
Zins-Hammer in Down Under: Australien kämpft gegen die Inflation

Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat am Dienstag den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,6 Prozent angehoben. So hoch lag er seit rund 15 Jahren nicht mehr. Es ist bereits die vierte Erhöhung in diesem Jahr. Der Grund: Die Teuerung will einfach nicht sinken, und der eskalierende Nahost-Konflikt treibt die Energiepreise weiter nach oben.
Vier Schritte, 100 Basispunkte: Die Kehrtwende ist komplett
Überraschend kam der Schritt nicht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten genau damit gerechnet. Auch die vier großen australischen Banken, darunter Commonwealth Bank und Westpac, hatten die Anhebung Medienberichten zufolge vorhergesagt. Der geldpolitische Rat der RBA entschied laut Berichten einstimmig.
Seit Februar ist der Leitzins damit um insgesamt 100 Basispunkte gestiegen. Die Ironie dabei: Noch 2025 hatte die Notenbank den Zins um 75 Basispunkte gesenkt. Diese Lockerung ist nun nicht nur zurückgenommen, sondern übertroffen. Laut Branchenberichten liegt der Leitzins auf dem höchsten Stand seit November 2011. Hier wurde zu früh Entwarnung gegeben.
Öl, KI und hausgemachter Druck
In ihrer Erklärung schreibt die Notenbank, dass sich einige der Aufwärtsrisiken, vor denen sie im August gewarnt hatte, inzwischen bewahrheiten. Wörtlich heißt es:
"The conflict in the Middle East has broadened and global energy prices are now much higher than had been assumed."
Der Nahost-Konflikt habe sich demnach ausgeweitet, und die Energiepreise lägen deutlich über den bisherigen Annahmen. Dazu kommt ein weiterer Faktor, den viele unterschätzt haben: Die Nachfrage rund um Künstliche Intelligenz lasse die Preise für Technologiegüter rasant steigen. Die RBA kündigte an, sie werde weiterhin tun, was sie für nötig halte. Weitere Zinserhöhungen sind also ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Inflation weit über dem Zielkorridor
Die Zahlen zeigen, wie hartnäckig das Problem ist. Die Notenbank peilt eine Inflation von 2 bis 3 Prozent an. Im März lag sie aber bei 4,6 Prozent. Im Juli waren es 3,5 Prozent, mehr als erwartet. Die Zahl für August soll am Mittwoch veröffentlicht werden.
Die Bank of America sieht keine Entspannung. In einer Analyse hieß es, die Inflation beschleunige sich eher, statt sich dem Zielwert anzunähern. Vor allem die steigende Kerninflation und die sogenannten Zweitrundeneffekte durch höhere Energiekosten sprächen dafür, dass sich die Teuerung festsetze.
Die Rechnung zahlen die Bürger
Die Zinsschraube hat Folgen. Das Wachstum hat sich im zweiten Quartal auf 2,1 Prozent abgeschwächt, nach 2,5 Prozent im ersten Quartal. Die RBA selbst warnt vor Szenarien mit höherer Inflation bei gleichzeitig schwächerer Wirtschaft. Für dieses Gift haben Ökonomen einen eigenen Namen: Stagflation.
Besonders hart trifft es Immobilienbesitzer. Branchenberechnungen zufolge zahlt ein Kreditnehmer mit 600.000 australischen Dollar Hypothek und 25 Jahren Restlaufzeit nach der neuesten Erhöhung rund 91 Dollar mehr im Monat. Über alle vier Anhebungen summiert sich das auf etwa 364 Dollar monatlich. Die Hauspreise sind laut Notenbank in den meisten Großstädten bereits gefallen.
Eine Warnung auch für Europa
Aktienindex ASX 200 und australischer Dollar reagierten kaum. Die Lehre aus Canberra sollte man in Frankfurt und Berlin trotzdem ernst nehmen. Australien zeigt, wie schnell die Inflation zurückkommt, wenn Energiepreise steigen und Notenbanken zu früh lockern. Deutschland hängt noch stärker von Energieimporten ab und stemmt mit dem Sondervermögen gewaltige neue Schulden. Warum sollte die Teuerung ausgerechnet hier dauerhaft verschwinden?
Wer sein Erspartes vor schleichender Entwertung schützen will, kommt an Sachwerten kaum vorbei. Physisches Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als Schutz gegen Inflation und geopolitische Krisen bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie gerade jetzt für Stabilität sorgen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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