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Kettner Edelmetalle
30.03.2026
09:41 Uhr

Ukraine zielt auf das Herz der russischen Drohnenproduktion

Während der Krieg in der Ukraine längst in sein viertes Jahr geht und ein Ende weiterhin nicht absehbar ist, verschärft Kiew seine Strategie der gezielten Angriffe auf russische Schlüsselindustrien. In der Nacht wurde die südrussische Stadt Taganrog massiv von ukrainischen Kampfdrohnen attackiert – ein Angriff, der alles andere als zufällig gewählt sein dürfte.

Taganrog: Mehr als nur eine Provinzstadt

Taganrog, gelegen am östlichen Ufer des Asowschen Meeres, ist kein gewöhnliches Ziel. Die Stadt beherbergt ein Flugzeugwerk sowie zwei Fabriken, die Drohnen und Drohnenteile für Moskaus Kriegsmaschinerie herstellen. Damit trifft die Ukraine einen neuralgischen Punkt der russischen Rüstungsinfrastruktur – jener Infrastruktur, die tagtäglich den Tod in ukrainische Städte trägt.

Die Bürgermeisterin der Stadt, Swetlana Kambulowa, habe gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Tass von einem Toten und acht Verletzten berichtet. Zahlreiche Wohnhäuser sowie drei nicht näher bezeichnete Unternehmen seien beschädigt worden. Auch eine Schule sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Augenzeugen berichteten in Telegram-Kanälen von einem stundenlangen Einsatz der Flugabwehr über der Stadt.

Über 100 Drohnen in einer einzigen Nacht

Das Ausmaß des Angriffs ist bemerkenswert. Allein über Taganrog und sechs weiteren Landkreisen des Gebietes Rostow seien in der Nacht mehr als 60 Drohnen abgefangen worden, so Gouverneur Juri Sljussar. Unter den betroffenen Gebieten befinde sich auch der Landkreis Millerowo – von dessen Luftwaffenbasis aus die russische Armee regelmäßig eigene Kampfdrohnen gegen ukrainische Ziele starte. Das russische Verteidigungsministerium sprach insgesamt von 102 ukrainischen Drohnen, die in jener Nacht ausgeschaltet worden seien.

Man darf diese Zahlen freilich mit der gebotenen Skepsis betrachten. Russische Verlautbarungen über abgefangene Drohnen sind erfahrungsgemäß mit Vorsicht zu genießen – die Schäden an Wohnhäusern, Unternehmen und einer Schule sprechen jedenfalls eine andere Sprache.

Kiews neue Strategie: Die russische Ölwirtschaft als Achillesferse

Der Angriff auf Taganrog fügt sich in ein größeres Bild. Die Ukraine hat ihre Angriffe auf die russische Öl- und Gasindustrie sowie auf Rüstungsfabriken in den vergangenen Wochen massiv intensiviert. Getroffen wurden dabei auch die drei wichtigsten westlichen Exporthäfen Russlands: Noworossijsk am Schwarzen Meer sowie Primorsk und Ust-Luga an der Ostsee.

Die Auswirkungen sind erheblich. Das Terminal in Noworossijsk, das normalerweise bis zu 700.000 Barrel Öl pro Tag abfertigen könne, verlade seit einem schweren ukrainischen Drohnenangriff Anfang des Monats deutlich weniger als geplant. Noch dramatischer: Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters auf Basis von Marktdaten seien nach ukrainischen Drohnenangriffen, einer Attacke auf eine Ölpipeline und der Beschlagnahmung von Tankern mindestens 40 Prozent der russischen Ölexporte vorerst gestoppt.

Die Bedrohung rückt näher – auch an Europa

Während sich die Kampfhandlungen in der Ukraine weiter zuspitzen, warnte Bundeswehr-General Alexander Sollfrank jüngst in einem Interview vor der wachsenden Bedrohung durch Russland. Die aktuellen Planungen gingen davon aus, dass Russland bereits 2029 bereit sein könnte, Europa großmaßstäblich anzugreifen. Eine Warnung, die man in Berlin und Brüssel nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte – auch wenn die politische Klasse hierzulande bisweilen den Eindruck erweckt, als lebe sie in einer anderen Realität.

Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat mit dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen zwar einen Schritt in Richtung Aufrüstung getan, doch ob dieses Geld tatsächlich dort ankommt, wo es gebraucht wird – nämlich bei der Truppe und nicht in den Mühlen der Bürokratie –, bleibt abzuwarten. Eines steht fest: Die Zeiten, in denen sich Deutschland hinter dem Schild der NATO verstecken konnte, ohne selbst einen nennenswerten Beitrag zur eigenen Verteidigung zu leisten, neigen sich dem Ende zu. Die Drohnenangriffe auf Taganrog zeigen eindrücklich, wie sich moderne Kriegsführung verändert hat. Und sie zeigen, dass auch vermeintlich sichere Hinterland-Positionen im 21. Jahrhundert verwundbar sind.

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