
Xi säubert weiter: Jetzt fällt der Mann, der alles über ihn wusste

Peking greift durch – und diesmal trifft es den engsten Kreis. Der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses hat am vergangenen Freitag Zhong Shaojun das Parlamentsmandat entzogen, gemeinsam mit elf weiteren Abgeordneten. Zhong war über Jahre der persönliche Büroleiter von Xi Jinping – ein Mann, der Zugang, Informationsfluss und Personalakten des chinesischen Militärs kontrollierte.
Vom Schatten des Machthabers ins Abseits
Die Karriere Zhongs war praktisch eine Fußnote zur Karriere Xis. Der Kontakt entstand 2002, als Xi Parteisekretär der Provinz Zhejiang wurde. Zhong folgte ihm nach Shanghai, 2007 nach Peking – und leitete dort dessen persönliches Büro.
Als Xi im November 2012 die Zentrale Militärkommission (CMC) übernahm, rückte Zhong an die Spitze des CMC-Generalbüros. Für Außenstehende klingt das nach Verwaltung. Tatsächlich ist es die zentrale Schaltstelle der chinesischen Streitkräfte: Wer dort sitzt, steuert Akten, Karrieren und den Zugang zum Vorsitzenden.
Bis April 2024 hielt Zhong diesen Posten, wurde danach Politischer Kommissar an der Verteidigungsuniversität der Volksbefreiungsarmee – und im Oktober des vergangenen Jahres bereits wieder abgelöst. Kein Ruhestand, keine neue Funktion. In der Logik des Apparats bedeutet das: gestürzt.
Der Unterschied zu den Generälen
Anders als bei den zuletzt kassierten Militärs ist gegen Zhong bislang weder eine Festnahme noch ein Parteiausschluss öffentlich bekannt. Gegen He Weidong und Miao Hua ging es schon im Oktober beim vierten Plenum des Zentralkomitees zu Ende. Gegen Zhang Youxia und Liu Zhenli wurden im Januar Ermittlungen wegen schwerer Verstöße gegen Parteidisziplin und Gesetze bekannt gegeben – ein Vorgang, der Medienberichten zufolge selbst erfahrene China-Beobachter überraschte.
Medien, die der Bewegung Falun Gong nahestehen, bringen Zhongs Fall mit Geschäften seiner Mutter in Verbindung, deren Firma die Armee mit Tee beliefert haben soll. Unabhängig überprüfbar ist das nicht – Vorsicht ist bei solchen Quellen geboten.
Der juristische Kern liegt woanders: Abgeordnete des Volkskongresses genießen besonderen rechtlichen Schutz. Fällt das Mandat, fällt die Immunität. Der Mandatsentzug ist damit oft die Vorstufe zur Strafverfolgung.
Eine Militärführung ohne Militärs
Auffällig ist die Bandbreite der Betroffenen. Neben ehemaligen CMC-Mitgliedern steht auch ein Zivilist auf der Liste: Gao Shiwen, Bürgermeister von Nanchang, zuvor in leitender Funktion beim staatlichen Rüstungskonzern CASC. General Zhao Zongqi verlor zudem seinen Sitz im Politischen Konsultativkomitee.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Die Zentrale Militärkommission besteht nur noch aus zwei Personen – dem Generalsekretär selbst und einem Politfunktionär. Fachliche Militärkompetenz? Faktisch nicht mehr vorhanden.
Laut Analysen der Jamestown Foundation sollen Zhang Youxia und Liu Zhenli gestürzt worden sein, weil sie Xis Zeitplan für eine mögliche Taiwan-Operation als unrealistisch bezeichnet und ihm widersprochen hätten. Wer Loyalität über Kompetenz stellt, bekommt beides selten.
Was das für Anleger bedeutet
Für die Weltwirtschaft ist diese Instabilität kein Randthema. China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner im Warenverkehr. Ein Machtapparat, der sich permanent selbst zerlegt, ist unberechenbar – und Unberechenbarkeit ist Gift für Lieferketten, Exporteure und Börsen.
Viele Anleger reagieren auf solche geopolitischen Bruchlinien traditionell mit einer stärkeren Gewichtung physischer Edelmetalle. Gold und Silber kennen weder Parteidisziplin noch Kaderakten – ein Argument, das in unruhigen Zeiten an Gewicht gewinnt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
- Themen:
- #Aktien

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











