
Was ist eine Frau? WNBA kippt zwei Ex-NBA-Profis aus dem Draft

Zwei ehemalige NBA-Profis wollten sich für den Draft der US-Frauen-Basketballliga WNBA 2027 anmelden – als Frauen. Am Montag zogen die Verantwortlichen die Reißleine: Enes Kanter Freedom und Royce White seien nicht spielberechtigt, berichteten übereinstimmend mehrere US-Medien unter Berufung auf Ligakreise. Eine offizielle Begründung? Fehlanzeige.
Ein Provokationsstück mit Ansage
Beide Männer hatten in den vergangenen Wochen erklärt, sie identifizierten sich als Frauen und würden deshalb am Draft 2027 teilnehmen. Kanter Freedom argumentierte auf X, er erfülle sämtliche Voraussetzungen – jedenfalls dann, wenn die reine Selbstidentifikation als Frau ausreiche.
Ligaquellen bezeichneten die Ankündigungen laut Medienberichten als reine PR-Aktionen. Man werde Bemühungen, die Liga lächerlich zu machen oder andere herabzuwürdigen, keinen Sauerstoff geben, hieß es sinngemäß. Und weiter: Äußerer Druck und künstlich erzeugte Kontroversen würden die Abläufe der Liga nicht bestimmen.
Der Knackpunkt: Der Tarifvertrag schweigt
Das Pikante an der Sache: Der Tarifvertrag der WNBA beschränkt die Liga zwar auf Frauen – doch eine Definition, wer als Frau gilt, sucht man Berichten zufolge vergeblich. Kein Wort zu Geschlechtsidentität, kein Wort zum biologischen Geschlecht bei Geburt.
Eine eigens eingesetzte Arbeitsgruppe der Liga konnte sich zuletzt auf keine Zulassungskriterien einigen. Genau diese Lücke haben die beiden Ex-Profis mit chirurgischer Präzision aufgestoßen. Wer keine Regel formuliert, darf sich nicht wundern, wenn andere sie interpretieren.
Wie der Streit ins Rollen kam
Ausgelöst hatte die Debatte die Spielerin Sophie Cunningham von Indiana Fever. In einem ESPN-Porträt hatte sie erklärt, sie halte nichts davon, dass Mädchen und Frauen im Sport gegen biologische Männer antreten müssten. Die Reaktion: Häme, Empörung, Spott – unter anderem als „MAGA-Barbie“ wurde sie verunglimpft.
Kurz darauf präsentierte das kanadische Team Toronto Tempo ausgerechnet im Spiel gegen Cunninghams Mannschaft ein „nicht-binäres“ Maskottchen mit den Pronomen „she/they“. Eine Schildkröte als Symbol im Kulturkampf – man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.
Eskalation am Spielfeldrand
Am Sonntag eskalierte es dann in Chicago. Kanter Freedom saß mit einem T-Shirt in der Halle, auf dem laut Berichten stand: „WOMAN noun. adult human female“ – Frau, Substantiv, erwachsener weiblicher Mensch. Nach einem verbalen Schlagabtausch mit Sky-Spielerin Natasha Cloud wurde er aus der Arena begleitet.
„I just got kicked out of a WNBA game for supporting WOMEN!“
So schilderte es Kanter Freedom anschließend auf X. Cloud wiederum stellte sich in sozialen Netzwerken demonstrativ hinter trans Personen und versicherte ihnen ihren Schutz.
Was das mit Deutschland zu tun hat
Man mag die Aktion der beiden Männer für einen billigen Stunt halten. Sie legt aber einen Widerspruch offen, der auch hierzulande gilt: Wer Geschlecht ausschließlich zur Frage des Selbstempfindens erklärt, kann anschließend kaum begründen, warum ein Schutzraum für Frauen im Sport überhaupt noch existieren sollte.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem eines: Eine Organisation, die sich vor einer klaren Definition drückt, verliert am Ende die Kontrolle über ihre eigenen Regeln. Die WNBA hat entschieden – erklärt hat sie bislang nichts. Und genau das dürfte die Debatte eher befeuern als beenden.












