
Baerbock huldigt Merkel und fordert eine Frau an der UN-Spitze – Selbstinszenierung auf Kosten des Steuerzahlers
Es gibt Nachrichten, die man nicht kommentieren müsste – sie kommentieren sich selbst. Annalena Baerbock, derzeit Präsidentin der UN-Generalversammlung und einst Deutschlands Außenministerin, hat der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben. Zwei Botschaften bleiben hängen: Erstens danke sie Angela Merkel, ohne die sie wohl niemals erste Außenministerin der Bundesrepublik geworden wäre. Zweitens müsse endlich eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen.
Die Arithmetik des Geschlechts als politisches Programm
Baerbocks Argumentation folgt einem vertrauten Muster. Die Hälfte der Menschheit bestehe aus Frauen und Mädchen, so ihre Rechnung – wie also könne eine Organisation, die acht Milliarden Menschen vertrete und seit acht Jahrzehnten für Menschenrechte stehe, erklären, dass sie erneut keine Frau an ihrer Spitze finde? Eine rhetorische Frage, die man auch umdrehen könnte: Wie erklärt eine Institution, die sich der Lösung von Weltkonflikten verschrieben hat, dass die Chromosomenkonstellation ihres Chefs zum entscheidenden Auswahlkriterium erhoben wird?
Nach dem gewachsenen Rotationsprinzip sei nun Südamerika am Zug. Es gebe dort, so Baerbock, hervorragende Frauen. Namen? Keine. Man fordert das Prinzip, die Personen kann man später suchen. Für sich selbst schließe sie den Posten aufgrund der Regionenrotation aus – eine Selbstbescheidung, die im Kommentarbereich deutscher Leser für gewisse Heiterkeit sorgte.
Wenn Qualifikation zur Nebensache wird und Identität zum Hauptkriterium, dann hat eine Institution ihre Substanz bereits verloren – lange bevor sie es merkt.
Von Merkel zu Baerbock – eine Linie, die viel erklärt
Bemerkenswert ist die Dankesadresse an die Altkanzlerin. Gefragt, welche Frauen ihr die Türen geöffnet hätten, nennt Baerbock ausschließlich Merkel. Das ist mehr als eine Höflichkeitsfloskel, es ist ein Bekenntnis zur politischen Erblinie: jene Kanzlerschaft, die Deutschland in die Energieabhängigkeit trieb, die Grenzen 2015 im Alleingang öffnete und die Union ihrer konservativen Substanz beraubte. Wer sich in diese Traditionslinie stellt, dokumentiert damit vor allem eines – wie eng verwandt eine bestimmte Sorte alternativloser Politik ihrem grünen Nachfolgemodell ist.
Anschließend wechselt Baerbock erwartbar zum Thema, das sie am besten kennt: sich selbst. Ihre Kämpfe hätten dafür gesorgt, dass künftige Frauen in Talkshows nicht mehr gefragt würden, ob man mit vierzig und zwei kleinen Kindern für höchste Ämter kandidieren dürfe. Auch die Bekanntheit ihres jetzigen Amtes rechnet sie sich zu: Kaum jemand habe vorher von der Präsidentschaft der Generalversammlung gehört.
Die unbequeme Bilanz
Nur: Bilanz ist nicht Selbstbeschreibung. Deutschland verfehlte am 3. Juni 2026 bei der Abstimmung über nichtständige Sitze im UN-Sicherheitsrat die notwendige Mehrheit deutlich. Portugal kam auf 134 Stimmen, Österreich auf 131 – Deutschland landete mit 104 Stimmen abgeschlagen auf dem dritten Platz, weit unter den erforderlichen 127. Eine diplomatische Niederlage historischen Ausmaßes für ein Land, das jahrzehntelang als verlässlicher Akteur galt. Von der viel beschworenen wertebasierten Außenpolitik blieb offenbar wenig übrig, was andere Staaten überzeugte.
Und das ist der Punkt, an dem Ironie in Ärger übergeht. Während in Deutschland die Kriminalität Rekordwerte erreicht, die Industrie abwandert und der Bürger zwischen Energiepreisen und Abgabenlast zerrieben wird, während die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz und Lars Klingbeil mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen künftige Generationen verschuldet, diskutiert man auf dem internationalen Parkett Quotenfragen. Es ist diese Prioritätenverschiebung, die viele Bürger nicht mehr hinnehmen wollen – und das ist längst nicht nur die Meinung unserer Redaktion.
Was bleibt für den Bürger?
Wer politischen Institutionen zusieht, die sich vorrangig mit sich selbst beschäftigen, zieht daraus Schlüsse für sein eigenes Vermögen. Vertrauen in Papierversprechen, in Währungen und in politische Stabilität ist ein knappes Gut geworden. Physische Edelmetalle – Gold und Silber in der Hand, nicht auf dem Papier – haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie Regierungswechsel, Währungsreformen und ideologische Moden überdauern. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bleiben sie das, was politische Karrieren selten sind: verlässlich.
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