
Toyota setzt auf den Finanzstrategen: Kenta Kon wird neuer Konzernchef
Der weltgrößte Automobilhersteller vollzieht einen bemerkenswerten Führungswechsel, der weit mehr verrät als nur eine personelle Rochade an der Konzernspitze. Kenta Kon, bislang Finanzvorstand des japanischen Autoriesen, wird zum 1. April die Position des Vorstandsvorsitzenden übernehmen. Ein Signal, das aufhorchen lässt – denn erstmals in der jüngeren Unternehmensgeschichte rückt kein Ingenieur, sondern ein Finanzmann an die Spitze von Toyota.
Das Ende der Ingenieurs-Ära?
Der bisherige CEO Koji Sato, der das Amt erst vor drei Jahren übernommen hatte, wird in eine Doppelrolle als stellvertretender Vorsitzender und Chief Industry Officer wechseln. Toyota begründet den Schritt damit, dass Satos Arbeitsbelastung reduziert werden solle – insbesondere nachdem dieser Anfang des Jahres zusätzlich den Vorsitz des wichtigsten japanischen Automobilverbandes übernommen hatte. Eine diplomatische Formulierung, die man durchaus auch anders lesen könnte.
Sato hatte seinerzeit die Nachfolge von Akio Toyoda angetreten, dem Enkel des Firmengründers, der nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze 2023 zurücktrat. Schon dieser Wechsel markierte eine Zäsur: die Abkehr von der Familienführung. Nun geht Toyota noch einen Schritt weiter und setzt auf einen Mann, dessen Karriere nicht in den Entwicklungslabors, sondern in den Bilanzbüchern geschmiedet wurde.
Profitabilität als oberste Maxime
Auf einer Pressekonferenz in Tokio ließ Kon keinen Zweifel daran, wohin die Reise gehen soll. Seine Aufgabe bestehe darin, eine solide Gewinnstruktur zu etablieren – ein Fundament, auf dem die Mitarbeiter „mutige Herausforderungen" annehmen könnten. Er wolle das erwirtschaftete Geld „für die Zukunft von Toyota" einsetzen, so der designierte Konzernchef.
Branchenbeobachter werten Kons Aufstieg als unmissverständliches Zeichen dafür, dass Toyota die finanzielle Strategie in den Vordergrund rückt. Während seine Vorgänger aus dem Ingenieurswesen kamen – Sato leitete zuvor Lexus und die legendäre Gazoo-Racing-Abteilung, die Modelle wie den GR Corolla und den Supra hervorbrachte –, bringt Kon eine völlig andere DNA mit. Er gilt als langjähriger Vertrauter Akio Toyodas, was ihm trotz des Bruchs mit der Familientradition eine gewisse Kontinuität verleiht.
Klare Aufgabenteilung als Wettbewerbsvorteil?
Die neue Struktur sieht eine strikte Trennung der Verantwortlichkeiten vor: Kon kümmert sich um das operative Geschäft und die finanzielle Schlagkraft, Sato richtet seinen Blick auf die gesamte Branche. Kons bisherige Position als Finanzvorstand übernimmt der erfahrene Yoichi Miyazaki, der diese Rolle bereits in der Vergangenheit bekleidet hatte.
Man darf gespannt sein, ob diese Neuaufstellung Toyota tatsächlich den erhofften Vorteil im gnadenlosen Wettbewerb der Automobilindustrie verschafft. Während europäische Hersteller – allen voran die deutsche Automobilindustrie – unter dem Druck der Elektrifizierung, explodierender Energiekosten und einer zunehmend ideologiegetriebenen Regulierung ächzen, scheint Toyota einen nüchternen, zahlengetriebenen Kurs einzuschlagen. Kein Wunder: In Zeiten, in denen politische Traumtänzereien ganze Industriezweige an den Rand des Abgrunds führen, ist ein kühler Kopf mit Blick auf die Bilanz womöglich genau das, was ein Weltkonzern braucht.
Ob die deutsche Automobilindustrie von dieser japanischen Pragmatik lernen kann, steht freilich auf einem anderen Blatt. Hierzulande scheint man sich lieber mit Verbrennerverboten und utopischen Klimazielen zu beschäftigen, als die wirtschaftliche Substanz zu sichern. Toyota hingegen macht vor, wie man Prioritäten setzt – und stellt die Profitabilität über die Ideologie.

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