
Venezuela versinkt im Chaos: Freigelassener Oppositioneller wird Stunden später von Bewaffneten verschleppt
Was sich derzeit in Venezuela abspielt, liest sich wie ein düsterer Politthriller – nur dass es bittere Realität ist. Der prominente Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa wurde nur wenige Stunden nach seiner überraschenden Freilassung aus dem Gefängnis von schwer bewaffneten Männern entführt. Ein Vorgang, der die ganze Verkommenheit des Maduro-Regimes offenbart und die internationale Gemeinschaft einmal mehr vor Augen führt, wie weit autoritäre Systeme zu gehen bereit sind.
Nächtlicher Überfall in Caracas
Die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado schilderte den Vorfall in erschütternden Details. Gegen Mitternacht seien mehrere Männer in ziviler Kleidung mit vier Fahrzeugen in der Wohnsiedlung Los Chorros vorgefahren und hätten den 61-jährigen Guanipa gewaltsam mitgenommen. Die Dreistigkeit dieser Aktion ist kaum zu überbieten: Ein Mann, der gerade erst nach über acht Monaten Haft entlassen wurde, wird noch in derselben Nacht erneut verschleppt.
Machado forderte auf der Plattform X die sofortige Freilassung ihres langjährigen Vertrauten und appellierte an die internationale Gemeinschaft, ein klares Zeichen gegen die politische Repression in Venezuela zu setzen. Doch wie viele solcher Appelle hat die Welt bereits gehört – und wie wenig hat sich geändert?
Das perfide Spiel mit Hoffnung und Terror
Die Freilassung Guanipas am Sonntag war Teil einer von der Regierung inszenierten Aktion zur Entlassung politischer Gefangener. Angeblich sollte dies ein Zeichen der Entspannung sein, möglicherweise auch eine Reaktion auf internationalen Druck, insbesondere aus den USA. Doch was folgte, entlarvt diese Geste als das, was sie wirklich war: ein zynisches Schauspiel.
Guanipa hatte sich unmittelbar nach seiner Entlassung gegenüber Medien geäußert und die Regierung aufgefordert, das Ergebnis der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2024 zu respektieren. Die Opposition sieht den Sieg beim Kandidaten Edmundo González Urrutia, der jedoch offiziell nie anerkannt wurde. Offenbar war diese öffentliche Stellungnahme bereits zu viel für das Regime.
Ein System, das keine Kritik duldet
Juan Pablo Guanipa ist kein Unbekannter in der venezolanischen Politik. Als ehemaliger Vizepräsident der Nationalversammlung und enger Vertrauter von María Corina Machado gehört er zum Kern der demokratischen Opposition. Machado selbst, die 2025 für ihre unermüdlichen Bemühungen um Demokratie in Venezuela mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, befindet sich seit langem im Visier der Regierung.
Die Festnahme und nun die Verschleppung von Oppositionellen wie Guanipa markieren eine neue Eskalationsstufe in der anhaltenden politischen Krise des Landes. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren seit Jahren die systematische Unterdrückung von Regierungskritikern, willkürliche Verhaftungen und unmenschliche Haftbedingungen. Trotz der medienwirksam angekündigten Freilassungen sitzen nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen weiterhin Hunderte politische Gefangene in venezolanischen Gefängnissen.
Internationale Gemeinschaft zeigt sich "tief besorgt"
Die venezolanische Regierung hat sich bislang nicht offiziell zu dem Entführungsfall geäußert – ein Schweigen, das Bände spricht. Internationale Beobachter und Diplomaten zeigten sich erwartungsgemäß "tief besorgt" über die erneute Gewalt gegen einen führenden Oppositionspolitiker. Doch Besorgnis allein hat noch nie ein autoritäres Regime gestürzt.
Der Fall Guanipa ist ein Lehrstück dafür, wie Diktaturen funktionieren: Sie spielen mit der Hoffnung ihrer Gegner, nur um sie im nächsten Moment brutal zu zerschlagen. Die internationale Gemeinschaft täte gut daran, endlich über wohlfeile Betroffenheitsbekundungen hinauszugehen und echten Druck auf das Regime in Caracas auszuüben. Denn solange Männer wie Guanipa in der Nacht von bewaffneten Schlägertrupps aus ihren Wohnungen gezerrt werden, bleibt jede Rede von Demokratie und Menschenrechten in Venezuela nichts als eine hohle Phrase.

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