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05.08.2026
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Wenn der Beitragsfunk die Akten nicht liest: Wie der Deutschlandfunk den Fall Fauci wegmoderiert

Wenn der Beitragsfunk die Akten nicht liest: Wie der Deutschlandfunk den Fall Fauci wegmoderiert
Symbolbild: KI-generiert

Es gibt Momente, in denen ein Sender mehr über sich selbst verrät, als ihm lieb sein dürfte. Der Deutschlandfunk hat sich am Montag in seinem Medienmagazin mit den jüngsten Enthüllungen um Anthony Fauci beschäftigt – und dabei ein Kunststück vollbracht, das man erst einmal nachmachen muss: fünf Minuten über einen Dokumentenskandal reden, ohne die Dokumente auch nur zu erwähnen.

Ein Zeuge, der schweigt – und ein Tagebuch, das spricht

Der Sachverhalt ist nüchtern betrachtet spektakulär. Anthony Fauci, jahrelang Direktor des US-Instituts für Infektionskrankheiten NIAID und damit so etwas wie das amerikanische Pendant zu Christian Drosten, musste Ende Juli vor dem Heimatschutzausschuss des US-Senats erscheinen. Vorsitzender: Rand Paul, der zuvor über tausend Seiten aus Faucis Corona-Tagebuch öffentlich gemacht hatte. Faucis Antwort auf die Fragen der Senatoren? Der fünfte Zusatzartikel zur US-Verfassung. Aussageverweigerung.

Man stelle sich vor, ein konservativer Politiker in Deutschland würde sich in einem Untersuchungsausschuss auf sein Schweigerecht berufen. Die Empörungsmaschine der Öffentlich-Rechtlichen liefe eine Woche im Dauerbetrieb. Bei Fauci hingegen: Verständnis, Einordnung, Entwarnung.

Die Framing-Mottenkiste von 2020

Die zuständige Medienredakteurin des Senders wusste offenbar schon vor der Sendung, was herauskommen sollte. Es handele sich um ein Zusammenspiel zwischen MAGA-Politik und rechten Medien in den USA, hieß es sinngemäß. Der Vorwurf, Fauci habe während der Pandemie gelogen und falsche Ratschläge erteilt, sei ein „Narrativ", das nun durch sämtliche rechten Talkshows Amerikas gereicht werde. Und ob man von einer Medienkampagne sprechen könne? Selbstverständlich, diese Kampagne existiere ja bereits seit Trumps erster Amtszeit.

„Solche Medienkampagnen gegen evidenzbasierte Wissenschaft, die sind uns ja durchaus bekannt."

Bekannt sind sie tatsächlich – nur eben als Totschlagargument. Der Begriff „evidenzbasiert" wird hier nicht als wissenschaftliches Kriterium verwendet, sondern als Schutzschild. Wer die Evidenz vorlegt, gilt als Kampagnenführer. Wer sie ignoriert, als seriös. Eine bemerkenswerte Umkehrung.

Was in der Sendung nicht vorkam

Denn die Fakten liegen auf dem Tisch. Im Juli 2022 erklärte Fauci in einem Interview, er habe niemals empfohlen, irgendetwas zu schließen. Sein eigener Tagebucheintrag vom 15. März 2020 liest sich anders: Er habe mit dem New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio gesprochen und ihn davon überzeugt, die Schulen zu schließen. Auch Bars und Restaurants habe er ihm zur Schließung empfohlen – de Blasio habe zugesagt, dies auf seine Empfehlung hin zu tun.

Intern der Antreiber, öffentlich der Unbeteiligte. Das ist keine Interpretationsfrage. Das ist ein dokumentierter Widerspruch.

Der brisantere Eintrag

Noch schwerer wiegt eine Notiz vom 13. August 2022. Darin schildert Fauci ein zähes Ringen mit der US-Seuchenbehörde CDC. Man habe die Behörde nach langem Hin und Her davon abbringen können, öffentlich zu erklären, die Impfstoffe seien zur Verhinderung von Infektionen und Übertragungen „überhaupt nicht" wirksam. Faucis Begründung: Eine solche Aussage sei angesichts eines „bescheidenen, aber abnehmenden Schutzes" nicht ganz zutreffend.

Doch sein Hauptproblem war offenbar ein anderes. Die Erklärung hätte der bevorstehenden Empfehlung des BA.5-Boosters widersprochen – und, so notierte er es selbst, die Bemühungen des Justizministeriums um Impfpflichten untergraben.

Man lese das bitte zweimal. Eine Behörde wollte die Öffentlichkeit über die Grenzen der Impfstoffwirkung informieren. Und wurde davon abgehalten, unter anderem weil die Wahrheit dem juristischen Durchsetzen von Impfpflichten im Weg gestanden hätte. Wer sich in Deutschland an die Debatte um die allgemeine Impfpflicht erinnert, an die moralischen Brandreden, an die Ausgrenzung Ungeimpfter vom öffentlichen Leben, dem dürfte bei diesen Zeilen der Atem stocken.

Die Laborthese und das Zauberwort

Auch die Frage nach dem Ursprung des Virus wurde im Deutschlandfunk mit einem einzigen Wort erledigt: Verschwörungstheorie. Dabei sprechen die Eigenschaften des Virus, allen voran die viel diskutierte Furin-Spaltstelle, die internen Einschätzungen der von Fauci selbst einberufenen Virologenrunde sowie bekannt gewordene Forschungspapiere durchaus für einen Laborursprung. Mehrere US-Geheimdienste halten diese Variante inzwischen für die wahrscheinlichere. Eine These, die mangels Daten nicht widerlegt werden kann, lässt sich nicht durch ein Etikett aus der Welt schaffen.

Ein Sender, der sich selbst beschreibt

Die Moderation schloss den Beitrag mit dem Satz, es gehe um die Macht der Bilder und die Macht des Narrativs – und weniger um die Macht der Evidenz. Treffender hätte man den eigenen Beitrag kaum zusammenfassen können. Nur war es vermutlich nicht so gemeint.

Für den deutschen Beitragszahler bleibt eine unangenehme Erkenntnis: Er finanziert mit rund neun Milliarden Euro jährlich einen Apparat, der sich bei einem der größten Dokumentenskandale der jüngeren Zeit nicht die Mühe macht, die Dokumente zu öffnen. Stattdessen wird das Publikum darüber belehrt, wer die Fragen stellt – nicht, was in den Antworten steht.

Die Aufarbeitung der Corona-Jahre steht in Deutschland bis heute aus. Weder die frühere Ampel noch die aktuelle Große Koalition unter Friedrich Merz zeigen sonderlichen Ehrgeiz, an dieses Kapitel heranzugehen. Zu viele Karrieren hängen daran, zu viele Verantwortliche sitzen noch in Amt und Würden. Und der Rundfunk, der eigentlich unbequem sein müsste, macht es sich in seinem selbstgebauten Bunker aus dem Jahr 2020 gemütlich.

Vertrauen ist eine Währung. Wer sie entwertet, sollte sich über Inflation nicht wundern.


Hinweis: Der vorliegende Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine medizinische noch eine rechtliche Beratung dar. Jeder Leser ist angehalten, sich eigenständig zu informieren und bei Bedarf fachkundigen Rat einzuholen.

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