
Atomares Dilemma: USA suchen verzweifelt Freiwillige für ewige Atommüll-Lagerung
Die Trump-Administration steht vor einem Problem, das so alt ist wie die zivile Nutzung der Kernenergie selbst: Wohin mit dem strahlenden Erbe? Während Washington von einer neuen Ära kleiner, modularer Reaktoren träumt, die den unstillbaren Energiehunger der künstlichen Intelligenz befriedigen sollen, türmt sich der radioaktive Müll weiter auf – ohne jede Aussicht auf eine dauerhafte Lösung.
Ein radioaktives Lockangebot
Das US-Energieministerium hat nun einen bemerkenswerten Vorstoß gewagt. In einer kürzlich veröffentlichten Ausschreibung werden die Bundesstaaten aufgefordert, sich freiwillig als Standort für ein permanentes geologisches Endlager zu melden. Der Clou dabei: Das Endlager soll Teil eines ganzen "Campus" werden, der neue Kernreaktoren, Wiederaufbereitungsanlagen, Urananreicherung und Rechenzentren umfasst. Milliardenschwere Investitionen und tausende Arbeitsplätze werden als Köder ausgelegt.
Lake Barrett, ein ehemaliger Beamter der US-Atomaufsichtsbehörde, bringt es auf den Punkt: Man kombiniere große Karotten mit einer weniger erwünschten Abfallanlage. Utah und Tennessee hätten bereits Interesse an nuklearen Investitionen signalisiert. Die Bundesstaaten haben 60 Tage Zeit, um zu antworten – eine Frist, die angesichts der Tragweite der Entscheidung geradezu lächerlich kurz erscheint.
100.000 Tonnen strahlender Altlasten
Die Dimension des Problems ist gewaltig. Rund 100.000 Tonnen radioaktiver Abfall lagern derzeit provisorisch an Kernkraftwerken und anderen Standorten quer durch die Vereinigten Staaten. Jährlich kommen etwa 2.000 Tonnen hinzu. Die mehr als 90 amerikanischen Reaktoren – die USA sind der weltweit größte Atomstromproduzent – produzieren unablässig Material, das teilweise hunderttausende Jahre lang für Menschen gefährlich bleibt.
Besonders pikant: Bis Ende 2024 haben die amerikanischen Steuerzahler bereits 11,1 Milliarden Dollar an Energieunternehmen gezahlt – als Entschädigung für die Zwischenlagerung des Atommülls. Eine Zwischenlösung, die in den USA durchaus mehr als ein Jahrhundert andauern kann, wie die Atomaufsichtsbehörde einräumt.
Das Yucca-Mountain-Debakel
Die Suche nach einem Endlager hat eine lange und ernüchternde Geschichte. Bereits 1983 begann das Energieministerium mit der Standortsuche. 1987 fiel die Wahl auf den Yucca Mountain in Nevada. Doch nach Ausgaben von fast 15 Milliarden Dollar stoppte Präsident Obama 2010 das Projekt – auf Druck von Politikern aus Nevada, die um die Sicherheit und das Geschäft der Casinos und Hotels fürchteten. Ein Paradebeispiel dafür, wie lokaler Widerstand selbst die ambitioniertesten Pläne zunichtemachen kann.
Kleine Reaktoren, große Probleme
Die sogenannten Small Modular Reactors (SMRs), auf die Washington große Hoffnungen setzt, werden das Müllproblem nicht lösen. Im Gegenteil: Experten zufolge produzieren die meisten neuen SMR-Designs pro Kilowattstunde ähnlich viel oder sogar mehr Abfall als herkömmliche Großreaktoren. Zudem können diese kleineren Anlagen an Standorten errichtet werden, die für größere Kraftwerke ungeeignet wären – was die Zahl potenzieller Zwischenlager weiter erhöhen dürfte.
"Dieser Ansturm auf neue Designs, ohne das Gesamtsystem zu bedenken, verheißt nichts Gutes für eine effektive Regulierung und ein gut geführtes, sicheres Abfallmanagement auf lange Sicht."
So warnt Seth Tuler vom Worcester Polytechnic Institute, der zuvor dem US Nuclear Waste Technical Review Board angehörte.
Wiederaufbereitung: Mehr Schein als Sein
Die Hoffnung auf technologische Durchbrüche bei der Wiederaufbereitung von Brennelementen erscheint trügerisch. Zwar verspricht das Energieministerium, moderne Technologien könnten das Volumen des zu entsorgenden Materials drastisch reduzieren. Doch die Realität sieht anders aus: Die wenigen Länder, die Brennstoff wiederaufbereiten, recyceln lediglich null bis zwei Prozent – weit entfernt von den versprochenen 90 Prozent.
Ross Matzkin-Bridger, ein ehemaliger Beamter des Energieministeriums, urteilt vernichtend: Jeder Versuch sei gescheitert, die Kosten seien enorm, und es entstünden erhebliche Sicherheits- und Proliferationsrisiken.
Weltweit kein einziges Endlager in Betrieb
Siebzig Jahre nach dem ersten kommerziellen Kernkraftwerk gibt es weltweit noch immer kein einziges geologisches Tiefenlager in Betrieb. Finnland ist am weitesten fortgeschritten und steht kurz vor der Eröffnung des weltweit ersten permanenten Endlagers in Olkiluoto – nachdem der Prozess ebenfalls 1983 begonnen hatte. Schweden hat im Januar 2025 mit dem Bau begonnen und peilt die späten 2030er Jahre an. Kanada, die Schweiz und Frankreich hoffen auf Betriebsaufnahmen um 2050. Großbritannien visiert die späten 2050er Jahre an, hat aber noch nicht einmal einen Standort festgelegt.
Dounreay: Mahnendes Beispiel aus Schottland
Das schottische Dounreay, einst Vorzeigeprojekt der britischen Atomindustrie, illustriert die Langzeitfolgen nuklearer Altlasten auf erschreckende Weise. Der letzte Reaktor wurde 1994 abgeschaltet, doch die Stilllegung wurde wiederholt verlängert – zuletzt von 2033 auf die 2070er Jahre. Noch im Januar wurde ein "geringfügig" radioaktives Partikel an einem nahegelegenen Strand gefunden. Das Fischen ist im Umkreis von zwei Kilometern verboten, weil radioaktive Partikel auf dem Meeresboden liegen.
Irradiierter Kernbrennstoff wurde vor Jahrzehnten ins Meer gespült – eine Praxis, die heute undenkbar wäre, deren Folgen aber noch Generationen beschäftigen werden.
Ein Erbe für die Ewigkeit
Die Kernenergie mag als klimafreundliche Alternative zu fossilen Brennstoffen gepriesen werden. Doch das ungelöste Müllproblem bleibt ihr Achillesferse. Während Politiker von einer Vervierfachung der amerikanischen Atomkapazität bis 2050 träumen, fehlt jede überzeugende Antwort auf die Frage, was mit dem strahlenden Erbe geschehen soll. Die Hoffnung, dass sich irgendein Bundesstaat freiwillig meldet, um für alle Ewigkeit zum Hüter des nuklearen Mülls zu werden, erscheint bestenfalls naiv – schlimmstenfalls verantwortungslos.
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Turbulenzen erweist sich einmal mehr, dass physische Edelmetalle wie Gold und Silber als zeitlose Wertanlage ihre Berechtigung haben. Anders als strahlender Atommüll belasten sie keine künftigen Generationen und bieten eine bewährte Möglichkeit zur Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.

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