
Tod eines Star-Professors: NGO erklärt jetzt die Presse zum Täter

Der britische Soziologe Jason Arday ist tot. Wenige Tage nach dem Rücktritt von seiner Cambridge-Professur wurde der 41-Jährige am vergangenen Freitag in einer Wohnung im Süden Londons leblos aufgefunden. Nun macht eine Petition der NGO Good Law Project die britische Presse für den Tod verantwortlich – mehr als 34.000 Menschen hatten sie bis Montagmorgen unterschrieben.
Eine Petition, die Journalisten auf die Anklagebank setzt
Der am Samstag gestartete Aufruf richtet sich an Premierminister Andy Burnham, der das Amt Medienberichten zufolge erst am 20. Juli 2026 übernahm, sowie an Kulturministerin Lisa Nandy. Gefordert wird eine öffentliche Untersuchung zum Umgang der Medien mit Arday – und zur Frage, wie eine „verantwortungsvolle Presse“ überhaupt sichergestellt werden könne.
Die Selbstregulierung der britischen Presse sei gescheitert, heißt es in der Petition. Ardays Tod wird darin als direkte und vorhersehbare Folge journalistischer Verfolgung dargestellt. Wörtlich spricht die Organisation von der „vorhersehbaren Folge von Hetze durch die Presse“, wobei Ardays Hautfarbe ein „wesentlicher Faktor dieser Hetze“ gewesen sei und „Rassismus im Mittelpunkt dieser Geschichte“ gestanden habe.
Zur Untermauerung verweisen die Unterzeichner darauf, dass Arday Autist gewesen sei und autistische Menschen ein deutlich höheres Suizidrisiko trügen. Mehrere Medienhäuser seien vorab privat gewarnt worden. Über vergleichbare Fälle weißer Wissenschaftler mit Plagiats- oder Lebenslauf-Vorwürfen sei ungleich weniger berichtet worden.
Was die Recherchen zutage brachten
Arday lehrte als Professor für Bildungssoziologie in Cambridge und galt seit 2023 als jüngster schwarzer Professor in der Geschichte der Universität. Seine These: Ethnische Minderheiten würden von der weißen Mehrheitsgesellschaft unterdrückt. Ab Juli standen zunächst Plagiatsvorwürfe gegen seine Doktorarbeit im Raum, später gegen weitere Veröffentlichungen.
Auch Angaben zu seiner Biografie wurden hinterfragt – etwa, dass er erst mit 18 Jahren lesen und schreiben gelernt habe, und die ihm über Jahre zugeschriebene Leistung, für wohltätige Zwecke 30 Marathons in 35 Tagen gelaufen zu sein. Arday selbst wies die Plagiatsvorwürfe zurück und erklärte laut Medienberichten bei seinem Rücktritt, die unaufhörlichen Anschuldigungen hätten ihn und seine Angehörigen schwer belastet.
Cambridge stellte sich zunächst hinter ihn, eröffnete dann aber eine Untersuchung – laut Universität nach „neuen Informationen“ zu Qualifikationen und Ehrenämtern. Die Todesursache ist offiziell nicht geklärt; die Londoner Polizei behandelt den Fall als unerwartet, jedoch nicht als verdächtig.
Wenn Kontrolle als Rassismus gilt
Der Tod eines Menschen ist eine Tragödie – daran gibt es nichts zu deuten. Doch aus Sicht unserer Redaktion offenbart die Petition ein bemerkenswertes Muster: Wer prüft, gilt als Täter. Wer Behauptungen nachrechnet, betreibt angeblich Hetze.
Bemerkenswert ist auch die Vorgeschichte. Schon als die Vorwürfe erstmals publik wurden, hatte dieselbe NGO sie in einer ersten Petition als „völlig falsch“ bezeichnet und rechten Medien eine rassistisch motivierte Kampagne unterstellt. Einige Erstunterzeichner distanzierten sich später, nachdem sich die Vorwürfe erhärtet hatten.
Beobachter fragen deshalb: Wer trägt die Verantwortung dafür, dass eine offenbar kaum überprüfte Karriere zum Symbol einer politischen Agenda werden konnte? Nicht wenige Kritiker sehen das eigentliche Versagen bei den Qualitätskontrollen der Universitäten – dort, wo Gesinnung leichter zählt als Nachweis. Auch in Deutschland wäre diese Debatte überfällig.












