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10.04.2026
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Berliner ErklÀrung zur Meinungsfreiheit: Deutschlands schleichender Weg in die Zensur

Berliner ErklÀrung zur Meinungsfreiheit: Deutschlands schleichender Weg in die Zensur
Symbolbild: KI-generiert

WĂ€hrend sich die politische Klasse in Berlin gerne als HĂŒterin der Demokratie inszeniert, formiert sich ein bemerkenswerter Widerstand gegen das, was namhafte Intellektuelle als systematische Aushöhlung der Meinungsfreiheit bezeichnen. Die heute veröffentlichte „Berliner ErklĂ€rung zur Meinungsfreiheit" liest sich wie eine Anklageschrift gegen den Zeitgeist – und trifft einen Nerv, der bei Millionen Deutschen lĂ€ngst blank liegt.

Ein Manifest gegen die Angst

Juristen, Publizisten, Forscher, Politologen und Ärzte haben sich zusammengefunden, um in einer gemeinsamen ErklĂ€rung auf das hinzuweisen, was viele BĂŒrger lĂ€ngst spĂŒren, aber kaum noch auszusprechen wagen: Die Meinungsfreiheit in Deutschland steht massiv unter Druck. Zu den Erstunterzeichnern gehören bekannte Persönlichkeiten wie der Politikwissenschaftler Werner Patzelt, der Medienwissenschaftler Norbert Bolz und der Ökonom Stefan Homburg. Menschen also, die wissen, wovon sie reden – und die selbst erfahren haben, was es bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen.

Der Titel der Initiative ist dabei Programm: „Im Schlafwagen in die Unfreiheit" – so beschreibt Mitinitiator und Philosoph Michael Andrick den Zustand einer Gesellschaft, die gar nicht bemerkt, wie ihr die Grundrechte unter den FĂŒĂŸen weggezogen werden. Und die Zahlen geben ihm Recht. Laut einer Umfrage des Instituts fĂŒr Demoskopie Allensbach sagten 2025 nur noch 46 Prozent der Befragten, sie könnten ihre Meinung frei Ă€ußern. 1991 waren es noch 78 Prozent. Ein dramatischer Absturz, der jedem Demokraten schlaflose NĂ€chte bereiten sollte.

Das Arsenal der MeinungsunterdrĂŒckung

Was die ErklĂ€rung im Detail auflistet, ist erschreckend. Auf der Ebene der alltĂ€glichen Diskurspraxis hĂ€uften sich Ausladungen von VortrĂ€gen, soziale Ächtung und berufliche Vernichtung bei unerwĂŒnschten MeinungsĂ€ußerungen. Selbst die KĂŒndigung von Bankkonten aufgrund politischer Haltungen sei keine Seltenheit mehr. Wer das fĂŒr ĂŒbertrieben hĂ€lt, hat offenbar die letzten Jahre verschlafen.

Besonders scharf kritisieren die Unterzeichner die inflationĂ€re Verwendung von Kampfbegriffen. „Nazi", „Rassist", „Verschwörungstheoretiker", „Putin-Versteher" – diese Etiketten wĂŒrden wie Brandbomben in jeden Diskurs geworfen, der vom gewĂŒnschten Narrativ abweicht. Positionen, die vor wenigen Jahren noch als konservativ oder liberal galten, wĂŒrden heute reflexartig als „rechtsextrem" gebrandmarkt. Eine Beobachtung, die unsere Redaktion nur bestĂ€tigen kann.

Dazu komme das perfide Konzept der „Kontaktschuld": Wer mit dem Falschen spricht, wird selbst zum Ausgestoßenen. In einer Gesellschaft, die sich Toleranz und Vielfalt auf die Fahnen schreibt, ist das eine Ironie, die bitterer kaum sein könnte.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Problemfall

Die ErklĂ€rung nimmt auch den gebĂŒhrenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk ins Visier. Dieser verstoße anhaltend gegen die Ausgewogenheit der Berichterstattung, weshalb die veröffentlichte Meinung immer wieder deutlich von der öffentlichen Meinung abweiche. Eine Feststellung, die wohl kaum jemanden ĂŒberrascht, der regelmĂ€ĂŸig die Abendnachrichten einschaltet und sich danach fragt, ob er im selben Land lebt wie die Redakteure. Die Forderung ist klar: Entweder kehre der ÖRR zu pluraler Berichterstattung zurĂŒck – oder er mĂŒsse so umgestaltet werden, dass er die freiheitliche demokratische Grundordnung nicht lĂ€nger gefĂ€hrde.

Staatliche Zensurinfrastruktur im Aufbau

Auf der rechtlich-institutionellen Ebene zeichnet die ErklĂ€rung ein Bild, das an dĂŒstere Kapitel europĂ€ischer Geschichte erinnert. Der Staat finanziere zahlreiche Meldestellen, die den expliziten Auftrag hĂ€tten, MeinungsĂ€ußerungen auch „unterhalb der Strafbarkeitsgrenze" zu dokumentieren. Man lese diesen Satz noch einmal langsam: Unterhalb der Strafbarkeitsgrenze. Also legale Äußerungen. Der Staat sammelt Daten ĂŒber legale MeinungsĂ€ußerungen seiner BĂŒrger. In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

Das Programm „Demokratie leben!" verschlinge mittlerweile rund 200 Millionen Euro jĂ€hrlich und betreibe unter dem Deckmantel der „Demokratieförderung" und „Vielfaltsgestaltung" nichts anderes als die Verengung des Meinungsspektrums in eine als „politisch korrekt" empfundene Richtung. Staatlich geförderte Faktencheck-Organisationen verwischten die notwendige Trennung zwischen Staat und privaten Medienakteuren. Indirekte „Wahrheitsbehörden" – so die ErklĂ€rung – schĂ€digten die pluralistische Anlage unseres Gemeinwesens.

Der Digital Services Act als europÀisches Zensurgesetz

Besonders brisant ist die Kritik am europĂ€ischen Digital Services Act (DSA), der seit Februar 2024 vollumfĂ€nglich in Kraft ist. Dieses Gesetz ermögliche EinschrĂ€nkungen der Meinungsfreiheit, indem nicht nur illegale, sondern ausdrĂŒcklich auch nicht rechtswidrige Inhalte in die Risikobewertung der Plattformen einfließen sollten. Die Bundesnetzagentur selbst schreibe auf ihrer Website, dass mithilfe des DSA „illegale oder schĂ€dliche Online-AktivitĂ€ten sowie die Verbreitung von Desinformation leichter verhindert werden" könnten. Wer definiert, was „schĂ€dlich" ist? Wer entscheidet, was „Desinformation" darstellt? Die Regierung? BrĂŒssel? Nicht gewĂ€hlte BĂŒrokraten?

Das Instrument der sogenannten „Trusted Flagger" – staatlich ausgewĂ€hlte NGOs, die als „vertrauenswĂŒrdige Hinweisgeber" fungieren – schaffe eine AtmosphĂ€re des gegenseitigen Denunzierens. Man fĂŒhlt sich unweigerlich an Zeiten erinnert, die man in Deutschland eigentlich ĂŒberwunden glaubte.

Konkrete Forderungen statt bloßer Empörung

Was die Berliner ErklĂ€rung von vielen Ă€hnlichen Initiativen unterscheidet, ist ihre Konkretheit. Die Unterzeichner belassen es nicht bei vagen Appellen, sondern formulieren handfeste politische Forderungen. Der Tatbestand der Beleidigung von Personen des öffentlichen Lebens – jene VerschĂ€rfung von 2021, die zu absurden Verurteilungen wegen Begriffen wie „Schwachkopf" fĂŒhrte – sei abzuschaffen. Die VerschĂ€rfung des Volksverhetzungsparagrafen mĂŒsse zurĂŒckgenommen werden. Das Programm „Demokratie leben!" und die staatliche Finanzierung von Meldestellen seien zu beenden.

Bemerkenswert ist auch die Forderung, dem WHO-Pandemievertrag die Ratifizierung zu verweigern, da dieser in seinen ErwĂ€gungsgrĂŒnden die BekĂ€mpfung sogenannter Desinformation vorsehe. Die ErklĂ€rung argumentiert ĂŒberzeugend: Was heute als „schĂ€dliche Desinformation" gelte, könne sich morgen als nĂŒtzliche Information herausstellen. Man denke nur an die Corona-Pandemie, in der zahlreiche zunĂ€chst als „Verschwörungstheorien" diffamierte Aussagen sich spĂ€ter als zutreffend erwiesen.

Wissenschaft ist keine Religion

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft das VerhĂ€ltnis von Wissenschaft und Politik. Die ErklĂ€rung wendet sich entschieden gegen die Tendenz, politische Entscheidungen zu „verwissenschaftlichen" und damit demokratischer Kontrolle zu entziehen. Das Mantra „Follow the science" habe dazu gefĂŒhrt, dass politische Verantwortung an Wissenschaftler ausgelagert werde – wĂ€hrend umgekehrt aktivistisch auftretende Forscher die Grenze zwischen Erkenntnis und Ideologie verwischten. Eine Kritik, die angesichts der Erfahrungen der Corona-Jahre und der Klimadebatte kaum treffender formuliert werden könnte.

„Wer aber das Bestehen von Demokratie mit dem Vorherrschen einer einzigen politischen Richtung gleichsetzt, zerstört die freiheitliche demokratische Grundordnung ausgerechnet im Namen ihres Schutzes."

Die Regierung Merz in der Pflicht

Dass die ErklĂ€rung auch die aktuelle Regierung unter Friedrich Merz nicht verschont, verdient besondere Beachtung. Trotz aller Wahlkampfversprechen plane die Große Koalition eine Regelung, wonach Gerichte bei Verurteilungen wegen Volksverhetzung das passive Wahlrecht entziehen könnten. Polizeiliche „Aktionstage gegen Hass im Netz" dienten erklĂ€rtermaßen der Abschreckung. Man hatte gehofft, dass mit dem Ende der Ampel-Koalition auch die Tendenz zur MeinungsgĂ€ngelung ein Ende finden wĂŒrde. Diese Hoffnung scheint sich als trĂŒgerisch zu erweisen.

Die Berliner ErklĂ€rung ist mehr als ein akademisches Papier. Sie ist ein Weckruf an eine Gesellschaft, die dabei ist, eines ihrer kostbarsten GĂŒter zu verlieren – die Freiheit des Wortes. Dass nur noch weniger als die HĂ€lfte der Deutschen glaubt, ihre Meinung frei Ă€ußern zu können, ist kein statistischer Ausreißer. Es ist ein Alarmsignal, das endlich gehört werden muss. Die Frage ist nicht mehr, ob Deutschland ein Problem mit der Meinungsfreiheit hat. Die Frage ist, ob der politische Wille existiert, dieses Problem zu lösen – oder ob wir tatsĂ€chlich im Schlafwagen in die Unfreiheit rollen.

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