
„Wirtschaftlicher D-Day“: Trump macht Irans Handelspartner zur Zielscheibe

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwochabend auf seiner Plattform Truth Social einen beispiellosen Wirtschaftskrieg gegen den Iran angekündigt – und dabei ausdrücklich auch Drittstaaten gedroht. Wer Teheran weiter eine „Rettungsleine“ reiche, müsse mit „gewaltigen wirtschaftlichen Konsequenzen“ rechnen. Konkrete Länder nannte er nicht.
Es ist eine Drohung, die weit über den Nahen Osten hinausreicht: Betroffen wären Banken, Unternehmen, Flughäfen und Behörden rund um den Globus.
Ölschmuggel, Briefkastenfirmen, Schiffsregister
Trump listete in seinem Beitrag präzise auf, was er ins Visier nehmen will: Ölschmuggel, Swap-Linien, Bargeldtransfers, Wechselstuben, Schiffsregister und Briefkastenfirmen. Die Verbündeten rief er zum Mitmachen auf.
„Dies wird ein wirtschaftlicher ‚D-Day‘ sein, und wir brauchen alle unsere Alliierten an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika, um die Bedrohung durch den Iran zu isolieren und zu besiegen.“
Die martialische Wortwahl kommt nicht von ungefähr. Der von den USA und Israel im Februar begonnene Krieg gegen den Iran dauert inzwischen fast sechs Monate – ohne militärischen oder diplomatischen Durchbruch. Vor den Kongresswahlen im November steht Trump innenpolitisch unter Druck, weil steigende Benzin-, Lebensmittel- und Düngerpreise sein Versprechen bezahlbarer Lebenshaltungskosten aushöhlen. Aus einer von Medien zitierten dpa-Analyse spricht vor allem wachsende Frustration.
Hormus verstopft – und die Preise steigen
Die Rohstoffmärkte reagieren nervös. Brent notierte laut Reuters am Donnerstagmorgen bei 91,87 Dollar je Barrel, Brent und WTI hatten tags zuvor den höchsten Schlussstand seit dem 24. Juli erreicht.
Der Grund liegt in der Straße von Hormus. Vor dem Krieg lief rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls durch diese Meerenge – am Mittwoch passierten nach Daten des Analysehauses Kpler ganze neun Rohstoff-Frachter. Trump erklärt die Passage für offen, Teheran für geschlossen. Reeder glauben offenbar keinem von beiden und meiden die Route.
Für Deutschland ist das kein fernes Drama. Höhere Energie- und Düngerpreise schlagen direkt auf Produktionskosten, Lebensmittelpreise und Heizrechnungen durch – in einem Land, dessen Industrie ohnehin unter Energiekosten, Bürokratie und Klimaauflagen ächzt.
China entscheidet, ob der Plan aufgeht
Der Schlüssel liegt in Peking. Nach Kpler-Daten für 2025 gingen mehr als 80 Prozent des per Schiff exportierten iranischen Öls nach China. Schärfere US-Sanktionen gegen die Volksrepublik bergen laut Reuters das Risiko von Gegenmaßnahmen – etwa bei seltenen Erden, ohne die westliche Industrie kaum auskommt.
Erster Nachahmer sind die Vereinigten Arabischen Emirate: Sie setzten am Dienstag sämtliche Handels-, Wirtschafts- und Finanzbeziehungen zum Iran aus, nachdem ihr Verteidigungsministerium von zwei aus dem Iran abgefeuerten Raketen gegen die Schifffahrt berichtet hatte. Teheran wies das als haltlos zurück. Der Nahost-Ökonom Nader Habibi sagte Al Jazeera, er gehe davon aus, dass Washington die Emirate dazu stark ermutigt oder veranlasst habe. Ein Analyst der Eurasia Group äußerte auf X Zweifel, ob andere Staaten folgen.
Widersprüche in Washington und Teheran
Trump erklärte am Dienstag, es gebe derzeit keine Gespräche. Sein Sondergesandter Jared Kushner hatte einen Tag zuvor laut Reuters gesagt, die Verhandlungen liefen so intensiv wie nie. Aus dem Atomabkommen war Trump 2018 einseitig ausgestiegen; nun strebt Washington ein strengeres Abkommen an. Ein Berater des obersten Führers sagte der Agentur Fars, der Iran sei zum Dialog bereit, verwechsle Verhandlungen aber nicht mit Kapitulation.
Geopolitische Eskalation, Energiepreisschocks, Sanktionsspiralen: In solchen Phasen erinnern sich Anleger traditionell an physische Edelmetalle als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst gründlich informieren.
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