraft geworden und kommt nun nur noch auf 5 Prozent. Die SPD steht bei 8 Prozent, das ist ein leichtes Plus. Die Grünen würden mit 4 Prozent den Einzug in den Landtag verpassen.
Dazu kommt „Thüringen gerecht“, eine Abspaltung, die Vizeministerpräsidentin Katja Wolf mitgegründet hat. Sie erreicht 2 Prozent. Die Rechnung ist ernüchternd:
- CDU, BSW und SPD kommen zusammen auf etwa 31 Prozent.
- CDU, SPD und „Thüringen gerecht“ erreichen nur 28 Prozent und liegen damit zwölf Punkte hinter der AfD.
- Die AfD könnte Berechnungen zufolge rund 45 Prozent der 88 Landtagsmandate erhalten. Eine absolute Mehrheit hätte sie damit nicht.
Schon seit dem Start hatte die Koalition im Landtag keine eigene Mehrheit. CDU, BSW und SPD stellten nach der Wahl 44 der 88 Abgeordneten, also genau die Hälfte. Diese Regierung ist auf Tolerierung und auf wechselnde Unterstützung im Einzelfall angewiesen. Stabil sieht anders aus.
Der Schatten der Doktorarbeit
Ein wesentlicher Grund für die Vertrauenskrise dürfte bei Voigt selbst liegen. Seit dem Wahlkampf 2024 verfolgen ihn Plagiatsvorwürfe gegen seine Dissertation aus dem Jahr 2008 an der TU Chemnitz. Darin ging es um den US-Präsidentschaftswahlkampf zwischen George W. Bush und John F. Kerry. Berichten zufolge entzog ihm die Universität im Januar 2026 den Doktortitel, sein Widerspruch wurde abgewiesen.
Die AfD hatte ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll 265 problematische Stellen aufführen, darunter Übersetzungsplagiate, fehlende Quellenangaben und den Vorwurf, Experteninterviews seien fragwürdig dargestellt worden. Voigt weist das zurück. Er betont, der wissenschaftliche Kern seiner Arbeit sei nicht betroffen, und kritisiert, die Universität habe ihr Verfahren geändert. Seine CDU spricht von einer „Schmutzkampagne“.
Politisch überstand Voigt bisher alles, auch mehrere gescheiterte Misstrauensvoten und einen Antrag der AfD, den Landtag aufzulösen. Zeitweise forderte sogar die BSW-Bundesspitze seinen Rücktritt. Schon im September 2026 hatte eine INSA-Umfrage gezeigt, dass deutlich mehr Thüringer einen Rücktritt befürworten als einen Verbleib im Amt.
Ein Warnsignal, das auch in Berlin ankommen sollte
Die Erhebung entstand im Auftrag der Thüringer Allgemeinen, der Ostthüringer Zeitung und der Thüringischen Landeszeitung. Ob die CDU weiter fällt oder sich wieder fängt, dürfte nicht nur von der Arbeit in Erfurt abhängen. Auch die Bundespolitik spielt eine Rolle.
Dort regiert die Union unter Kanzler Friedrich Merz mit der SPD, und viele Bürger warten noch immer auf die versprochene Politikwende. Beobachter sehen in Thüringen ein Muster: Wer Wähler mit Brandmauern und Zweckbündnissen hinhält, statt Ergebnisse zu liefern, verliert sie an die Ränder. Die Thüringer CDU erlebt gerade, wie schnell das gehen kann.
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