
Wahlkampf-Chaos: CDU-Spitzenkandidat Hagel geht auf Distanz zu eigener Partei

Wenige Wochen vor der entscheidenden Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März brodelt es gewaltig in den Reihen der Union. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sieht sich offenbar gezwungen, öffentlich gegen die eigenen Parteiflügel zu schießen – ein bemerkenswerter Vorgang, der tiefe Risse im konservativen Lager offenbart.
Scharfe Kritik an Mittelstandsunion und Wirtschaftsrat
In einem Interview mit der "Rheinischen Post" fand Hagel ungewöhnlich deutliche Worte für Vorschläge aus den eigenen Reihen. Die Ideen zur Begrenzung von Teilzeitarbeit sowie zur Privatisierung von Zahnarztkosten bezeichnete er kurzerhand als "völligen Quatsch". Eine bemerkenswerte Wortwahl für einen Spitzenkandidaten, der eigentlich auf Geschlossenheit setzen müsste.
Der baden-württembergische CDU-Mann legte nach: Er halte überhaupt nichts davon, "durch solche unbedachten Äußerungen die Leute vor den Kopf zu stoßen". Derartige Vorstöße seien nicht nur kontraproduktiv, sondern würden auch die Bereitschaft der Bevölkerung untergraben, echte und notwendige Reformen mitzutragen.
Wirtschaftskompetenz ja – aber nicht um jeden Preis
Besonders pikant: Hagel distanzierte sich explizit von der Mittelstandsunion und dem Wirtschaftsrat der CDU. Deren Vorschläge seien "kein konstruktiver Beitrag", so der Spitzenkandidat. Gleichzeitig betonte er, die Christdemokraten seien zwar die Partei mit der größten Wirtschaftskompetenz, aber eben auch "die Partei für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer".
Diese Gratwanderung zwischen wirtschaftsliberalen Positionen und sozialer Verantwortung zeigt das Dilemma, in dem sich die Union derzeit befindet. Während manche Parteigliederungen offenbar meinen, mit marktradikalen Forderungen punkten zu können, fürchtet die Wahlkampfführung um die Gunst der breiten Wählerschaft.
Ein Symptom tieferer Probleme?
Die öffentliche Rüge durch den eigenen Spitzenkandidaten wirft Fragen auf. Wie kann es sein, dass wenige Wochen vor einer wichtigen Landtagswahl derart unabgestimmte Vorstöße aus Parteikreisen lanciert werden? Mangelt es an interner Kommunikation, oder handelt es sich um bewusste Provokationen bestimmter Interessengruppen innerhalb der Union?
Fest steht: Solche internen Querelen sind Gift für jeden Wahlkampf. Während die CDU eigentlich mit klaren Botschaften und geschlossener Front auftreten müsste, beschäftigt sie sich mit Schadensbegrenzung. Die Wähler in Baden-Württemberg dürften sich fragen, ob eine Partei, die nicht einmal ihre eigenen Reihen im Griff hat, tatsächlich in der Lage ist, ein Bundesland erfolgreich zu regieren.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Hagels deutliche Worte die gewünschte Wirkung entfalten – oder ob weitere unbedachte Äußerungen aus den Tiefen der Partei den Wahlkampf weiter belasten werden.

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