
Wissing wechselt die Seiten: Ex-Minister wird Berater bei umstrittener Unternehmensgruppe
Kaum ein halbes Jahr nach seinem spektakulären Austritt aus der FDP hat der ehemalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing offenbar bereits einen lukrativen neuen Posten gefunden. Wie der "Spiegel" berichtet, soll Wissing den Vorsitz eines neu zu gründenden Beirats bei der Unternehmensgruppe Christ Capital übernehmen. Ein Schelm, wer dabei an die üblichen Drehtür-Karrieren zwischen Politik und Wirtschaft denkt.
Alte Seilschaften zahlen sich aus
Die Verbindung zwischen Wissing und dem Unternehmer Harald Christ ist keineswegs zufällig. Beide stammen aus Rheinland-Pfalz, beide waren jahrelang in der FDP aktiv - und beide verließen die Partei nach dem Ampel-Aus im vergangenen Jahr im Streit. Während sich die meisten Deutschen fragen, wie sie ihre Heizkosten bezahlen sollen, scheint sich für ehemalige Minister das Netzwerken auszuzahlen.
Besonders pikant: Zu Christ Capital gehört ausgerechnet die Beratungsgesellschaft Joschka Fischer & Company. Der ehemalige grüne Außenminister hatte sich nach seiner politischen Karriere ebenfalls nahtlos in die Wirtschaft verabschiedet. Man könnte fast meinen, es gäbe ein bewährtes Muster für ausgediente Politiker.
Was genau soll Wissing eigentlich beraten?
Laut offizieller Verlautbarung soll Wissing die Unternehmensgruppe "in Fragen der langfristigen Unternehmensausrichtung und Investitionsentscheidungen" beraten. Eine bemerkenswert schwammige Formulierung, die viel Interpretationsspielraum lässt. Welche besonderen Qualifikationen bringt ein ehemaliger Verkehrsminister mit, dessen größte Leistung die Einführung des Deutschland-Tickets war? Die Bahn fährt jedenfalls immer noch unpünktlich, und die Straßen verfallen weiter.
"In Fragen der langfristigen Unternehmensausrichtung und Investitionsentscheidungen" - so vage kann man Beratungstätigkeiten auch umschreiben.
Die Bundesregierung muss noch zustimmen
Immerhin hat Wissing das Kanzleramt pflichtgemäß über seine neue Tätigkeit informiert. Die Bundesregierung müsse dem Job noch zustimmen, heißt es. Doch wer glaubt ernsthaft, dass die Große Koalition einem ehemaligen Minister einen lukrativen Posten verwehren würde? Die politische Klasse hält schließlich zusammen, wenn es um die eigenen Pfründe geht.
Während normale Arbeitnehmer nach einem Jobwechsel oft Karenzzeiten einhalten müssen, scheinen für Spitzenpolitiker andere Regeln zu gelten. Die vielgepriesene "Cooling-off-Periode" existiert offenbar nur auf dem Papier.
Ein Symptom des Systems
Der Fall Wissing ist symptomatisch für ein System, in dem politische Ämter als Sprungbrett für lukrative Wirtschaftsposten dienen. Ob Gerhard Schröder bei Gazprom, Sigmar Gabriel bei der Deutschen Bank oder nun Wissing bei Christ Capital - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die Bürger zahlen mit ihren Steuern die Gehälter der Politiker, die sich anschließend in der Privatwirtschaft die Taschen füllen.
Besonders bitter: Während die Ampel-Koalition mit ihren ideologischen Experimenten das Land an die Wand gefahren hat, sichern sich die Verantwortlichen rechtzeitig ihre persönliche Zukunft. Die Zeche zahlt wie immer der Steuerzahler, der sich mit steigenden Energiepreisen, maroder Infrastruktur und einer ausufernden Bürokratie herumschlagen muss.
Es bleibt zu hoffen, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz endlich strengere Regeln für den Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft durchsetzt. Doch angesichts der Tatsache, dass auch die CDU/CSU ihre eigenen Netzwerke pflegt, dürfte sich wenig ändern. Das System schützt sich selbst - auf Kosten der Bürger, die längst das Vertrauen in ihre politische Klasse verloren haben.