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Wasserstoff-Flop in Heidelberg: Millionen-Müllwagen bekommt jetzt Diesel!

Wasserstoff-Flop in Heidelberg: Millionen-Müllwagen bekommt jetzt Diesel!
Symbolbild: KI-generiert

Heidelberg zieht die Reißleine: Ein fast 1,2 Millionen Euro teurer Wasserstoff-Müllwagen, den der Bund mit rund 744.000 Euro Steuergeld gefördert hat, wird auf Diesel umgebaut. Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt gab dafür am 30. September 2026 weitere 240.000 Euro frei. Der Grund: Das Fahrzeug stand zuletzt an mehr als 80 Prozent der Betriebstage still.

Ein Vorzeigeprojekt, das kaum fuhr

2022 angeschafft, im November 2022 zugelassen, sollte der Wagen beweisen, dass Müllabfuhr auch klimafreundlich geht. Bewiesen hat er vor allem eins: Werkstätten haben auch in der Energiewende viel zu tun.

Die Zahlen der Stadtverwaltung lesen sich wie ein Mängelbericht. 2025 rückte der Müllwagen an gerade einmal 41 von 220 erfassten Betriebstagen aus. 114 Tage verbrachte er in der Werkstatt, an weiteren 65 Tagen fiel er aus anderen Gründen aus.

2026 wurde es noch schlimmer. Bis zum 7. August standen 23 Einsatztagen insgesamt 148 Betriebstage gegenüber, was einer Ausfallquote von rund 84 Prozent entspricht. Rechnet man den Zeitraum von 2023 bis August 2026 zusammen, stand das Hightech-Fahrzeug etwa 64 Prozent der Zeit still. Die eigentliche Arbeit übernahm oft ein alter Reservewagen. Mit Diesel, versteht sich.

Die Rechnung: 1,44 Millionen Euro für einen Müllwagen

Was das Experiment kostet, zeigt ein Blick in die Bücher:

  • Kaufpreis: 1.199.981 Euro
  • Bundesförderung: 744.241,50 Euro
  • Eigenanteil der Stadt: rund 456.000 Euro
  • Diesel-Umbau: voraussichtlich 240.000 Euro brutto

Am Ende stehen knapp 1,44 Millionen Euro für Anschaffung und Umbau. Reparaturen, Betriebskosten und der Dauereinsatz des Ersatzwagens sind dabei noch gar nicht mitgerechnet. Zum Vergleich: Ein neuer konventioneller Müllwagen kostet laut Stadt rund 426.200 Euro.

Die Verwaltung verweist darauf, dass sie den alten Sammelaufbau weiterverwendet und so gegenüber einem Neukauf rund 186.000 Euro spart. Das stimmt zwar, klingt aber ungefähr so, als würde man nach einem Totalschaden die Fußmatten behalten. Das Wasserstoff-Fahrgestell soll künftig als Ersatzteillager dienen. Bis der Umbau fertig ist, dürfte etwa ein Jahr vergehen.

Der Bund wusste angeblich von nichts

Besonders pikant ist eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage. Darin heißt es, die ungewöhnlich hohen Ausfallzeiten des Heidelberger Fahrzeugs seien ihr nicht bekannt gewesen. Dabei hatte der Bund mehr als 744.000 Euro beigesteuert. Die Zweckbindungsfrist, also die Zeit, in der das Fahrzeug wie gefördert genutzt werden muss, betrug nur zwei Jahre. Ob jemand eine Rückforderung geprüft hat, geht aus den verfügbaren Angaben nicht hervor.

Dabei geht es nicht um Kleingeld. Nach Angaben der Bundesregierung förderte der Bund seit 2020 Wasserstoff-Müll- und Reinigungsfahrzeuge mit rund 95,85 Millionen Euro. Für batterieelektrische Fahrzeuge kamen weitere 43,59 Millionen Euro hinzu, zusammen also fast 140 Millionen Euro.

Heidelberg ist kein Einzelfall

Die bundesweite Begleitforschung dokumentiert Probleme auch anderswo. Von 217 erfassten Fahrzeugen wiesen 57 eine Ausfallquote von mindestens 20 Prozent auf, zwölf davon sogar mehr als 50 Prozent. Weil die Statistik Batterie- und Wasserstofffahrzeuge zusammenfasst, lässt sich daraus allerdings nicht ablesen, welcher Antrieb anfälliger ist. Medienberichten zufolge kämpften zuvor auch Lübeck, Bielefeld und Duisburg mit ihren Wasserstoff-Müllwagen, vor allem weil kein Wasserstoff verfügbar oder die nächste Tankstelle zu weit entfernt war.

Unser Fazit: Ideologie ist teuer, die Rechnung zahlt der Bürger

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall Heidelberg ein Muster, das man in Deutschland zu oft sieht. Der Staat verteilt Fördermillionen für Technik, die sich im Alltag noch gar nicht bewährt hat. Kontrolliert wird kaum. Und wenn das Projekt scheitert, zahlt der Steuerzahler gleich doppelt: erst für die Vision, dann für die Rückkehr zum Bewährten.

Wer erlebt, wie leichtfertig mit öffentlichem Geld umgegangen wird, verlässt sich beim eigenen Vermögen lieber auf Dinge, die seit Jahrhunderten funktionieren, ganz ohne Förderbescheid.

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