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14.08.2026
13:27 Uhr
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Anruf im Urlaub: Merz-Ministerin bricht endlich ihr Schweigen

Anruf im Urlaub: Merz-Ministerin bricht endlich ihr Schweigen
Symbolbild: KI-generiert

Drei Wochen nach ihrer Ablösung spricht Christiane Schenderlein erstmals über den Tag, an dem ihre Karriere im Kanzleramt endete. Die 44-jährige sächsische CDU-Politikerin verlor Ende Juli ihren Posten als Staatsministerin für Sport und Ehrenamt – nach nur 14 Monaten im Amt. In Interviews mit der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung schildert sie nun, wie sie davon erfuhr: per Telefon, mitten im Urlaub.

„Überrascht und selbstverständlich auch enttäuscht"

Schenderlein macht kein Geheimnis daraus, dass ihr der Schritt zugesetzt hat. Wörtlich sagte sie:

„Ich war überrascht und selbstverständlich auch enttäuscht gewesen."

Sie habe das Amt gerne ausgeübt und wäre bereit gewesen, weiterzumachen. An eigenen Fehlern habe es nach eigener Darstellung nicht gelegen: Bundeskanzler Friedrich Merz habe ihr sogar seine Zufriedenheit bescheinigt – nur wolle er den Posten künftig mit einer bekannteren Person besetzen.

Dennoch habe sie zunächst gegrübelt. „Natürlich fragt man sich, was schiefgelaufen ist, was ich möglicherweise falsch gemacht haben könnte", räumt sie ein. Aus dem Kanzleramt sei ihr versichert worden, persönliche Defizite hätten keine Rolle gespielt.

Prominenz statt Fachkenntnis?

Genau dieses Kriterium ist der Sprengstoff der Geschichte. Wer künftig für Sport und Ehrenamt zuständig ist, war zunächst offen. Medienberichten zufolge gilt die frühere Fußball-Nationalspielerin und Weltfußballerin Nadine Keßler als Kandidatin – die 38-Jährige arbeitet als Direktorin Frauenfußball beim europäischen Verband UEFA.

Man muss kein Zyniker sein, um zu fragen: Zählt in Berlin am Ende der Bekanntheitsgrad mehr als das Ergebnis? Schenderlein selbst zieht eine positive Bilanz und verzichtet auf weitere Kritik am Kanzler. Sie wechselt als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium und löst dort Tino Sorge ab, der seinerseits öffentlich mit dem Regierungsumbau abrechnete.

Ostdeutschland fühlt sich übergangen

In den ostdeutschen CDU-Verbänden schlug die Entscheidung hohe Wellen. Sachsens Ministerpräsident und Landesvorsitzender Michael Kretschmer nannte Schenderlein im MDR das „erfolgreichste Kabinettsmitglied in der Regierung Merz" und verwies auf das Sportfördergesetz sowie die neue Sportagentur, die nach Mitteldeutschland geholt wurde. Sein Urteil: Den Wechsel habe er „überhaupt nicht verstanden".

Kretschmer bemängelte laut MDR zugleich, die Bundesregierung nehme ostdeutsche Interessen zu wenig wahr – bei Rente, Pflegeheimkosten und Wirtschaftsentwicklung. Schenderlein war die einzige ostdeutsche Ministerin im Kabinett.

Ein Umbau, der wie ein Stolperstart wirkt

Die Personalrochade reiht sich in einen Umbau ein, der aus Sicht vieler Beobachter chaotisch verlief: Verkehrsminister Patrick Schnieder wurde abgelöst, der Wunschkandidat für die Nachfolge zog seine Zusage über Nacht zurück, am Ende übernahm Steffen Bilger. Carsten Linnemann rückte ins Gesundheitsministerium, Franziska Hoppermann wurde Generalsekretärin. Die Opposition sprach berichten zufolge von einer „Salami-Taktik".

Für viele Bürger dürfte dabei ein Eindruck haften bleiben, der weit über eine einzelne Personalie hinausreicht: Während Betriebe unter Bürokratie und Energiekosten stöhnen, dreht sich in Berlin das Karussell der Posten weiter. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, wird an Ergebnissen gemessen – nicht an Bekanntheitsgraden.

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