
Chinesische Übernahme beschleunigt Kahlschlag: Saturn-Filialen verschwinden aus deutschen Innenstädten
Der deutsche Einzelhandel erlebt einen weiteren schmerzhaften Einschnitt. Die traditionsreiche Elektronikkette Saturn, einst ein Aushängeschild deutscher Handelskultur, schrumpft in rasantem Tempo zusammen. Was vor wenigen Jahren noch 150 Filialen umfasste, ist auf kümmerliche 50 Standorte zusammengeschmolzen. Und das Ende der Fahnenstange scheint noch lange nicht erreicht.
Ein chinesischer Riese greift nach deutschem Handelserbe
Hinter den Kulissen vollzieht sich ein Machtwechsel, der aufhorchen lässt. Der chinesische Online-Gigant JD.com hat sich im Dezember eine deutliche Mehrheit an der Ceconomy AG gesichert – jener Muttergesellschaft, die sowohl MediaMarkt als auch Saturn unter ihrem Dach vereint. Mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar zählt JD.com zu den zehn größten Handelskonzernen weltweit. Dass ausgerechnet ein Unternehmen aus dem Reich der Mitte nun über das Schicksal deutscher Traditionsmarken entscheidet, dürfte manchem Beobachter zu denken geben.
Zwar hat das Bundeskartellamt bereits grünes Licht gegeben, da JD.com bislang nur in geringem Umfang in Deutschland aktiv sei. Doch die endgültige Genehmigung steht noch aus. Das Bundeswirtschaftsministerium sowie weitere EU-Staaten müssen noch zustimmen, und die EU-Kommission prüft mögliche Wettbewerbsbeeinträchtigungen. JD.com rechnet damit, die Übernahme in der ersten Jahreshälfte 2026 abzuschließen.
Räumungsverkäufe und endgültige Schließungen
Während die bürokratischen Mühlen noch mahlen, werden vor Ort bereits Fakten geschaffen. Die Liste der Schließungen liest sich wie ein Abgesang auf eine Ära:
In der City-Galerie Augsburg ist seit dem 31. Januar das Licht aus. In Chemnitz-Röhrsdorf läuft derzeit ein Räumungsverkauf, die endgültige Schließung ist für den 28. März vorgesehen. Die Filiale in Hattingen wird im Mai folgen, Ludwigshafen schließt Ende März. Besonders bitter trifft es Dortmund: Der Saturn am Westenhellweg, eine Institution in der Innenstadt, wird im Sommer oder September seine Pforten für immer schließen. Als Grund wird der Sanierungsbedarf des Gebäudes angeführt – der Mietvertrag werde nicht verlängert.
Emotionaler Abschied in Erfurt
In Erfurt wandte sich das Team des Saturn-Marktes im Einkaufszentrum Anger 1 via Instagram an seine Kunden. Die Botschaft war unmissverständlich: Nach 26 Jahren ist Schluss. Doch hier gibt es zumindest einen Silberstreif am Horizont – der Standort eröffnet am 19. Februar als MediaMarkt neu. Ein schwacher Trost für jene, die der Marke Saturn über Jahrzehnte die Treue gehalten haben.
Umfirmierungen als Überlebensstrategie
Nicht überall bedeutet das Saturn-Aus das endgültige Ende. An zahlreichen Standorten werden die Filialen schlicht in MediaMarkt-Läden umgewandelt. Frankfurt, Norderstedt, Leipzig, Reutlingen und Leonberg haben diesen Prozess bereits durchlaufen oder befinden sich mittendrin. Die Entscheidung, ob ein Standort als MediaMarkt weitergeführt wird, hänge von umfassenden Marktanalysen ab, so eine Unternehmenssprecherin.
„Mit Saturn und MediaMarkt haben wir zwei wertvolle Marken in Deutschland. Wir stehen zu ihnen – und wir werden beide stärken."
Diese Beteuerung der Ceconomy-Sprecherin klingt angesichts der Realität fast schon zynisch. Denn während die Zahl der MediaMarkt-Filialen durch die Umfirmierungen auf über 350 angewachsen ist, blutet Saturn regelrecht aus. Im europäischen Ausland existiert die Marke Saturn ohnehin nicht mehr – dort gibt es nur noch MediaMarkt.
Eine deutsche Handelsgeschichte geht zu Ende
Die Geschichte von Saturn und MediaMarkt ist eine Geschichte deutscher Wirtschaftskraft, die nun unter chinesischer Regie neu geschrieben wird. Die erste Saturn-Filiale öffnete 1961 in Köln ihre Türen, der erste MediaMarkt folgte 1979 in München. Einst waren beide Ketten erbitterte Konkurrenten, bis MediaMarkt den Rivalen 1990 übernahm. Für Kunden sind die Unterschiede zwischen beiden Marken längst kaum noch erkennbar – die Sortimente gleichen sich, Angebote und Werbung sind nahezu identisch.
Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass wieder ein Stück deutscher Handelslandschaft unter die Räder kommt. Die Innenstädte veröden weiter, während internationale Konzerne die Filetstücke unter sich aufteilen. Ob die chinesischen neuen Herren tatsächlich an beiden Marken festhalten werden, wie versprochen, darf bezweifelt werden. Die Zeichen stehen auf Konsolidierung – und Saturn scheint dabei auf der Verliererseite zu stehen.
Für die betroffenen Mitarbeiter und die Kunden, die ihrer Marke über Jahrzehnte treu geblieben sind, ist dies mehr als nur eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Es ist das Ende einer Ära, das sich in leeren Ladenlokalen und Räumungsverkäufen manifestiert.

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