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29.09.2026
18:06 Uhr
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Von der PDS-Liste an die Grünen-Spitze: Neue Chefin in Magdeburg

Von der PDS-Liste an die Grünen-Spitze: Neue Chefin in Magdeburg
Symbolbild: KI-generiert

Susan Sziborra-Seidlitz führt jetzt die Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt. Die Fraktion hat die 49-Jährige am Dienstag in ihrer konstituierenden Sitzung in Magdeburg einstimmig zur Vorsitzenden gewählt. Olaf Meister bleibt Parlamentarischer Geschäftsführer. Die beiden übernehmen eine kleine Fraktion in einem Parlament, das nach der Wahl vom 6. September kaum wiederzuerkennen ist.

Ein Landtag im Ausnahmezustand

Um zu verstehen, was die Personalie bedeutet, muss man sich die Zahlen ansehen. Laut amtlichem Endergebnis kam die AfD auf 43,8 Prozent. Kein Landesverband hat bei einer Landtagswahl je mehr geholt. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze stürzte auf 17,2 Prozent ab, ihr schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt überhaupt. Die FDP ist mit 2,6 Prozent raus, das BSW mit 5,3 Prozent erstmals drin.

Die Grünen erreichten 8,9 Prozent. Das ist ihr bestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt, die Fraktion wächst von sechs auf acht Abgeordnete. Wer aber genauer hinsieht, erkennt die Größenordnung: Die AfD hat 39 der 83 Sitze, die Grünen haben acht. Bei einer Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent, dem höchsten Wert seit Langem, haben die Bürger unmissverständlich gezeigt, wohin sie wollen. Das grüne Milieu war es mehrheitlich nicht.

„Schutzschild" statt Selbstkritik?

Die neue Fraktionschefin gibt sich trotzdem kämpferisch. Ihre Fraktion wolle in der neuen Wahlperiode Verantwortung übernehmen, Orientierung geben und sich für den Zusammenhalt im Land einsetzen, erklärte sie.

„Wir werden Schutzschild für die Rechte aller sein, werden zuhören und konkrete Vorschläge machen."

Ihr Ziel sei ein sozial gerechtes, wirtschaftlich starkes und ökologisch zukunftsfähiges Sachsen-Anhalt. Große Worte, die man kennt. Kritiker dürften fragen, wie „wirtschaftlich stark" mit einer Partei zusammenpasst, deren Energie- und Heizungspolitik auf Bundesebene viele Bürger und Mittelständler noch heute als Belastung empfinden. Aus Sicht vieler Wähler im Osten gehört genau diese Politik zu den Gründen für das politische Beben vom September.

Olaf Meister kündigte an, die Fraktion wolle konstruktiv arbeiten und demokratische Mehrheiten suchen. Wo Menschenwürde, Rechtsstaat und Freiheit angegriffen würden, werde man jedoch widersprechen. Der Kampf für die Demokratie solle ein Schwerpunkt der Arbeit sein. Beobachter sehen darin vor allem eine Kampfansage an die AfD. Ob sich die Wähler mit mehr Abgrenzungsrhetorik zurückholen lassen, ist eine andere Frage.

Krankenschwester, Stadträtin, Landeschefin

Ihre Biografie ist durchaus ungewöhnlich. Sziborra-Seidlitz kam 1977 in Ost-Berlin zur Welt. Schon mit 18 Jahren zog sie über eine offene Liste der damaligen PDS, der Nachfolgepartei der SED, in die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Köpenick ein. Nach einer Wahlperiode zog sie sich aus der Kommunalpolitik zurück.

Später ging sie nach Quedlinburg und arbeitete viele Jahre als Gesundheits- und Krankenpflegerin am Harzklinikum. Dort ist sie bis heute angestellt, ihr Arbeitsverhältnis ruht während des Mandats. Den Grünen trat sie 2010 bei. Seit 2014 sitzt sie im Quedlinburger Stadtrat. Landesvorsitzende war sie von 2016 bis 2021 und ist es seit 2025 wieder. 2021 zog sie erstmals in den Landtag ein, bei der jüngsten Wahl war sie Spitzenkandidatin.

Ruhe, Mut und Respekt

Für die kommenden Jahre gab sie ein Motto aus:

„Wir führen diese Fraktion mit Ruhe, Mut und Respekt. Unsere Aufgabe ist es, Veränderung so zu gestalten, dass sie den Menschen Sicherheit gibt."

Dezember wird zur Nagelprobe

Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt nicht. Wahlsieger Ulrich Siegmund (AfD) hat Medienberichten zufolge angekündigt, sich im Dezember im Landtag zur Wahl als Ministerpräsident zu stellen. Eine eigene Mehrheit hat die AfD nicht, sie braucht dafür 42 Stimmen. Das BSW lasse sich zwar umwerben, wolle Siegmund aber nicht wählen, heißt es.

Für die Grünen ist die Lage klar. Sie werden in Magdeburg keine Regierung bilden und auch keine verhindern können. Ihnen bleibt die Oppositionsbank. Mehr Sitze bedeuten eben nicht automatisch mehr Macht. Ob die neue Fraktionschefin daraus mehr macht als Warnrufe, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

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