
Zins-Beben in Washington: Wankt das Fundament der Rekordgewinne?

Amerikas Konzerne verdienen so viel wie nie. Das Fundament dafür hat allerdings zu einem großen Teil der Staat gelegt, und zwar mit geliehenem Geld. Jetzt schlägt der Anleihemarkt zurück: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen schloss am Freitag bei 5,17 Prozent und liegt damit nahe dem höchsten Stand seit 2007. Einer Analyse von Bravos Research zufolge wird es damit für Wirtschaft und Börse gefährlich.
Der Kuchen wird immer ungleicher verteilt
Laut Bravos Research machen die Unternehmensgewinne inzwischen rund 14 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. So viel war es noch nie. Der Anteil der Löhne am Bruttoinlandsprodukt sei dagegen auf ein Rekordtief gefallen.
Auf den ersten Blick klingt das nach einem Erfolg der Konzerne. Tatsächlich birgt es ein Risiko. Denn wer kauft die Häuser, Autos und Smartphones? Wer bezahlt die unzähligen Abos? Es sind die Arbeitnehmer. Bleibt bei ihnen immer weniger hängen, dürfte die Nachfrage irgendwann einbrechen.
Déjà-vu: 1999 und 2007 lassen grüßen
Ähnliche Schieflagen gab es schon zweimal: Ende der 1990er-Jahre und kurz vor der Finanzkrise 2007. Beide Male schrumpften die ungewöhnlich hohen Gewinnanteile danach wieder, und beide Male litt die Wirtschaft.
Warum ist das diesmal bisher ausgeblieben? Die Analysten verweisen auf Washington. Als die Kaufkraft der Haushalte schwächelte, hätten hohe Staatsdefizite die Nachfrage gestützt.
Der Staat als stiller Gewinnbringer
Das Geld floss direkt über Aufträge und Förderprogramme zu den Unternehmen oder indirekt über zusätzlichen Konsum. Ein Beispiel sind die Milliardenanreize des Chips Act für die Halbleiterproduktion in den USA. Ein beträchtlicher Teil der Rekordgewinne beruht also auf Staatsausgaben, die mit Schulden bezahlt werden.
Diese Schulden wachsen rasant. Medienberichten zufolge überstieg die gesamte US-Staatsverschuldung im August erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar.
Der Anleihemarkt zieht die Notbremse
Ende Februar lag die Zehnjahresrendite noch unter vier Prozent. Am Freitag stieg sie zeitweise auf rund 5,2 Prozent. Laut Marktberichten haben der Iran-Konflikt, steigende Ölpreise und die Sorge vor höheren Leitzinsen den Anstieg zuletzt beschleunigt.
Für Washington hat das Folgen. Neue Schulden werden teurer, und jede fällige Anleihe muss zu höheren Zinsen ersetzt werden. Die Zinslast frisst so den Spielraum für andere Ausgaben auf. Fährt der Staat seine Unterstützung zurück, könnten Nachfrage und Gewinne sinken. Für die Börse wäre das ein harter Schlag.
Lehrstunde aus den Siebzigern
Bravos Research erinnert an die 1970er- und frühen 1980er-Jahre. Damals trafen steigende Zinsen, schrumpfende Gewinnanteile und schwere Rezessionen zusammen. 1981 erreichte die Zehnjahresrendite einen Rekord von fast 16 Prozent. Eine Prognose für heute sei das ausdrücklich nicht, betonen die Analysten. Es zeige aber, wie schmerzhaft eine solche Anpassung werden könne.
Bessents Rettungsversuch: nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Washington hat allen Grund, einen Absturz zu verhindern. Die Analysten halten es für möglich, dass die Politik den Anleihemarkt stützen will. Das Finanzministerium unter Scott Bessent kauft bereits mehr eigene Anleihen zurück. Seit dem 9. September dürfen die Rückkäufe von Anleihen mit 10 bis 30 Jahren Laufzeit mindestens vier statt zwei Milliarden Dollar pro Aktion umfassen.
Das soll vor allem den Handel mit diesen Anleihen erleichtern. Niedrigere Renditen sind damit aber nicht garantiert. Mit den Anleihekäufen der Notenbank Fed lassen sich die Rückkäufe ebenfalls nicht vergleichen. Beobachter wiesen Medienberichten zufolge zudem darauf hin, dass die Summen gemessen am riesigen Schuldenberg kaum ins Gewicht fallen.
Fazit: Wenn der Schuldenstaat an seine Grenzen stößt
Ein Wachstum, das an staatlichen Schulden hängt, bleibt nur so lange stabil, wie die Anleger bereit sind, diese Schulden zu finanzieren. Deutsche Leser kennen die Debatte: Auch in Berlin setzt die Regierung mit Milliarden-Sondervermögen auf Wachstum mit geliehenem Geld. Offen ist nun, wie viel Druck der US-Anleihemarkt noch aushält und wann die Aktienkurse diese Gefahr berücksichtigen.
Physisches Gold und Silber sind dagegen nicht auf die Zahlungsfähigkeit eines Staates angewiesen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können Edelmetalle daher helfen, das eigene Vermögen gegen die Folgen einer Schuldenkrise abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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