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11.01.2026
13:55 Uhr

Trittin will Bundeswehr nach Grönland schicken: Wenn Realitätsverlust auf Größenwahn trifft

Trittin will Bundeswehr nach Grönland schicken: Wenn Realitätsverlust auf Größenwahn trifft

Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich unwillkürlich, ob man versehentlich in einer Satiresendung gelandet ist. Der ehemalige Grünen-Umweltminister Jürgen Trittin, jener Mann, der einst versprach, die Energiewende koste den deutschen Haushalt nicht mehr als eine Kugel Eis, hat sich nun zu einem außenpolitischen Abenteuer verstiegen, das selbst hartgesottene Beobachter des politischen Berlins sprachlos zurücklässt.

Die absurde Forderung eines politischen Fossils

In einem Podcast mit dem Bild-Journalisten Paul Ronzheimer forderte der 71-jährige Grünen-Veteran allen Ernstes, die Bundeswehr und andere europäische Streitkräfte sollten militärische Manöver in Grönland durchführen. Das Ziel? Man höre und staune: Die Vereinigten Staaten von Amerika „abschrecken". Ja, Sie haben richtig gelesen. Deutschland, dessen Bundeswehr bekanntlich nicht einmal über ausreichend funktionsfähige Hubschrauber, Panzer oder gar Winterunterwäsche verfügt, soll die mächtigste Militärmacht der Welt in die Schranken weisen.

Trittin sprach davon, „den Preis hochzutreiben" und „Gegendruck" zu erzeugen. Es müsse eine „militärische Komponente" geben, um eine vermeintliche Annexion Grönlands durch die USA zu verhindern. Die Zeit der diplomatischen Beschwichtigung sei vorbei, tönte der ehemalige Minister, der selbst einst den Wehrdienst verweigerte.

Ein Blick auf die Realität

Was Trittin in seinem offensichtlichen Eifer geflissentlich übersieht oder schlicht nicht weiß: Die USA unterhalten seit 1941 eine ausgeprägte Militärpräsenz auf Grönland. Auf Grundlage des Verteidigungsabkommens von 1951 zwischen den USA und Dänemark könnten die Amerikaner ihre Kapazitäten dort jederzeit legal und erheblich ausweiten. Die dänische militärische Infrastruktur auf der größten Insel der Welt ist der amerikanischen seit Jahrzehnten hoffnungslos unterlegen.

Grönland wäre selbst für eine voll einsatzfähige europäische Streitmacht kaum zu verteidigen – geschweige denn für eine Bundeswehr, die seit Jahren unter chronischer Unterfinanzierung, Materialengpässen und Personalsorgen leidet. Die Vorstellung, deutsche Soldaten könnten in der arktischen Kälte Grönlands gegen US-Streitkräfte bestehen, grenzt an Wahnwitz.

Der grüne Wandel vom Pazifisten zum Säbelrassler

Besonders pikant erscheint diese Forderung vor dem Hintergrund der grünen Parteigeschichte. Waren es nicht die Grünen, die sich einst als Friedenspartei gerierten? Die gegen NATO-Doppelbeschluss und Aufrüstung auf die Straße gingen? Die den Wehrdienst als Gewissensfrage stilisierten? Nun fordert ausgerechnet ein ehemaliger Zivildienstleistender militärische Machtdemonstrationen gegen den wichtigsten Verbündeten Deutschlands.

Diese Wandlung vom Friedensbewegten zum Kriegstreiber offenbart die ganze Verlogenheit einer politischen Klasse, die ihre Prinzipien je nach Windrichtung wechselt. Wenn es gegen Trump geht, sind plötzlich auch militärische Abenteuer salonfähig – selbst wenn sie jeder strategischen Vernunft Hohn sprechen.

Die Grönland-Frage: Komplexer als Trittin glaubt

Die aktuelle Debatte um Grönland ist zweifellos komplex. US-Präsident Trump und seine Berater haben wiederholt Interesse an der rohstoffreichen Insel bekundet. Doch die Grönländer selbst dürfen seit dem Selbstverwaltungsgesetz von 2009 über ihre Zukunft entscheiden. Kaufangebote der USA für Grönland gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert – sie sind also keineswegs ein Novum.

Die europäischen Staatschefs haben in einem gemeinsamen Statement klargestellt, dass Grönland seinem Volk gehöre und nur Dänemark und Grönland über ihre Angelegenheiten entscheiden könnten. Das ist der richtige diplomatische Weg – nicht das Säbelrasseln eines pensionierten Politikers, der offenbar die Aufmerksamkeit vermisst.

Ein Symptom des politischen Verfalls

Dass solche absurden Forderungen überhaupt mediale Aufmerksamkeit erhalten, sagt viel über den Zustand der deutschen politischen Debatte aus. Statt sich auf die drängenden Probleme im eigenen Land zu konzentrieren – die marode Infrastruktur, die explodierende Kriminalität, die wirtschaftliche Stagnation – verlieren sich ehemalige Spitzenpolitiker in geopolitischen Fantasien.

Die Bundeswehr hat wahrlich andere Sorgen, als amerikanische Streitkräfte in der Arktis zu „abschrecken". Sie kämpft mit Ausrüstungsmängeln, Nachwuchsproblemen und einer jahrzehntelangen Vernachlässigung durch genau jene politischen Kräfte, denen Trittin angehört. Die Grünen haben während ihrer Regierungsbeteiligung wenig dafür getan, die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken – und nun soll dieselbe kaputtgesparte Truppe gegen die USA antreten?

Man kann nur hoffen, dass diese Forderung dort bleibt, wo sie hingehört: im Reich der politischen Kuriositäten. Deutschland braucht keine militärischen Abenteuer in der Arktis, sondern eine Rückbesinnung auf Vernunft, Realismus und die eigentlichen Interessen seiner Bürger.

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