
Traditionsbruch in Mecklenburg-Vorpommern: Melitta opfert 225 Jahre Papiergeschichte für Konzernstrategie

Was sich wie ein schlechter Scherz anhört, ist bittere Realität für 115 Familien in der kleinen Gemeinde Neu Kaliß: Der Kaffeefiltergigant Melitta schließt sein hochmodernes Werk im mecklenburgischen Heiddorf – und das, obwohl die Anlage erst vor wenigen Jahren auf den neuesten technischen Stand gebracht wurde. Die Produktion endet am 31. März, die Belegschaft erfuhr von ihrem Schicksal in einer kurzfristig einberufenen Versammlung. Selbst die Werksleitung soll bis kurz vor der Bekanntgabe im Unklaren gewesen sein.
Ein Tiefschlag für die gesamte Region
Burkhard Thees, Bürgermeister von Neu Kaliß und Amtsvorsteher im Amt Dömitz-Malliß, findet deutliche Worte für das, was seiner Gemeinde widerfährt. Er bezeichnet die Entscheidung als einen der schlimmsten Tage in der Geschichte des Ortes. Mehr als 225 Jahre Papiertradition werden mit einem Federstrich ausgelöscht – nicht etwa wegen einer Insolvenz, sondern schlicht aufgrund einer Konzernentscheidung aus der Ferne.
Das Werk stellte bis zuletzt eine beeindruckende Vielfalt an Spezialprodukten her: Kaffeefilterpapier, Tapetenvliese, elektrisch leitfähige Vliese und Papiere für Großbäckereien. Produkte also, die durchaus Zukunftspotenzial hätten – wenn man denn gewillt wäre, in schwierigen Zeiten durchzuhalten.
Der wahre Grund: Russland-Sanktionen und Modetrends
Die offizielle Begründung für die Fabrikschließung offenbart ein Dilemma, das symptomatisch für die deutsche Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre steht. Der Markt für Spezialtapeten, die hauptsächlich in Neu Kaliß gefertigt wurden, sei regelrecht zusammengebrochen. Tapeten seien schlichtweg nicht mehr im Trend. Doch der eigentliche Hammer folgt auf dem Fuß: Russland als wichtiger Absatzmarkt sei weggefallen.
Hier zeigt sich einmal mehr, welchen Preis die deutsche Wirtschaft für die Sanktionspolitik zahlt. Während Politiker in Berlin und Brüssel sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, verlieren Arbeiter in strukturschwachen Regionen ihre Existenzgrundlage. Die Zeche für geopolitische Entscheidungen zahlen nicht die Entscheider selbst, sondern Menschen wie die 115 Beschäftigten in Neu Kaliß.
Kommunale Finanzen vor dem Kollaps
Die Fabrikschließung reißt nicht nur Löcher in Familienbudgets, sondern auch in die Gemeindekasse. Das Melitta-Werk zählte zu den wichtigsten Steuerzahlern der Kommune. Bürgermeister Thees gibt unumwunden zu, dass er noch keine Idee habe, wie die Gemeinde diesen Ausfall im Sinne der Vereine und Bürger auffangen könne. Kommunale Projekte, Vereinsförderung, Infrastruktur – all das steht nun auf der Kippe.
Moderne Fabrik, keine Zukunft?
Besonders bitter schmeckt die Entscheidung angesichts der Tatsache, dass Melitta erst in jüngster Vergangenheit erheblich in den Standort investiert hatte. Die Anlage ist technisch auf dem neuesten Stand, die Produktionslinien modern und effizient. Genau diese Modernität nährt nun die zaghafte Hoffnung, dass sich vielleicht ein Käufer finden könnte, der das Werk übernimmt und neue Arbeitsplätze schafft.
Thees klammert sich an diese Perspektive wie an einen Strohhalm. Er hofft, dass nach einer vernünftigen Abwicklung etwas Neues entstehen könne. Vielleicht finde sich ja ein anderes Unternehmen, das sich ansiedeln wolle. Doch wer investiert schon in einer Region, die von der Politik systematisch vernachlässigt wird?
Sozialplan als schwacher Trost
Immerhin sollen zeitnah Gespräche über sozialverträgliche Lösungen beginnen. Abfindungen, Qualifizierungsmaßnahmen und Vermittlung stehen auf der Agenda. Doch was nützt eine Qualifizierung, wenn es in der Region kaum alternative Arbeitgeber gibt? Die strukturschwachen Gebiete Mecklenburg-Vorpommerns bieten nicht gerade ein Überangebot an industriellen Arbeitsplätzen.
„Wir als Gemeinde und ich auch persönlich können über Melitta nichts Schlechtes sagen. Wir haben immer einwandfrei zusammengearbeitet, uns geholfen."
Diese versöhnlichen Worte des Bürgermeisters mögen diplomatisch klug sein, doch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein Konzern eine ganze Gemeinde im Stich lässt. Die Zusammenarbeit war offenbar nur so lange einwandfrei, wie sie dem Unternehmen nützte.
Ein Symptom des deutschen Niedergangs
Der Fall Neu Kaliß reiht sich nahtlos ein in eine erschreckende Serie von Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten, die Deutschland derzeit heimsuchen. Von Autozulieferern über Logistikzentren bis hin zu Chemiekonzernen – überall werden Standorte dichtgemacht, Traditionen beendet, Existenzen zerstört. Die Deindustrialisierung Deutschlands schreitet voran, während die Politik tatenlos zusieht oder sich mit ideologischen Nebenschauplätzen beschäftigt.
Für die Menschen in Neu Kaliß bleibt nur die vage Hoffnung auf einen Neuanfang. Doch diese Hoffnung wird sich nur erfüllen, wenn Deutschland endlich wieder eine Wirtschaftspolitik betreibt, die den Namen verdient – eine Politik, die Arbeitsplätze schützt statt sie zu gefährden, die Unternehmen entlastet statt sie zu vertreiben, und die traditionelle Industriestandorte bewahrt statt sie dem Zeitgeist zu opfern.
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