
Yen-Rettung verpufft: Notenbank-Milliarden als Geschenk für Spekulanten

Es sollte ein Befreiungsschlag werden – und wurde zur Steilvorlage für Spekulanten. Nach der ersten gemeinsamen Yen-Stützung von USA und Japan seit 1998 haben japanische Anleger in nur zwei Wochen über 5 Billionen Yen in ausländische Aktien und langlaufende Anleihen gesteckt. Die Daten des Finanzministeriums in Tokio für den Zeitraum bis zum 15. August zeigen das Gegenteil dessen, was die Behörden erreichen wollten.
Der Schuss ging nach hinten los
In den beiden Wochen davor hatten dieselben Investoren noch für mehr als 300 Milliarden Yen ausländische Papiere abgestoßen. Dann kam die Intervention – und mit ihr ein kurzer, heftiger Sprung des Yen von rund 164 auf etwa 155 je Dollar. Ein Geschenk für alle, die günstig an Devisen kommen wollten.
Genau das taten sie. Der Yen gab einen Großteil der Gewinne binnen Tagen wieder ab und notiert inzwischen wieder in Richtung 159. Marktbeobachter deuten die Kaufwelle als klaren Beleg: Der starke Yen wurde als Rabatt genutzt, nicht als Signal zum Ausstieg.
"Turbo" für den Carry Trade
Jesper Koll vom Finanzdienstleister Monex Group findet dafür deutliche Worte. Die Intervention habe den Carry Trade für fundamental orientierte und langfristige Investoren regelrecht befeuert:
Solange Geld in Japan billiger ist als die Rendite im Ausland, kommt der Carry Trade zurück.
Beim Carry Trade leihen sich Investoren Geld dort, wo Zinsen niedrig sind – klassischerweise in Japan – und legen es dort an, wo es mehr Rendite gibt. Ein Milliardengeschäft, das nur eine Bedingung kennt: Die Zinslücke muss offen bleiben. Und sie bleibt offen. Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen US- und japanischen Staatsanleihen lag zuletzt bei rund 1,8 Prozentpunkten.
Symptom behandelt, Krankheit ignoriert
Francis Tan von Indosuez Wealth Management bringt es auf den Punkt: Die Intervention habe nur ein Symptom adressiert, die Krankheit aber nicht geheilt – gemeint sind die strukturell niedrigen japanischen Finanzierungskosten und die weiten Zinsdifferenzen zu anderen Industrieländern. Masahiko Loo von State Street beobachtet, dass langfristige Investoren wie Pensionsfonds den Yen weiter verkaufen.
Der historische Kontext macht die Ohnmacht sichtbar: Die Bank of Japan hatte ihren Leitzins im Juni auf 1,0 Prozent angehoben – den höchsten Stand seit 31 Jahren. In den USA liegt die Spanne laut Marktdaten weiterhin bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Zwischen Absichtserklärung und Wirkung klafft eine Lücke, die keine Devisenmarkt-Operation schließen kann.
Was Anleger daraus lernen sollten
Immerhin: Die Spekulanten sind vorsichtiger geworden. Nach CFTC-Daten schrumpften die Netto-Short-Positionen gehebelter Fonds gegen den Yen von fast 138.000 Kontrakten Ende Juni auf 59.526 zum 11. August. Andere Marktteilnehmer bauen ihre Wetten gegen den Yen bereits wieder auf – jede interventionsgetriebene Erholung gilt ihnen als besserer Einstiegspunkt.
Die Lehre reicht weit über Tokio hinaus. Notenbanken können Kurse für Tage bewegen, Kaufkraft können sie nicht per Dekret verordnen. Wer erlebt hat, wie eine der größten Volkswirtschaften der Welt gegen den Verfall ihrer eigenen Währung anrudert, versteht, warum physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen ihren festen Platz haben: Gold und Silber lassen sich weder herbeidrucken noch durch Interventionen entwerten.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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