
Tränengas gegen Bürger: Spaniens Ceuta-Krise eskaliert

Fünf Wochen nach dem Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta steht das Land unter Hochspannung. Am Mittwoch gingen in über 200 Städten Zehntausende auf die Straße, in Madrid setzte die Polizei nach Medienberichten Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein. Zeitgleich prüft die Nationalpolizei einen bizarren Einkauf in einem Supermarkt in Ceuta.
Salzsäure und Alufolie – ein Einkauf, der Ermittler alarmiert
Spanischen Medienberichten unter Berufung auf Polizeikreise zufolge hatte Supermarktpersonal eine größere Gruppe von Migranten gemeldet, überwiegend Marokkaner, die Salzsäure und Aluminiumfolie in auffälligen Mengen kauften. Ermittler versuchen zu klären, ob daraus sogenannte Säurebomben werden sollten – Plastikflaschen, die durch die chemische Reaktion bersten und ätzende Flüssigkeit versprühen.
Berichten zufolge sollen solche Flaschen bereits gegen spanische Soldaten und gegen demonstrierende Anwohner geworfen worden sein. Festnahmen gab es nicht – beide Produkte sind frei verkäuflich. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die NGO weist alles zurück – das Innenministerium auch
Spanische Berichte nennen Aktivisten der Hilfsorganisation No Name Kitchen als Begleiter der Käufer. Deren Koordinator wies das zurück: Die Gruppe koche täglich 1.200 bis 1.300 Mahlzeiten, brauche Folie für Lebensmittel und geringe Mengen Lösungsmittel zur Reinigung – von "industriellen Mengen" könne keine Rede sein.
Das Innenministerium erklärte gegenüber dem staatlichen Rundfunk RTVE, es werde gegen keine NGO wegen der Lieferung von Sprengmitteln ermittelt. Konservative spanische Medien verweisen derweil auf Datenbank-Einträge, die die Open Society Foundations von George Soros unter den Geldgebern der Organisation führen. Die NGO betont, für Ceuta kein direktes Geld von dort zu erhalten.
60.000 Menschen an einem Wochenende – und dann?
Zur Erinnerung: Ende Juli überwanden nach Angaben des spanischen Innenministeriums rund 60.000 Menschen die Grenze zwischen Marokko und Ceuta, 57 kamen dabei ums Leben. Später meldete Madrid die Rückführung von mehr als 48.000 Personen. Regierungschef Pedro Sánchez sprach im Parlament von über 90 Prozent Rückführungen binnen 72 Stunden und nannte dies eines der schnellsten Verfahren der europäischen Geschichte.
Die Bilder aus der Exklave erzählen eine andere Geschichte: Zeltlager, verwüstete Strände, überforderte Behörden. Der Ministerrat schnürte ein Nothilfepaket von 309 Millionen Euro für Wohnraum, Dienstleistungen und zusätzliche Polizei.
"Bürger zweiter Klasse" – der Zorn der Spanier
In Ceuta demonstrierten rund 20.000 Menschen, in Madrid nach Veranstalterangaben ein Vielfaches. Ein 45-jähriger Lehrer sagte Reuters, die Reaktion sei unzureichend und zu spät gekommen; man dürfe keine Bürger zweiter Klasse sein. PP-Chef Alberto Núñez Feijóo erklärte, eine spanische Stadt sei besetzt worden – mit Wissen der Regierung.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall ein europäisches Muster: Ein Staat, der die eigene Außengrenze nicht sichert, hat am Ende genug Kräfte, um gegen protestierende Steuerzahler vorzugehen. Auch in Deutschland dürfte man die Bilder aus Madrid genau studieren.
Was Anleger daraus mitnehmen
Politische Instabilität an Europas Rändern ist kein Randthema, sondern ein Risikofaktor für Währungen und Märkte. Wer Vermögen sichern will, setzt traditionell auf breite Streuung – physisches Gold und Silber gelten dabei vielen als bewährte Beimischung in unruhigen Zeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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