
3,5 Billionen Schulden: Frankreich will sie einfach wegzaubern

Paris steht vor dem gröĂten Schuldenberg der EuropĂ€ischen Union â rund 3.500 Milliarden Euro. Nun schlĂ€gt der Linkspolitiker Jean-Luc MĂ©lenchon vor, einen Teil davon einfach streichen zu lassen: durch die EuropĂ€ische Zentralbank. Frankreichs Notenbankchef Emmanuel Moulin nannte die Idee Medienberichten zufolge âillegal, gefĂ€hrlich und nutzlosâ.
Wenn Athen billiger Geld leiht als Paris
Die Zahlen sprechen fĂŒr sich. Frankreichs Schuldenquote lag nach Eurostat-Daten im ersten Quartal dieses Jahres bei 117,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Staat schuldet also mehr, als das Land in einem ganzen Jahr erwirtschaftet.
Und der Markt reagiert lĂ€ngst. Mitte August rentierten französische Staatsanleihen zwischen 4,04 und 4,14 Prozent â griechische Papiere dagegen nur bei 3,82 bis 3,93 Prozent, deutsche Bundesanleihen bei 3,20 bis 3,26 Prozent. Die zweitgröĂte Volkswirtschaft Europas zahlt mehr Zinsen als das einstige Krisenland Griechenland.
Bitterer Kontrast: Griechenland wurde im Juni nach 16 Jahren von der EU-Liste der LÀnder mit makroökonomischen Ungleichgewichten gestrichen. Frankreich steht weiter darauf.
59 Milliarden Euro â nur fĂŒr Zinsen
Schulden sind keine abstrakte BuchungsgröĂe. Sie kosten jedes Jahr echtes Geld, das im Haushalt an anderer Stelle fehlt: bei Schulen, Schienen, KrankenhĂ€usern, Verteidigung.
Frankreich muss in diesem Jahr rund 59 Milliarden Euro allein fĂŒr Zinsen aufbringen â mehr als der komplette Verteidigungshaushalt. Die Neuverschuldung liegt bei ĂŒber fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erlaubt wĂ€ren nach den Regeln der Eurozone maximal drei. Wirtschaftsminister Roland Lescure wird in Medienberichten mit der EinschĂ€tzung zitiert, das Ziel von fĂŒnf Prozent sei âkeine Option mehrâ. FĂŒr den Haushalt 2027 plant die Regierung Einsparungen von etwa 30 Milliarden Euro.
Die Ratingagenturen haben bereits geliefert: Fitch senkte Frankreichs BonitÀt Berichten zufolge von AA- auf A+, auch S&P stufte herab und erwartet demnach bis Ende 2028 eine Schuldenquote von 121 Prozent.
Der Trick, der keiner ist
In diese Lage hinein platziert MĂ©lenchon, GrĂŒnder von La France insoumise und 2022 Dritter der PrĂ€sidentschaftswahl, seinen Vorschlag. Rund 600 bis 700 Milliarden Euro französischer Schulden, die die Banque de France im Auftrag der EZB hĂ€lt, sollten erlassen werden. Der Staat schulde sich das Geld ja quasi selbst â es werde âniemand merken, dass es verschwindetâ.
EZB-Chefin Christine Lagarde hĂ€lt davon nichts. Laut Medienberichten bezeichnete sie den Plan als âfinanziell gefĂ€hrlichâ: Wer die RĂŒckzahlung verweigere und dann neues Geld wolle, bekomme von ihr keinen Kredit â sie wĂŒrde âden Zinssatz deutlich erhöhenâ. Auch BundesbankprĂ€sident Joachim Nagel warnte Berichten zufolge vor einem solchen Schuldenerlass.
Warum das auch deutsche Sparer betrifft
Der erste Wahlgang der PrĂ€sidentschaftswahl steht am 18. April 2027 an. Dass Schuldenstreichung ĂŒberhaupt als Wahlkampfidee zirkuliert, ist aus Sicht unserer Redaktion das eigentliche Alarmsignal: In der WĂ€hrungsunion haften am Ende alle mit â auch die deutschen Steuer- und Beitragszahler, deren eigene Regierung parallel Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe auflegt.
Papiergeld lebt von Vertrauen. Wer dieses Vertrauen politisch strapaziert, treibt Sparer verlÀsslich dorthin, wo kein Parlament etwas wegstreichen kann: in reale, physisch greifbare Werte wie Gold und Silber, die sich als Beimischung zur langfristigen Vermögenssicherung bewÀhrt haben.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheiden.
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