
Aufrüstung auf Pump: Streit ums Feindbild Russland eskaliert

Am 21. September, dem Weltfriedenstag der Vereinten Nationen, hat ein Gastbeitrag in einer großen Berliner Tageszeitung eine hitzige Debatte ausgelöst. Der Autor, ein Ost-Berliner Schriftsteller, bezeichnet die militärische Bedrohung durch Russland darin als westliche „Zwecklüge“. Seine Thesen sind hochumstritten – die dahinterliegende Frage aber treibt Millionen Deutsche um: Wer bezahlt am Ende die größte Aufrüstung seit dem Kalten Krieg?
Ein Gastbeitrag, der die Republik spaltet
Der Autor argumentiert, die Regierungsparteien hätten ihre Vertrauenswürdigkeit verspielt und erzeugten mit dem Bild einer russischen und chinesischen Bedrohung gezielt Angst. Gleichzeitig werde bei den sozialen Sicherungssystemen gekürzt – verkauft als „Reformen“.
Auch die Vorgeschichte des Krieges – die Nato-Osterweiterung, die Ereignisse von 2013/2014 in Kiew – werde tabuisiert, schreibt er. Dem widersprechen Historiker und Regierungen entschieden: Unstrittig ist, dass Russland die Ukraine 2022 großflächig überfallen hat. Die Deutung des Autors, es handle sich zugleich um einen Verteidigungskrieg, bleibt seine persönliche Bewertung.
Die Zahlen, über die alle streiten
Ein Punkt jedoch lässt sich nüchtern prüfen: die Rüstungsausgaben. Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri erreichten die weltweiten Militärausgaben 2025 den Rekordwert von rund 2,89 Billionen US-Dollar – elftes Anstiegsjahr in Folge.
- USA: rund 954 Milliarden Dollar
- China: rund 336 Milliarden Dollar
- Russland: rund 190 Milliarden Dollar
- Deutschland: rund 114 Milliarden Dollar – Platz vier weltweit
Die 29 europäischen Nato-Staaten kamen demnach auf 559 Milliarden Dollar. Der Anstieg in Europa war so schnell wie seit 1953 nicht mehr.
Warum der Dollar-Vergleich hinkt
Doch wer daraus ableitet, Russland sei harmlos, macht es sich zu einfach. Sipri weist darauf hin, dass Moskau inzwischen etwa 7,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung und rund 20 Prozent des Staatshaushalts ins Militär steckt. Zudem gelten russische Rüstungsdaten als schwer durchschaubar, weil Ausgaben in zivilen oder geheimen Haushaltslinien verschwinden können. Eine Kriegswirtschaft rechnet anders als ein Sozialstaat.
Die Rechnung landet beim deutschen Steuerzahler
Für die Bürger hierzulande zählt vor allem eines: Deutschland hat seine Militärausgaben 2025 um 24 Prozent gesteigert und erstmals seit 1990 die Zwei-Prozent-Marke übersprungen. Das neue Nato-Ziel liegt bei fünf Prozent der Wirtschaftsleistung.
Finanziert wird das im Kern über Schulden – Sondervermögen, gelockerte Schuldenbremse, Milliarden für Infrastruktur und Verteidigung. Ausgerechnet unter einem Kanzler, der im Wahlkampf sparsame Haushaltsführung versprochen hatte. Kritiker sehen darin eine Last, die Kinder und Enkel über Steuern, Abgaben und Inflation abtragen müssen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der wunde Punkt: Nicht die Frage, ob Verteidigung nötig ist, sondern ob eine Regierung Wehrhaftigkeit, Sozialstaat und wirtschaftliche Substanz gleichzeitig auf Pump finanzieren kann. Die Antwort dürfte teuer ausfallen.
Was das für Sparer bedeutet
Rekordverschuldung, Rüstungskonjunktur und geopolitische Unsicherheit sind ein Klima, in dem Papierwerte an Vertrauen verlieren. Physische Edelmetalle haben sich historisch als krisenfester Anker bewährt – als Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen, nicht als Wette.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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