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Kettner Edelmetalle
21.07.2026
12:21 Uhr

Wenn Vandalismus zur Tugend erklärt wird: Der Kranz-Eklat am Bendlerblock und die Doppelmoral der „Erinnerungskultur“

Wenn Vandalismus zur Tugend erklärt wird: Der Kranz-Eklat am Bendlerblock und die Doppelmoral der „Erinnerungskultur“

Es ist ein Bild, das man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Am Ort, an dem vor über achtzig Jahren mutige Männer ihr Leben für ein freies Deutschland riskierten, kommt es zum Handgemenge um einen Blumenkranz. Und ausgerechnet der Mann, der dabei fremdes Eigentum beschädigte, soll nun mit einem Preis für Zivilcourage geehrt werden. Willkommen im moralischen Deutschland des Jahres 2026, in dem Zerstörung als Tugend gefeiert wird – vorausgesetzt, sie richtet sich gegen die politisch Unerwünschten.

Der Vorfall am 20. Juli

Bei der jährlichen Gedenkfeier zum gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 kam es im Berliner Bendlerblock zu einem Eklat. Tobias Korenke, ein weit entfernter Verwandter des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, geriet in ein Handgemenge um einen von der AfD-Bundestagsfraktion niedergelegten Kranz. Dabei wurde dieser beschädigt. Man beachte die Ironie: Ein Ort, der dem würdevollen Erinnern dienen soll, verkommt zur Bühne einer politischen Inszenierung.

Ein Gedenkstättenleiter mit fragwürdigem Maßstab

Statt derartiges Verhalten zu verurteilen, sprang der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Jens-Christian Wagner, dem Vandalen bei. Er äußerte „vollstes Verständnis“ und forderte allen Ernstes einen „Preis für Zivilcourage gegen Geschichtsrevisionismus und extrem Rechte“ für den Bonhoeffer-Großneffen. Man muss diesen Satz zweimal lesen, um die ganze Absurdität zu erfassen.

Wer die Beschädigung eines Kranzes zur heldenhaften Tat verklärt, sollte sich fragen, welchen Begriff von Demokratie er eigentlich vertritt.

Wagner warf der AfD vor, den Widerstand gegen den Nationalsozialismus für eigene Zwecke zu missbrauchen. Ein bemerkenswerter Vorwurf – ausgerechnet aus dem Munde eines Funktionärs, dessen gesamte Existenz auf der Bewirtschaftung eben jener Erinnerungskultur fußt.

Die Stiftung wehrt sich – gegen alle Seiten

Die Stiftung 20. Juli 1944 stellte klar, dass die Feier ausschließlich dem würdigen Erinnern diene und kein Ort für parteipolitische Auseinandersetzungen sei. Zugleich erklärte sie, die jährlichen Kranzniederlegungen der AfD verletzten viele Angehörige der Widerständler zutiefst. Der Stiftungsvorsitzende Robert von Steinau-Steinrück bestätigte immerhin einen entscheidenden Punkt: AfD-Politiker seien an dem Handgemenge überhaupt nicht beteiligt gewesen.

Der Enkel spricht – und offenbart das Dilemma

Auch Karl Schenk Graf Stauffenberg, Enkel des Hitler-Attentäters, meldete sich zu Wort. Man dürfe der AfD eine Kranzniederlegung nicht verwehren, sagte er, denn „dafür sind wir Demokraten“. Ein bemerkenswerter Satz, der die eigentliche Frage entlarvt: Wer entscheidet in diesem Land eigentlich darüber, wer gedenken darf und wer nicht? Zugleich kritisierte er den Umgang der Partei mit dem Erbe seines Großvaters scharf. Man mag zu dieser Einschätzung stehen, wie man will – doch immerhin hielt der Graf an dem demokratischen Grundprinzip fest, das seine Gegner mit Füßen treten.

Zweierlei Maß in der Bundesrepublik

Was hier zutage tritt, ist symptomatisch für den Zustand unseres Landes. Wenn eine Partei, die von Millionen Bürgern gewählt wurde, ihrer Toten gedenken möchte, wird das als „Affront“ gebrandmarkt. Wird aber ihr Kranz beschädigt, soll der Täter eine Auszeichnung erhalten. Diese Doppelmoral ist es, die das Vertrauen in Institutionen zerstört und die Gesellschaft weiter spaltet.

Am 20. Juli 1944 versuchte eine Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Adolf Hitler zu töten. Der Diktator überlebte, der Staatsstreich scheiterte, die Verschwörer bezahlten mit ihrem Leben. Ihr Vermächtnis war der Mut, gegen ein Unrechtsregime aufzustehen – nicht das Zerstören eines Kranzes vor laufenden Kameras. Wer diesen Unterschied nicht erkennt, hat aus der Geschichte nichts gelernt.

Ein Gedenken, das seiner Würde beraubt wird

Die eigentlichen Verlierer dieses unwürdigen Schauspiels sind die Opfer selbst. Ihr Andenken wird zur Arena politischer Grabenkämpfe. Die Männer des 20. Juli hätten sich zweifellos ein anderes Erbe gewünscht als dieses Gezerre um Blumen und Schleifen. Es wäre an der Zeit, dass in Deutschland wieder die Würde vor der Ideologie steht – und dass jene, die staatlich alimentierte Ämter bekleiden, sich der Neutralität verpflichtet fühlen, statt zu politischen Aktivisten zu mutieren.

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