
Windpark-Flaute in der Nordsee: LĂ€sst BP Deutschland im Stich?
Vier Gigawatt eingeplanter Strom könnten der Energiewende verloren gehen. Recherchen von NDR, WDR und SĂŒddeutscher Zeitung zufolge hat BP die Arbeiten an den Offshore-Windparks Oceanbeat East und Oceanbeat West, rund 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland, weitgehend auf Eis gelegt. Die NetzanschlĂŒsse auf See werden trotzdem weitergebaut. Am Ende könnten dafĂŒr die Stromkunden zahlen.
GroĂe PlĂ€ne, leere BestellbĂŒcher
Medienberichten zufolge wurde das operative Projektteam gröĂtenteils aufgelöst. Bestellungen fĂŒr Turbinen, Fundamente und Errichterschiffe gebe es nicht. Wer so etwas bauen will, muss diese AuftrĂ€ge Jahre im Voraus vergeben. Fehlen sie, spricht das nicht fĂŒr einen baldigen Baustart.
ZustĂ€ndig ist inzwischen JERA Nex bp, ein Gemeinschaftsunternehmen von BP und dem japanischen Energiekonzern JERA. Es bestreitet, dass gegen den Bau endgĂŒltig entschieden sei. Auf der eigenen Internetseite werde Oceanbeat weiter als Projekt âin Entwicklungâ mit rund 4.000 Megawatt gefĂŒhrt. Man prĂŒfe verschiedene Optionen, heiĂt es. Beobachter dĂŒrften darin kaum mehr als diplomatisches Schweigen sehen.
6,78 Milliarden Euro, aber kaum etwas bezahlt
Den Zuschlag fĂŒr die FlĂ€chen N-11.1 und N-12.2 holte sich BP bei der Auktion 2023 mit einem Gebot von insgesamt 6,78 Milliarden Euro. Damals wurde in Berlin von einem Rekord gesprochen. Allerdings hat der Konzern nur einen kleinen Teil davon ĂŒberwiesen. Rund 90 Prozent sind erst fĂ€llig, wenn die Anlagen in Betrieb gehen.
An dieser Stelle hakt das System. Wer hoch bietet und dann nicht baut, verliert vergleichsweise wenig. Der Staat hat dagegen Planung und Infrastruktur lĂ€ngst auf die versprochene Leistung zugeschnitten. Hinzu kommt der Strategiewechsel bei BP: Der Konzern setzt wieder stĂ€rker auf Ăl und Gas und fĂ€hrt grĂŒne Projekte zurĂŒck.
Tennet baut weiter, der Verbraucher zahlt
Bei der Netzanbindung ist man schon viel weiter. Netzbetreiber Tennet baut die AnschlĂŒsse weiter und kann die Arbeiten nach eigenen Angaben kaum noch stoppen. Laut NDR kostet diese Infrastruktur geschĂ€tzt 20 bis 30 Milliarden Euro. Im schlimmsten Fall entstehen also Seekabel, an die kein Windrad angeschlossen wird.
Auch die ausstehende Auktionszahlung von rund sechs Milliarden Euro ist ein Problem. Ein Teil dieses Geldes war fĂŒr den Netzausbau eingeplant. Branchenvertreter halten es fĂŒr möglich, dass ein Ausfall die Netzentgelte beeinflusst. Brancheninsider rechnen laut NDR auĂerdem mit höheren GroĂhandelskosten, falls die vier Gigawatt dauerhaft fehlen. In einem Land mit ohnehin sehr hohen Strompreisen treffen solche Mehrkosten vor allem Familien, Mittelstand und Industrie.
Berlin Àndert die Regeln, aber spÀt
Anfang September hat die Bundesregierung eine Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes beschlossen. Vergebene Projekte sollen kĂŒnftig auch tatsĂ€chlich gebaut werden. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche begrĂŒndete die Reform mit risikobehafteten Geboten im bisherigen System. Ein neues Ausschreibungsmodell soll die wirtschaftlichen Risiken besser verteilen.
Tennet fordert frĂŒhere und verbindlichere Nachweise, dass geplante Windparks wirklich entstehen. Der Bundesverband Windenergie Offshore hatte schon im Mai einen geregelten RĂŒckgabemechanismus verlangt, damit blockierte FlĂ€chen schneller neu ausgeschrieben werden können. Er warnte vor jahrelangen Verzögerungen. Nach geltendem Recht kann der Bund JERA Nex bp die Projektrechte aber frĂŒhestens 2027 entziehen. Bis dahin bleiben die FlĂ€chen blockiert.
Ein Loch im Masterplan
Wie groĂ die LĂŒcke ist, zeigen die Zahlen. Vor den deutschen KĂŒsten stehen derzeit Anlagen mit etwas mehr als zehn Gigawatt Leistung. Oceanbeat allein hĂ€tte fast 40 Prozent dazu beigetragen. Bis 2045 sollen es mindestens 70 Gigawatt sein.
Wenn schon ein einzelner Konzern mit seinem RĂŒckzug die AusbauplĂ€ne so ins Wanken bringen kann, muss sich die Politik fragen lassen, wie belastbar diese PlĂ€ne sind. Ziele stehen schnell im Gesetz. Gebaut ist damit noch nichts. Scheitert Oceanbeat endgĂŒltig, mĂŒssen die deutschen Stromkunden mit den Folgen leben.
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