
Diesel-Alarm bis 2027: Die Energieagentur sieht noch lange kein Ende

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt: Die weltweite Dieselknappheit könnte bis weit ins Jahr 2027 andauern. So steht es im Ölmarktbericht vom 14. Oktober. Der Iran-Krieg und ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien haben den Markt für den wichtigsten Kraftstoff der Wirtschaft ausgetrocknet, und das kurz vor dem Winter, in dem traditionell am meisten verbraucht wird.
Ein Loch von 1,3 Millionen Barrel pro Tag
Allein im September fehlten laut IEA täglich 1,3 Millionen Barrel Diesel und Gasöl aus Russland und dem Nahen Osten. Die gemeinsamen Nettoexporte beider Regionen brachen damit um mehr als 60 Prozent ein. Diese Menge entspricht rund 4,5 Prozent der weltweiten Nachfrage. Mehr Lieferungen aus den USA und China haben die Lücke nur zum Teil gefüllt.
Besonders bitter ist ein Detail aus dem Bericht: Die Golfstaaten liefern ihr Rohöl inzwischen fast wieder im Umfang der Zeit vor dem Krieg. Bei raffinierten Produkten kommen sie aber nicht einmal auf die Hälfte. Das Rohöl ist also da, es fehlen die Raffinerien. Dazu kommen neue Angriffe am Golf. Medienberichten zufolge wurde am 11. September die saudische Ost-West-Pipeline bombardiert.
Rekordpreise, und am Ende zahlt der Bürger
Im September kostete Diesel in Europa und den USA zeitweise rund 220 Dollar je Barrel. Der Aufschlag gegenüber Rohöl lag bei fast 95 Dollar. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die Raffinerien der Engpass sind. Die IEA warnt deshalb selbst, dass die Rekordpreise Waren verteuern, die Realeinkommen schmälern und die Inflation antreiben.
Speditionen, Landwirte, Bauunternehmen und Bergbau können kaum ausweichen. Wer weniger Diesel verbraucht, transportiert, erntet oder baut eben weniger. Die Mehrkosten landen deshalb bei den Verbrauchern, im Supermarkt genauso wie auf der Handwerkerrechnung. In Deutschland verschärfen Energiesteuer, CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer die Lage zusätzlich, denn sie machen einen großen Teil des Preises an der Zapfsäule aus. Bisher hat die Bundesregierung kaum gezeigt, dass sie an diesen staatlichen Preistreibern etwas ändern will.
Notreserven: Viel versprochen, wenig geliefert
Schon im März hatten die IEA-Staaten beschlossen, 400 Millionen Barrel aus ihren Notreserven freizugeben. Später wurde die Zusage auf 426 Millionen Barrel erhöht. Bis Ende September waren aber erst 331 Millionen Barrel auf dem Markt. Das Tempo fiel zuletzt stark ab: Von März bis Juni flossen im Schnitt 2,2 Millionen Barrel am Tag, im September nur noch 270.000.
Dann wurde der Druck größer. US-Präsident Donald Trump drohte den Europäern mit einem Stopp der amerikanischen Dieselexporte. Deutschland und die anderen G7-Staaten forderten daraufhin, 100 Millionen Barrel zügig freizugeben. Am 15. Oktober beschloss der IEA-Verwaltungsrat, die Restmengen aus der März-Zusage schneller abzugeben, darunter rund 20 Millionen Barrel Diesel. Neue Reserven gibt es nicht. Frankreich rechnet Berichten zufolge damit, dass Diesel an der Tankstelle dadurch um 12 bis 18 Cent je Liter billiger werden könnte. Laut den Berichten empfand der Markt den Dieselanteil allerdings als enttäuschend.
Der Puffer schrumpft
Jede Entnahme lässt das Sicherheitspolster für die nächste Krise schrumpfen. Die staatlichen Ölvorräte der OECD-Länder waren laut IEA schon im Frühsommer auf den tiefsten Stand seit Dezember 1990 gefallen.
Licht am Ende des Tunnels, aber erst 2027
Bis Dezember soll die weltweite Raffinerieleistung von 81,3 auf 84,6 Millionen Barrel täglich steigen. Nach Einschätzung der IEA reicht das aber nicht, um die Fehlmengen auszugleichen. Die Lager dürften sich frühestens in der zweiten Hälfte 2027 wieder ausreichend füllen. Für 2026 erwartet die Agentur, dass die weltweite Ölnachfrage um 2,6 Millionen Barrel täglich sinkt, ein Viertel davon beim Diesel. Das ist ein deutliches Zeichen für eine schwächelnde Konjunktur.
Die Lage erinnert an frühere Energiekrisen: knappe Güter, steigende Preise und Regierungen, die mit Notmaßnahmen hinterherlaufen. In solchen Phasen setzen viele Sparer auf Werte, die keine Notenbank und keine Raffinerie vermehren kann. Physisches Gold und Silber können dabei als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen helfen, sich gegen den Kaufkraftverlust abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte vor einer Anlageentscheidung selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
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